Allgemeine Berichte | 27.02.2016, 09:00 Uhr

Eifelverein Sinzig

Auf den Spuren der Römer und eines rheinischen Mandarins

Sinziger Eifelverein-Wanderer durchstreiften die Waldville und die Swistbachaue

Die Statue des Johann Adam Schall von Bell, umringt von Wanderern aus Sinzig. privat
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Region. Die zweite Etappe der vom Sinziger Eifelverein veranstalteten Wanderung entlang des Karl-Kaufmann-Weges (der übrigens nach dem langjährigen Vorsitzenden des Eifel-Hauptvereins benannt ist) führte einerseits durch die dichten Laub- und Nadelgehölze der Waldville westlich von Bonn, und andererseits durch das offene Gelände der Swistbachaue zwischen Morenhoven und Meckenheim. Ausgangspunkt der Wanderung war die Wasserburg Heimerzheim, eine bis in das 13. Jahrhundert zurückreichende zweiteilige Burganlage mit Vor- und Hauptburg auf jeweils separaten Inseln, die seit 200 Jahren als Stammsitz des rheinischen Zweigs der Freiherren-Familie von Boeselager dient. Vom Park der Burg bot sich den Wanderern in einer von Baumbewuchs bewusst frei gehaltenen Sichtachse nach Südwesten ein grandioser Fernblick auf die Tomburg bei Wormersdorf und in noch weiterer Ferne auf die schemenhaften Umrisse des Ahrgebirges, namentlich des Steinerbergs südlich der Ahr.

Bald ließ die Gruppe die letzten Häuser Heimerzheims hinter sich und bewegte sich entlang kilometerlanger, schnurgerader Waldschneisen durch das ehemalige Parforce-Jagdgebiet der Kurfürsten von Köln. An einer spätmittelalterlichen, hoch aufragenden Grenzmarkierung aus Roheisen, dem sogenannten „Eisernen Mann“, wurde dann die erste Rast eingelegt. Wenig später stießen die Wanderer auf Spuren der fast 2000 Jahre alten und 100 km langen römischen Wasserleitung aus der Nordeifel nach Köln, nämlich auf sogenannte „Ausbruchsgräben“, wo die Menschen des frühen Mittelalters die hier unterirdisch verlaufende Wasserleitung ausgegraben und abgebrochen hatten, um das so gewonnene Steinmaterial beim Bau von Burgen, Kirchen und Klöstern in der Umgebung wieder zu verwenden. Auch an weiteren Stationen der Wanderung, in Buschhoven, Lüftelberg und Rheinbach, konnten die Teilnehmer geborgene Überbleibsel oder Repliken dieses eindrucksvollen Beispiels antiker Baukunst bewundern.

Ein überraschender Mandarin

Kurz vor Buschhoven verließ die Gruppe den Wald, hielt ihre Mittagsrast an einem erhöhten Aussichtspunkt mit weitem Blick in die Voreifel Richtung Euskirchen und Rheinbach, und wanderte dann am westlichen Rand der Ville entlang nach Lüftelberg mit seiner farbenfrohen, mittelalterlichen St. Petrus Kirche, der Begräbnisstätte der heiligen Lüfthildis, der um 800 geborenen Namensgeberin des Ortes, deren Statue vom Giebel eines nahe gelegenen Hauses auf das Dorf hinabblickt.

Für die Wanderer noch interessanter und überraschender war allerdings eine andere Statue unweit der Lüftelberger Wasserburg, nämlich die eines – wie es schien - chinesischen Mandarins. Sie erinnert an Johann Adam (chinesisch: T’ang Jo-wang) Schall von Bell (1592 - 1666), den Spross einer Lüftelberger Adelsfamilie, der als Jesuit, Mathematiker und Astronom fast ein halbes Jahrhundert lang als einflussreicher Berater (zuletzt als Mandarin erster Klasse) am chinesischen Kaiserhof gewirkt hatte. Kein anderer Ausländer vor oder nach ihm hatte jemals eine solch hohe Stellung in der chinesischen Hierarchie erreicht wie er.

Über Flerzheim und Ramershoven ging es dann durch weitläufige Obstplantagen Richtung Rheinbach, wo die rechtschaffen müden Wanderer in einem gemütlichen Café einkehrten, bevor sie dann am Ende dieses lohnenden Wandertages mit seinen vielen Ausblicken und neuen Eindrücken mit der Bahn nach Sinzig zurückkehrten.

Die Statue des Johann Adam Schall von Bell, umringt von Wanderern aus Sinzig. Foto: privat

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