Premiere im Schlosstheater Neuwied: Die Geisterkomödie
Aus dem Jenseits oder „offline“
Lustiges und rabenschwarzes Spiel über Leben, Tod, Liebe und Eifersucht
Neuwied. „Wir haben keine Garantie, dass unser späteres Leben weniger aufreibend sein wird als dieses“, so die Feststellung der rabiaten Geisterbeschwörerin Madame Arcati (Gunhild Branchart), die neben dem Ehepaar Dr. George und Violet Bradman (Marcel Höfs und Julia Kiefer) bei Charles und Ruth Condomine (Steffen Laube und Aurélie Thépaut) eingeladen ist, um eine Séance abzuhalten. Statt jedoch die gewünschte Person aus dem Jenseits herbeizurufen, personifiziert sich die erste Gattin des Hausherren, Elvira. Diese ist nur für ihren ehemaligen Mann sicht- und fühlbar, und das bildet den Grundstock für allerlei Verwirrungen und komische Situationen. Elvira, erfrischend bunt und frech gespielt von Nicole Kleine, bringt Charles Condomine zunächst aus dem Konzept, bald findet er die Situation aber recht amüsant. Nicht so seine aktuelle Gattin Ruth, die langsam eifersüchtig wird und auf Abhilfe sinnt. Das tut auch Elvira, jedoch anders als gedacht. Die Rolle des schusseligen Dienstmädchens Edith (Mariyama Ebel) trägt zusätzlich zur Erheiterung bei, obwohl ihre Rolle im Verwirrungsspiel nicht ganz klar zu sein scheint.
very british!
Die Darsteller, allesamt vornehm elegant in grau-schwarz-weiß gekleidet und blass –mit schwarzen Lippen – stehen in krassem Gegensatz zum farbig fast explodierenden „Besuch“ aus dem Jenseits. Und im Laufe des Stückes drängt sich dem Zuschauer der Eindruck auf, dass nicht etwa das vermeintlich „Diesseitige“ das Lebendige ist… Der durchaus überraschende Schluss bestätigt diese These eindrucksvoll, denn schließlich dauert das „Totsein“ länger als das Leben und ist zudem unvermeidlich – tiefster schwarzer Humor, very british!
Das Stück wurde geschrieben von dem Engländer Noel Coward, einem genialen aber zunächst glücklosen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ins Deutsche übersetzt wurde es von Curt Goetz und auf der Neuwieder Bühne inszeniert von Constanze Jungnickel, eine nicht ganz leichte Aufgabe, die sie aber hervorragend gemeistert hat, genauso wie die Darsteller, die auch die nicht ganz einfachen Situationen mit Bravour meisterten. Und nicht zuletzt ein Kompliment an Mario Clos für das tolle Bühnenbild, das hoffentlich alle Vorstellungen überleben wird und Hanne Eckart für die tollen Kostüme, die dem Zuschauer schon durch ihre Gestaltung das eine oder andere Rätsel aufgeben.
Die nächsten Vorstellungen sind täglich um 20 Uhr bis zum 20. Dezember, für die Vorstellung an Silvester gibt es noch wenige Restkarten. Empfehlenswert ist aber auch der Termin der Zusatzvorstellung am 30. Dezember um 20 Uhr. Kenner des „Dinner for one“ werden diese etwas andere Einstimmung zum Jahreswechsel mögen.
Karten gibt es an der Theaterkasse, Theaterplatz 3, Neuwied, Tel: 02631 / 22288. Weitere Informationen unter www. Schlosstheater-neuwied.de
-he-
Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P
Charles Condomine hat seine liebe Not mit seinen beiden Frauen und dem Dienstmädchen Edith. Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P
