Letzte Veranstaltung des Jahres beim „Gesprächskreis Ahrwein“
Auf dem Holzweg – vom Baum zum Fass zum Wein
Mayschoß. Der „Gesprächskreis Ahrwein“ hatte zu seiner letzten Veranstaltung in 2019 eingeladen und das Römergewölbe der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr war mit rund 90 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllt. Kellermeisterin Astrid Rickert referierte in ihrer außerordentlich interessanten Präsentation über den gesamten Weg einer Eiche vom Sämling bis zur Aufstellung des Eichenfasses im Weinkeller. Die Idee, für die Lagerstätte des Weines heimisches Holz zu verwenden, hatten sie in Mayschoß schon vor mehr als 20 Jahren. In die Tat umgesetzt haben sie diese Idee dann vor 13 oder 14 Jahren mit dem ersten Eicheinschlag für ihre Fässer. Eichen, die vor über 150 Jahren, also noch vor der Gründung der Mayschosser Genossenschaft mit ihrem Wachstum begannen, „stehen jetzt bei uns im Keller“ so Astrid Rickert.
Das Holz beeinflusst den Wein
Das Eichenholzfass ist mitentscheidend für die Reifung und Lagerung der Rotweine. Jedes Fass ist ein Unikat, Aromen und Weingeschmack sind somit von Fass zu Fass unterschiedlich. Die Winzer wissen, dass Holz nicht gleich Holz ist, selbst wenn es vom selben Baum stammt. Man muss auf Wachstum, Geruch und Farbe des Holzes achten. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Förster und dem Weinküfer unverzichtbar. Wenn die heimischen Eichen in der Eifel oder etwa im Kottenforst eine fassholz-taugliche Entwicklung erreichen, sind sie 30 bis 35 Meter hoch und haben eine Mindeststärke von 40 cm. Ist der Baum dann einvernehmlich vom Winzer, dem Förster und dem Weinküfer ausgesucht, erfolgt der Einschlag bis Ende Februar, wenn der Baum noch ruht. Dann wird er einem altehrwürdigen Handwerk zugeführt, das sich in der Arbeitsweise seit dem Mittelalter nicht verändert hat. Beim Küfer werden die einzelnen Holzteile, aus denen ein Fass besteht, herausgearbeitet. Vom eingeschlagenen Holz bleiben durchschnittlich nur noch 30 Prozent für das Fass übrig.
Die Längshölzer, die sogenannten Dauben, werden auf Fassgröße geschnitten und in der Mitte in der Stärke reduziert, sodass jede Daube an den Kopfenden etwas dicker als in der Mitte ist. Rund drei Jahre lang müssen die Bretter trocknen, ehe sie zu einem Fass zusammengefügt werden können.
Über das in Drahtkörben entzündete Holzfeuer erfolgt bei 400 bis 600 Grad das Biegen der Dauben und das Toasten der Fassinnenseiten. Große Fässer mit einem Fassungsvermögen von 1.000 Litern und mehr können bis zu 100 Jahre genutzt werden. Von den 300 kleinen Barrique-Fässern werden in Mayschoß jedes Jahr 100 ausgetauscht, sie haben somit eine „Lebenserwartung“ in den dortigen Kellern von nur drei Jahren, danach werden sie von der Genossenschaft zum Kauf angeboten, Brennereien nehmen sie gerne für ihre Brände.
Im zweiten Teil des Abends „Ahrwein aktuell“ erläuterte Winzermeister Marc Linden unter dem Titel „Ruhe im Weinberg“ das Ergebnis des Jahrgangs 2019, den er als durchaus gut bewertete, und ging im Weiteren detailliert auf die derzeit anstehenden Arbeiten in den Weinkellern, wie beispielsweise die verschiedenen Methoden, die Hefe vom Wein zu entfernen, ein. Es war wieder eine sehr informative Veranstaltung für alle Gäste, die sich bereits auf die nächste Veranstaltung im Februar 2020 freuen.
