Allgemeine Berichte | 14.12.2020, 11:02 Uhr

Gerald Orthen veröffentlicht neuen Roman

Auf Tätersuche mit Eugen Kranzel

Gerald Orthen. Foto: privat
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Remagen/Berlin. Der Kreis Ahrweiler ist nicht nur bekannt für Wein und Wanderwege. Der Landkreis gilt als Region, die schon einige Autoren hervorgebracht hat. Einer davon ist Gerald Orthen, der nun seinen Roman „Trümmerschatten“ veröffentlich hat. Auch wenn Orthen mittlerweile in Berlin wohnt, verbindet ihn mit dem Ahrkreis eine Menge - schließlich hat er fast 30 Jahre in Remagen gewohnt. Über die Bedeutung von Heimat und seinem neuen Roman erzählte Orten nun im Interview mit BLICK aktuell.

BLICK aktuell: Kürzlich ist ihr neuer Roman „Trümmerschatten“ erschienen. Um was geht es?

Gerald Orthen: Der Krimi handelt von dem Mord an einem Lehrer in einem rheinischen Dorf im Winter des Jahres 1949. Das Opfer war ein Eigenbrötler und hatte sich mit seiner liberalen und kirchenkritischen Einstellung in der katholischen Dorfgemeinschaft Feinde gemacht. Der junge Kommissar-Anwärter Eugen Kranzel aus Bonn, der seinerzeit ganz neuen westdeutschen Hauptstadt, muss sich bei seinem ersten Fall beweisen. Zunächst ist er ganz auf sich allein gestellt. Später wird er nur von seinem trunksüchtigen Ausbilder unterstützt und stößt auf dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit. Dabei erfährt er scharfen Gegenwind von den schweigsamen Dorfbewohnern. Und spätestens beim Herumstochern in alten Nazi-Verstrickungen bremsen höhere Vorgesetzte die Ermittlungen aus. Auf der Suche nach der Wahrheit muss Kranzel schließlich eine Gier erkennen, die über Leichen geht und auch sein Leben bedroht.

BLICK aktuell: Ihr Roman spielt in der Nachkriegszeit – was fasziniert Sie an dieser Zeit?

Orthen: Wo fange ich an? Nun, in aller Kürze ist es so, dass mich vor allem zwei Stränge faszinieren: Ein familiengeschichtlicher und ein beruflicher. Es gibt in meiner Familie eine Fülle von Erzählungen und Schilderungen aus dieser Zeit, die mir sehr nahegehen. Weil sie sich von meiner eigenen Vita, die durchgehend in Frieden, Freiheit und Wohlstand stattgefunden hat, mitunter drastisch unterscheiden. Die Extreme dieser Zeit zwischen Zerstörung und Hunger einerseits und dem sehnsüchtigen Ausblick nach besseren Zeiten anderseits sind da zu nennen. Der Naziterror von gestern versus die Hoffnung auf Freiheit und Wiederaufstieg. Für mich als Jurist, und da bin ich dann in dem beruflichen Strang, war es ebenfalls faszinierend, die Grundrechtsvorlesungen von Professor Bernhard Schlink zu besuchen, der Anfang der 90er Jahre in Bonn gelehrt hat. Das Grundgesetz von 1949, und da setzt meine Geschichte ja ein, ist die konsequenteste Abkehr von Diktatur und Menschenfeindlichkeit, die sich denken lässt. Und dass dies auch in aktueller Zeit ganz greifbare verteidigungswerte Bezüge aufweist, liegt für mich auf der Hand.

BLICK aktuell: Das Buch spielt im Rheinland, Ermittler Kranzel kommt aus Bonn und auch Sie selbst stammen aus Remagen. Wie ist ihr Bezug zum Rheinland?

Orthen: Ich habe beinahe 30 Jahre lang in Remagen gelebt. Hinzu kommen rund zehn Jahre in Bonn, seit ich 2008 mit meiner Familie nach Berlin umgezogen bin. Wenn man das so zusammenrechnet, zeigt sich mit mir nicht nur ein – sagen wir mal: etwas gereifter Roman-Debütant, sondern auch eine lange Rheinland-Erfahrung. Und die verbindet sich mit einer Liebe zu Land und Leuten, die ich nicht missen mag. Beim Schreiben in der Berliner Gegenwart war es mir deshalb eine große Freude, die rheinische Vergangenheit aus der Erinnerung zu holen und diese mit einigen Vor-Ort-Besuchen aufzufrischen. Meine Mutter lebt in Bad Neuenahr. Ich bin aber aus den aktuellen Rahmenbedingungen heraus leider schon viel zulange nicht dort gewesen.

BLICK aktuell: Die jetzigen Zeiten sind schwierig für Kulturschaffende. Wie sieht der Alltag als Autor in Corona-Zeiten aus?

Orthen: Ich schreibe ja nur nebenbei und arbeite als Personalleiter bei einem Krankenversicherungsverband. Zwar hätte ich gerne in diesem Jahr die Buchmessen besucht und in Berlin und im Rheinland Lesungen gemacht. Aber das sind im Vergleich absolut geringfügige Verluste. Vielleicht lesen die Menschen in Corona-Zeiten sogar mehr Bücher als sonst. Die Autoren trifft es insgesamt sicher nicht so hart wie die Kolleginnen und Kollegen, die stets auf den direkten persönlichen Publikumskontakt angewiesen sind. Ein anderer Aspekt ist, ob sich Autoren von Corona irgendwie so deprimieren oder runterziehen lassen, dass das Schreiben schwieriger wird. Da kann ich, Gott sei Dank, in meinem Fall Fehlanzeige vermelden. Ich arbeite an einem weiteren Krimi. Wenn`s klappt, tritt mein Eugen Kranzel irgendwann aus dem aktuellen Trümmerschatten heraus und ermittelt wieder. Gelernt hat er in seinem ersten Fall jedenfalls eine Menge. Und das trifft auf seinen Autor auch zu.

ROB

Gerald Orthen. Foto: privat

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