Zehnthaus Verein
Auf den Spuren von Händlern, Pilgern und Königen
Andreas Schmickler sprach über die Aachen-Frankfurter Heerstraße
Swisttal-Odendorf. Rund 1000 Jahre verlief die Aachen-Frankfurter Heerstraße genau zwischen Odendorf und Essig. Sie war die zentrale Verbindungsstraße zwischen dem Wahlort (Frankfurt) und dem Krönungsort (Aachen) des deutschen Königs. Erst im 20. Jahrhundert geriet sie in Vergessenheit. Flurbereinigungen beseitigten die letzten Spuren. Doch sie ging nicht restlos unter. Andreas Schmickler beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit der Streckenführung der Krönungsstraße und dokumentiert ihren Verlauf durch Infotafeln vor Ort. Auf Einladung des Vereins Zehnthaus stellte er neue Erkenntnisse über den Straßenabschnitt von Sinzig nach Düren vor. Eindrucksvoll zeigte Schmickler, wie auch heute noch die Burgen Landskron und Tomburg als Orientierungspunkte dienen, wie Kapellen und Wegekreuze auf die Route hinweisen, ja wie der alte Flurname Galgenfeld auf eine makabre Wegmarke hindeutet. Ist sich Schmickler einmal über den Straßenverlauf im Unklaren, helfen ihm vor allem Luftbildaufnahmen und die moderne Luftbildarchäologie weiter. Plastisch führte er dem Publikum im voll besetzten Zehnthaus anhand historischer Karten und der charakteristischen Schattenlinien auf den Fotos die Straße vor Augen, wie sie sich einst durch die Landschaft schlängelte. Doch begnügte sich Schmickler nicht bloß mit der Rekonstruktion der mittelalterlichen Trasse. Er hob auch die Unannehmlichkeiten und Gefahren der Reisen hervor und vermittelte einen Eindruck der nahezu unpassierbaren Strecke bei schlechtem Wetter. Für die Menschen in Odendorf und Essig war die Heerstraße Segen und Fluch zugleich. Segen durch den Glanz der vorbeiziehenden Könige und ihres Gefolges, durch die vielen Händler und Pilgerscharen, die den Weg nutzten und Waren, Neuigkeiten und Verdienstmöglichkeiten brachten. Fluch durch Versorgungsengpässe, Krankheiten und wohl auch durch umherziehendes Gesindel. Die Aachen-Frankfurter Verbindung war über Jahrhunderte Krönungsstraße, Heerstraße, Pilgerweg und Handelsroute in einem. Sie verband Flandern mit Aachen, Düren, Sinzig, Koblenz, Mainz und Frankfurt, wo sie auf alle großen weiterführenden Verbindungswege nach Norden, Osten und Süden traf. Eindringlich wies Schmickler auf die Bedeutung der Dokumentation und des Erhalts der mittelalterlichen Fernstraße hin. Ein solches Kulturgut ist es wert, in Erinnerung gehalten zu werden. Im Auditorium im Zehnthaus fand er dafür Zustimmung.
