Rheinbacher Landsturm begeisterte mit vielfältigem Programm
Auf karnevalistischer Höllenfahrt mit dem „Orient-Express 2014“
Rheinbach. Ordentlich Dampf machte der Rheinbacher Landsturm und erwies sich bei seiner Premierensitzung in der Rheinbacher Stadthalle als Stimmungs-Lokomotive. Unter dem Titel „Orient-Express 2014“ forderten die 13 Zugbegleiter das in den wildesten Verkleidungen erschienene Publikum unmissverständlich auf: „Bitte einsteigen zu einer karnevalistischen Höllenfahrt mit himmlischen Eingebungen“ und legten im Minutentakt Lachbriketts nach. Schon der Einmarsch auf die zum Hauptbahnhof umgestaltete Bühne stellte die Weichen für eine Volldampf-Fahrt mit jeder Menge Lokalkolorit und einem augenzwinkernden Blick auf die wegweisenden Ereignisse des vergangenen Jahres in der Glasmetropole. Als ratternde Waggons, angeführt von Lok Jacob Mufleh und Schaffner Willi Mirgartz, rumpelten die Landstürmer gleich ungestüm los, dabei versprach Fred Paral als „Kardinal Tebartz zu Krings“, den Petersdom dank günstigen Kostenvoranschlags für Gotteslohn ins Weilerfeld zu holen und Bürgermeister Stefan Raetz dazu auch noch ein goldenes Fahrrad zu spendieren - „wenn ich Bischof von Rheinbach werd“. Dann werde er es richtig knallen lassen, „bis alle Meckenheimer vom Glauben abfallen.“
Römerkanal hat Chancen auf „Rheinbach 21“
„Dreimal Null iss Null“, wusste das Quartett Peter und Richard Arzdorf, Heiko Hecking und Achim Frank schon aus der „Kayjass Nummer 0“, doch in ihrem deftig gewürzten Schul-Kultur-Püree tischten sie den Zuhörern noch einige andere Rechenkunststücke auf. Da die Stadt Rheinbach bekanntlich ihren klammen Haushalt mit Steuererhöhungen und Gebührenexzessen aufhübsche, müsse jeder Rheinbacher pro Tag 3.550 Liter Wasser durch den Kanal jagen, um allein die 420.000 Euro Minus bei der Monte Mare-Pacht auszugleichen. Und der neue Bahnhaltepunkt „Römerkanal“ habe gute Chancen, als „Rheinbach 21“ in die Annalen einzugehen. Wenn die Lokomotive im Rheinbacher „Hauptbahnhof“ angekommen sei, steht der letzte Waggon immer noch am „Römerkanal“.
Der Stoff, aus dem Legenden gemacht werden, war der unglaubliche „Bahnschranken-Einfall“ des lustigen Stadtsoldaten-Anhängsels. Hier hatten die Landstürmer Peter Eich als üppiges Rotschopf-Engelchen und Harald Assenmacher als gut bestücktes „Stängelchen“ in Marterpfahl-Manier an hochgezogene Bahnschranken gebunden, die „zum Wohl des Rheinbacher Autofahrers“ mehrmals herabgelassen und wieder hochgezogen wurden. Den Saal zum Kochen brachte „Pausenfüller“ Jakob Mufleh mit seiner „Geschichte des O“, bei dem nicht nur Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz, sondern auch Meckenheims Stadtchef Bert Spilles ihm zujubelte angesichts einer glänzenden Gesangsperformance mit dem Brings-Gassenhauer: „Denn ich ben nur ne Kölsche Jung, un mie Hätz, dat litt mer op d’r Zung!“ Dann war die Bühne soweit wieder hergerichtet, dass die „Draisinen-Boys“ Heiko Hecking und Willi Mertens sich auf große Fahrt begeben konnten. Und das mit WLAN (Wahrscheinlich lang anhaltenden Netzverbindung) und FLAT (Fielleicht lang anhaltendes Telefonat).
Nachdem Achim Frank als „Urlauber“ festgestellt hatte, dass Lattenrost wohl eine Art männliche Geschlechtskrankheit sein müsse, blieb er immer wieder in den mittlerweile neun Verkehrs-Kreiseln in und um Rheinbach stecken. So sei im „Meckenheimer Übungskreisel“ ein überforderter Sonntagsfahrer aus der beliebten Nachbarstadt nach 15 Stunden Kreiselrundfahrt wegen Spritmangels liegen geblieben und habe erst dann von furchtlosen Rheinbachern aus seiner Misere gerettet werden können. Nicht unbedingt zu empfehlen war allerdings seine „Flugreise im Konjunktiv“ im Mittelsessel mit den nicht gerade dürren Sitznachbarn Bert Berg und Paul Nelles, dafür erklärten sich die Landstürmer gegen Zahlung von jeweils 100 Litern Freibier dazu bereit, sämtliche Rheinbacher Verkehrskreisel nacheinander mit großem Brimborium einzuweihen und so ein neun Wochen dauerndes „Kreiselfest“ zu feiern.
„I make Stippeföttche for you“
Drei wichtige Persönlichkeiten kamen anschließend nach Rheinbach, um nach dem kleinen Jesuskind (Karl-Heinz Jansen) in der Schubkarren-Gruppe zu schauen, das seinen Eltern (Stefan Jansen und Harald Assenmacher) nur Sorgen machte. Mit einem „Quattro-Stagioni“-Ausziehstab ließ Barack Obama seine NSA-Horchdrohne über den Bürgermeistertisch kreisen, um zu erfahren, wer die Wahl zum „Bürger King“ gewinnt. Derweil tanzte Silvio Berlsuconi „Tutti Frutti mit der Mutti“ Angela Merkel. Kokett bot sie Silvio an: „I make Stippeföttche for you“, doch am Ende stellte sich heraus, dass das Jesuskind ein Mädchen war. Als „Mann mit dem Koffer“ geleitete Stephan Bruna das Publikum anschließend in die Pause.
Ein mitreißender Can-Can-Tanz ließ den „Orient Express“ kurzzeitig Station machen im Moulin Rouge, doch dann feuerte der Landsturm seinen Zug in eine neue Dimension, denn mit dem Videoclip „Mord im Orient Express - Tatort Puppenmord“ wurde das Publikum Zeuge, wie „Peter Eilich“ von Rheembach TV zusammen mit „Shärlock Hoomes“ das Rätsel zu lösen versuchte, was Ferdi Pfahl und der Glööckler von Notre-Dame mit dem Tod der hübschen Blondine zu tun hatten. Allerdings musste dabei die hübsche Anna aus dem Publikum die heiße, scharfe Suppe am Ende auslöffeln.
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Der „Mord im Orientexpress“ wurde mithilfe von Anna aus dem Publikum gelöst.
