Verein Zehnthaus e.v. beschäftigte sich mit Literaturtourismus
Auf den Spuren des Eifel-Krimis
Zusammenfassung vom Vortrag von Dr. Raphaela Knipp im Zehnthaus
Rheinbach. Jüngst hielt die Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftlerin Dr. Raphaela Knipp im Zehnthaus in Swisttal-Odendorf einen Vortrag zu dem Thema „Literaturtourismus – Auf den Spuren des Eifel-Krimis“. Die Referentin, die sich in ihrer jetzt auch im Buchhandel erschienen Dissertationsarbeit „Begehbare Literatur. Eine literatur- und kulturwissenschaftliche Studie zum Literaturtourismus“ umfassend mit allen Facetten dieser Thematik auseinandergesetzt hat, trug auf Einladung des Vereins Zehnthaus e.V. vor. Zu Begriff und Geschichte des Literaturtourismus führte Raphaela Knipp grundlegend aus, dass sich erste Reisen zu Handlungsorten der Literatur bereits im 15. Jahrhundert nachweisen lassen. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dann verstärkt im 19. Jahrhundert nehmen diese Aktivitäten zu, um schließlich im 20. und 21. Jahrhundert zu einem internationalen Phänomen zu werden.
Inzwischen gibt es 50 Autoren über die Krimis in der Eifel
Exemplarisch nannte sie unter anderem das in der Nähe Paduas gelegene Haus des 1374 verstorbenen Dichters Petrarca, den Vierwaldstätter See als Handlungsort von Schillers Wilhelm Tell, Wetzlar für Goethes Werther, das Sherlock Holmes-Museum in London und schließlich den Erlebnispark „Dickens World“ in Chatham. Schwerpunkt des Vortrags war dann das heutige Gesicht des Literaturtourismus, dargestellt am konkreten Beispiel der Eifel-Krimis. Konkret fragte Raphaela Knipp hierzu: Wie werden die in der Literatur beschriebenen Handlungen und Landschaften vor Ort inszeniert, wie funktionieren literarische Spaziergänge oder Themenwanderwege, wer sind Literaturtouristen und wie erfahren und erleben sie diese Angebote?
Erster Eifelkrimi erschien 1989
Zunächst aber zu den Romanen selbst. Der erste Eifel-Krimi „Eifel-Blues“ von Jacques Berndorf erschien 1989. Heute gibt es circa 50 Autoren in den verschiedenen Eifelgegenden. Die Romane zählen zu den Provinzkrimis, Elemente des klassischen Kriminalromans werden mit Elementen des Heimatromans kombiniert. Neben dem herkömmlichen Krimiplot trägt vor allem auch die Wiedererkennbarkeit der Orte zu ihrem Erfolg bei. Das Gleiche gilt für Verbrechen, die in bestimmte politische oder wirtschaftliche Zusammenhänge der Region eingebettet sind. Ebenso werden die Mentalität der Bewohner und auch kulinarische Eigenheiten der Eifel beschrieben. Zu Beginn der 2000er Jahre kamen zunächst einzelne Leser in die Region und erkundigten sich nach Handlungsorten und Schauplätzen. Dann mit immer weiteren Publikationen entwickelte sich ein regelrechter Eifel-Krimi-Tourismus bis schließlich auch die Eifler Tourismusbehörden darauf reagierten. 2004 wurde ein Krimi-Wanderweg gestaltet. Ab 2008 kam es dann zu geführten Gruppenwanderungen mit Begleitprogramm. Der Ausbau touristischer Infrastruktur führte in der „Krimihauptstadt“ Hillesheim zu einem Krimi-Hotel, einem Krimi-Café mit Krimibuchhandlung und seit 2013 gibt es sogar einen Krimibus, der nun auch weiter voneinander entfernte Orte in einem Ausflug erreichbar macht. Die tiefere Motivation bei den überwiegend weiblichen zwischen 20 und 70 Jahre alten Eifel-Krimi-Touristen besteht zunächst darin, die Schauplätze „ihrer“ Krimis kennenzulernen, reicht aber oft noch hierüber hinaus. Neben oder während der mehrstündigen geführten Wanderungen werden vielfach auch interaktive spielerische Elemente angeboten, in denen die Teilnehmer mit verteilten Rollen als Täter, Opfer, Ermittler, Zeugen auftreten, Rätselfragen lösen oder Szenen aus Romanen in Rollenspielen oder Lesungen in Dialogform am Schauplatz nachspielen.
„Krimihauptstadt“ Hillesheim
Das Gelesene wird so zu einer persönlichen Erfahrung, man ist Teil der Handlung. Ganz wichtig ist für viele Krimi-Fans dabei auch die Gemeinschaftserfahrung. Man ist in einer Gruppe Gleichgesinnter unterwegs und kann sich angeregt über seine Interessen austauschen. Es machen aber ebenso Wander- und Erholungsurlauber, die ein besonderes Erlebnis suchen, von dem Angebot der Literaturführungen Gebrauch. Der Eifel-Krimi dient hier oft als Urlaubslektüre, um Näheres über die Region zu erfahren. Ein interessanter Aspekt des Vortrags war auch, dass die Eifler Tourismusverantwortlichen durchaus den Wert der Kriminalromane für die Region erkannt und mitunter auch versucht haben, Autoren auf „attraktive“ Tatorte hinzuweisen. Dadurch werden die Romane sicherlich nicht notwendigerweise zur Tourismusliteratur, positive Effekte werden allerdings gerne begrüßt. Zusammenfassend unterstrich Raphaela Knipp noch einmal, dass der Literaturtourismus sich generell zunehmend größerer Beliebtheit erfreut. Er ermöglicht, dass Literatur nicht mehr ausschließlich als stilles Lesevergnügen vermittelt werden muss. Der Literaturtourismus macht es dem Einzelnen möglich, Grenzen des Textes zu überschreiten und das Leseerlebnis mit einem interaktiven Event zu krönen.
