Stadtrat ließ sich nicht umstimmen
Auftrag zum Abriss der Kurparkliegenschaften wurde vergeben
Kosten von über einer halben Million Euro werden erwartet
Bad Neuenahr. Die Tage der Kurparkliegenschaften in Bad Neuenahr sind endgültig gezählt. Mit großer Mehrheit vergab der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler in seiner jüngsten Sitzung den Auftrag für die Abbrucharbeiten der Kurparkliegenschaften, mit Ausnahme des ehemaligen Kurparkcafés, an die Abbruchfirma Wahl aus Remagen zum Preis von 532.928,31 Euro. Allerdings gab es drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Der eigentliche Beschluss zum Abriss der historischen Gebäude war bereits im Mai 2017 getroffen worden, jetzt gehe es nur noch darum, die dafür notwendigen Arbeiten zu vergeben, betonte Bürgermeister Guido Orthen (CDU) in der Diskussion vor zahlreichen Zuschauer.
Zwar hatte CDU-Fraktionschef Christoph Kniel ebenfalls noch einmal auf die klare Beschlusslage zum Abriss der Kurparkliegenschaften hingewiesen und darum gebeten: „Wir sollten uns auch daran halten, um den Beschluss auf den Weg zu bringen, damit wir mit dem Bau des neuen Kurparks zur Landesgartenschau 2022 fertig sind.“ Marion Morassi (Die Linke) hingegen positionierte sich für den Erhalt der Kurkolonnaden und wünschte sich insbesondere den Erhalt der Konzerthalle. Bad Neuenahr-Ahrweiler sei wohl die einzige Stadt in Deutschland, die im Jahr des Bauhaus-Gedenkens den Abriss eines Bauhaus-Architektur beschließe Die Abrisskosten von über einer halben Million Euro würden dann möglicherweise fehlen, um das neue TWIN zu bauen oder andere öffentliche und wichtige Investitionen zu finanzieren.
Keine Unumkehrbaren Fakten schaffen
„Wir appellieren an den Stadtrat, die in den Ausschüssen getroffene Entscheidung zu revidieren, statt nicht umkehrbare Fakten zu schaffen auf Kosten der nach uns folgenden Generationen.“
Die Kurkolonnaden seien ein großes Stück der Stadtgeschichte, die Gebäude stünden großenteils auf einem denkmalgeschützten Areal.
„Es wäre eine politische Fehlentscheidung, wenn wir das historisch Gewachsene nicht auch für nach uns folgenden Generationen erhalten würden.“ Nicht die Interessen von Investoren oder Spekulanten sollten im Mittelpunkt der kommunalpolitischen Entscheidung Verbindung stehen, so Morassi weiter, sondern die Interessen der hier lebenden Menschen und ihre soziale und kulturelle Bedürfnisse.
„Es gilt, die Realitäten zu akzeptieren und die Faktenlage anzuerkennen“, konterte Orthen und fand, mit Realitätsverweigerung sei keine nachhaltige Entscheidung zu treffen. So sah es dann auch die Mehrheit des Stadtrats und beschloss die Vergabe der Abrissarbeiten zum angebotenen Preis.
Darüber hinaus wurde die Verwaltung ermächtigt, für die Objektüberwachung und Dokumentation der Maßnahme das Büro Geologie.
Bau & Umweltconsult GmbH aus Alfter zu beauftragen. Da es sich um eine sehr komplexe Abbruchmaßnahme handele, sei die Unterstützung durch ein spezialisiertes Büro erforderlich. Hierfür dürften Honorarkosten zwischen 35.000 und 45.000 Euro entstehen.
Eindruck eines geschichtsvergessenen Vandalismus
Was wiederum die Bürgerinitiative „Lebenswerte Stadt“ frustriert kommentierte: „Mit der heutigen Freigabe der Mittel für den Abbruch der Kurparkliegenschaften vollzieht die Stadt einen radikalen Schnitt zu ihrer sichtbaren Historie als Kur- und Bäderstadt“, erklärte ihr Sprecher Dr. Jürgen Hambrink. Die Entscheidung eröffne keine verlässliche Perspektive, sondern erwecke eher den Eindruck eines geschichtsvergessenen Vandalismus.
„Denn ob und wie künftig das Herz von Bad Neuenahr wieder schlagen wird, bleibt offener denn je.“ Die BI bedauere, dass Verwaltung und Stadtrat zu keinem Zeitpunkt Alternativen zum Abriss ernsthaft geprüft werden, obwohl diese bis zuletzt auf den Tisch gelegen hätten.
Man werde sich jedenfalls weiterhin dafür einsetzen, dass grundlegende Fragen der Stadtgestaltung anders als bisher umfassend mit breiter bürgerschaftlicher Beteiligung erörtert würden.
JOST
