Verleihung des Friedensnobelpreises vor 50 Jahren an Willy Brandt
Auf Brandts Weitsicht und Vision setzen!
Brandt: „Manches was totgesagt war, hat sich als lebendig erwiesen“
Unkel. Seine Dankesrede bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreises am 10. Dezember 1971 hatte Willy Brandt mit einem Appell beendet: „Alle die Macht haben, Krieg zu führen, möchten der Vernunft mächtig sein und Frieden halten.“ So ist es leider nicht gekommen, meinte der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Unkel Willy-Brandt-Forum Christoph Charlier. Fünfzig Jahre nach der Auszeichnung Brandts käme man um die Feststellung nicht herum, dass der Zündstoff für Kriege nicht nur nicht ausgegangen ist, er habe noch zugenommen. Jahr für Jahr seien neue Rekorde an Rüstungsexporten zu vermelden und Deutschland an vorderer Stelle mit dabei. Neue Ursachen für Spannungen und Kriege kämen noch hinzu. Cyberkriegshandlungen seien an der Tagesordnung, Klimakriege erschienen am Horizont.
Dennoch, so Charlier weiter, hätten zu allen Zeiten und in allen Kulturen Menschen wie Willy Brandt die Hoffnung nicht fahren lassen. Natürlich sei es Willy Brandt bewusst gewesen, als er in seiner Dankesrede vor dem Hintergrund des gerade tobenden Kriegs zwischen Indien und Pakistan sagte, es sei wenig genug, was wir in Europa und von Europa tun können. Dennoch hielt er an seinen Grundsatz fest: „Der Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Es geht darum, Kriege abzuschaffen, nicht nur, sie zu begrenzen. Kein nationales Interesse lässt sich heute noch von der Gesamtverantwortung für die Frieden trennen.“
Weiter sagte er, erinnerte Charlier: „Krieg ist nicht mehr die ultima ratio, sondern die ultima irratio. Auch wenn das noch nicht allgemeine Einsicht ist: ich begreife eine Politik für den Frieden als wahre Realpolik dieser Epoche.“ Und Brandt dachte weiter, überraschend aktuell. „Der Einsicht in die Abgründe eines globalen Krieges folgte die Erkenntnis, dass Probleme globalen Ausmaßes uns bedrängen: Hunger, Bevölkerungsexplosion, Umweltgefahren, Abnahme der natürlichen Vorräte. Diese Dimensionen kann nur ignorieren, wen den Untergang dieser Welt akzeptiert oder gar mit Wollust erwartet.“ Er habe, schloss Brandt, viele Illusionen wachsen und schwinden sehen, aber er habe auch erfahren, was Überzeugungstreue, Standhaftigkeit und Solidarität bedeuten können. „Manchen was totgesagt war, hat sich als lebendig erwiesen.“
Charlier: „Willy Brandt war kein blauäugiger Friedensapostel, wohl aber ein Politiker mit Weitsicht und Vision.“ Seine friedenspolitische Überzeugung sollte die aktuelle Politik leiten, wünschte er.
Pressemitteilung
Bürgerstiftung Unkel
Willy-Brandt-Forum
