Verein Zehnthaus e.V. auf Exkursion
Auf Filzpantoffeln beim Hochadel
Swisttal-Odendorf. Kulturhistorische Exkursionen sind fester Bestandteil des vielfältigen Programms des Zehnthausvereins Swistal-Odendorf/Essig. In die mittelalterliche Stadt Zons und das neuzeitliche Schloss Benrath führte die diesjährige Frühjahrsexkursion, die der Kulturwart des Vereins, Dr. Swen Holger Brunsch, sorgsam vorbereitet hatte. Bis auf den letzten Platz ausgebucht war der Bus, mit dem sich die Teilnehmer voller Erwartung Zons näherten. Im Dezember 1373 hatte der Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden die damals noch am Rhein gelegene mittelalterliche Siedlung mit der Burg Friedestrom und der Zollstation zur Stadt erhoben. Die Bewohner erhielten das Stadtrecht nach Brühler Vorbild, durften die Siedlung befestigen sowie einen Wochenmarkt und einen Jahrmarkt abhalten. Zwei versierte Stadtführer informierten die Teilnehmer über die Geschichte der Stadt und der Burg, über den Rheinverlauf und die Rhein-Hochwasser, ließen das Windrad auf dem Mühlenturm antreiben und erzählten die kuriose Geschichte des Schweinebrunnens.
Auf die andere Rheinseite zum Benrather Schloss ging es nach dem Mittagessen. Das Schloss gilt als Paradebeispiel für ein Lust-, Jagd- und Gartenschloss der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Gleich zu Beginn überraschten die Schlossführerinnen die Gäste mit der Nachricht, dass der Schlossherr Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz das Schloss nur für wenige Stunden besuchte und selbst gar nicht bewohnte. Dies tat dem Staunen über den prächtigen Kuppelsaal, die festlichen Räume des Kurfürsten und seiner Gemahlin sowie dem Erstaunen über die Zimmer und Laufgänge des Personals jedoch keinen Abbruch. Und so leisteten die Besucher gerne „aktive Denkmalpflege“, wie es ein Exkursionsteilnehmer scherzhaft nannte, indem sie mit den obligatorischen Filzpantoffeln das Parkett nicht nur schonten, sondern es nebenbei auch polierten. Begeisterung weckte auch der weitläufige Park mit seinen verschiedenen Gärten. Die Gäste des Zehnthausvereins waren sich einig, dieser Tag vermittelte eindrucksvoll die Lebenswelt des Mittelalters und das Lebensgefühl des deutschen Hochadels.
