Kleinkunstbühne Mons Tabor erarbeitete Leitlinien für die Erhaltung der Kulturlandschaft
Auf biologische Pandemie darf nicht digitale folgen: Kultur muss Live-Erlebnis bleiben
An vielen Stellen wird an Lösungen gearbeitet oder wurden diese schon auf den Weg gebracht
Westerwaldkreis. Wir dürfen uns von dem elenden Virus die in 30 Jahren aufgebaute Vielseitigkeit des Kulturangebotes im Westerwald nicht kaputt machen lassen! Nach drei Monaten ohne Veranstaltungen und meist ohne Einnahmen ist die mühsam von vielen kreativen Köpfen aufgebaute Kulturlandschaft in Gefahr.
Aber ohne die damit verbundenen kreativen Impulse und die vielschichtigen Formen anspruchsvoller Unterhaltung wird die Region es nach Corona schwer haben wieder auf die Beine zu kommen. Das stellt die Kleinkunstbühne Mons Tabor fest. Doch der Blick in der Region geht nach vorne … nicht nur in der Kleinkunst!
Noch fragen sich aber im gesamten Westerwald Kulturschaffende in unterschiedlichen Bereichen, Künstlerinnen und Künstler, Inhaberinnen und Inhaber kleiner Betriebe der Kulturwirtschaft sowie viele Vereine, die Veranstaltungen durchführen, wie es denn nun weitergehen kann. Einige sorgen sich um das nackte Überleben. „Nach meinem Eindruck“, so Uli Schmidt als Vorsitzender der Kleinkunstbühne Mons Tabor e.V. und Mitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft Deutschlands, „ist in Politik und Verwaltung auf allen Ebenen angekommen, wie wichtig Hilfsmaßnahmen auch für den lokalen Kulturbereich sind“.
An vielen Stellen werde an Lösungen gearbeitet oder diese seien schon auf den Weg gebracht worden.
Dies auch deshalb, weil viele aus dem Kultur- und Kunstbereich vollkommen zu Recht Existenzängste hätten, weil massiv Aufträge wegbrechen, weil seit Mitte März fast alle Veranstaltungen abgesagt wurden, weil Schülerinnen und Schüler nicht mehr zu außerschulischen kulturellen Bildungsangeboten wie der Kreismusikschule oder den Kinderchören kommen können, weil, weil, weil … da hilft der von der Berliner Koalition angekündigte Kulturinfrastrukturfonds. Nachdem die Länder das Zepter übernommen haben, befindet sich auch in die Kultur in einer neuen Phase der Corona-Pandemie. So legt Rheinland-Pfalz fest, wie und wann welche Kultureinrichtungen öffnen dürfen, wie und wann Veranstaltungen stattfinden dürfen und wie viele Leute im Innen- oder Außenbereich kommen dürfen.
Dank der wirksamen Pandemiepräventionen mit derzeit auch im Westerwald niedrigen Zahlen von Neuinfizierten, ist das möglich. Bald kann die Kulturszene deshalb wieder aufatmen und passende Programme für die Zeit nach Corona vorbereiten. Aber für alle Kulturveranstalter bleibt das Risiko: Sollten die Wäller unvorsichtig werden und die Zahl der mit dem Corona-Virus Infizierten wieder nach oben schnellen, droht ein neuer Rückschlag, der für einige in der Szene vermutlich das endgültige „Aus“ bedeuten würde!
Nach Ansicht der inzwischen kreisweit tätigen Kleinkunstbühne sind unter anderen einige Leitlinien wichtig, damit das Kulturangebot in der Region nach Corona eine Zukunft hat:
1. Die heimische Wirtschaft muss verstärkt erkennen, dass der weiche Standortfaktor Kultur an Bedeutung nicht verliert. Es wäre ein Fortschritt, wenn jedes gut laufende Unternehmen mindestens eine größere Kulturveranstaltung im Jahr mit ermöglicht.
2. Kommunen und Kreis müssen mit dafür sorgen, dass die Musik-, Theater- und Gesangvereine als wichtige (und oft einzige) Kulturträger in den Dörfern eine Zukunft haben.
3. Die Zusammenarbeit von Tourismus und Kultur darf noch etwas intensiver werden – das bringt Vorteile für beiden Seiten.
4. Dafür ist es wichtig, dass es mehr bekannte Großveranstaltungen (wie das frühere Hachenburger Burgartenfest) als über den Westerwald hinaus wirkende Besuchermagneten gibt. Dazu zählen auch hochwertige Reihen wie die „Westerwälder Literaturtage“ oder die Weltmusikreihe „Musik in alten Dorfkirchen“. Auch ganz besondere Veranstaltungsorte wie das Kultur- und Naturerlebniszentrum b-05 im Montabaur Stadtwald sind wichtig.
5. Bei solo-selbstständigen Künstlerinnen und Künstlern kommt es infolge der Corona-Krise zu spezifischen Härten. Mehr Aufträge – z.B. in Form von Kunst am Bau – wären hilfreich.
6. „Kunst und Kultur sind systemrelevant“ (so der Bürgermeister der VG Hachenburg, Peter Klöckner) – und darf deshalb von den Westerwälder Kommunen in der Krise nicht als „freiwillige Leistung“ zur Disposition gestellt werden!
7. Nach der biologischen Pandemie darf nicht die digitale folgen: Kultur muss ein gemeinschaftliches Live-Erlebnis bleiben und gut gemeinte digitale Notlösungen gehören schnell in die Tonne!
Kontakt gerne unter uli@kleinkunst-mons-tabor.de
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