Allgemeine Berichte | 04.03.2024

Ausbildung für die Kleinsten

Oberfeldarzt Patrick T. erläutert den Kindern die W-Fragen bei einem Notruf.  Foto: Bundeswehr/Helmut von Scheven

Vallendar. Stille herrscht im Sportraum eines Kindergartens in Vallendar. Gerade erklärt Oberfeldarzt Dr. Patrick T. Vorschulkindern erste Maßnahmen nach einem Knochenbruch. Schon zum zweiten Mal ist ein Team des BundeswehrZentralkrankenhauses Koblenz vor Ort, um mit den Kindern über Erste Hilfe zu sprechen.

Hoch über dem Rhein liegt der evangelische Kindergarten Mallendarer Höhe. Heute parkt ein neongelber Rettungswagen vom BundeswehrZentralkrankenhaus Koblenz auf der Straße vor dem flachen Bau. Im Inneren des Fahrzeugs lauschen sieben Kinder gebannt den Worten des Notfallsanitäters. Pulsoxymeter, Vakuummatratze, EKG – geduldig erklärt der Hauptfeldwebel die Geräte, die im Rettungsdienst auf den Koblenzer Straßen täglich zum Einsatz kommen. Neben der geöffneten Tür des Rettungswagens steht Oberfeldarzt Patrick T., Radiologe am Koblenzer Bundeswehrkrankenhaus und Vater von fünf Kindern, drei davon im Kindergarten. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er die Idee, eine medizinische Ausbildung für die Kleinsten im Kindergarten anzubieten. „Wir erklären den Kindern, wie ein Notruf abgesetzt werden muss. Und was danach passiert,“ erläutert der 36-Jährige. „Kinder haben meist keine Angst anzurufen, aber unseren Kolleginnen und Kollegen in der Leitstelle hilft es, wenn das Kind weiß, welche Informationen es weitergeben muss.“

Zeckenbisse, Wespenstiche, Knochenbrüche

Um den Notruf geht es auch im Sportraum der Kindertagesstätte. Dort sitzt Oberstabsarzt Laura T. und bespricht mit den Kindern den Notruf. Die Allgemeinmedizinerin in Elternzeit ist ebenfalls am Bundeswehrkrankenhaus Koblenz. Gemeinsam hat das Ehepaar fünf Kinder, drei von ihnen besuchen die Kindertagesstätte, den jüngsten Nachwuchs hat sie in einem Tragetuch vor der Brust. Die W-Fragen bei einem Notruf hat die kleine Gruppe schon erarbeitet. „Und was ist das wichtigste am Schluss,“ fragt Laura T.. „Warten!,“ schallt es ihr von den Kindern entgegen. Insektenstiche, Knochenbrüche, Blutungen, Sonnenbrand – all diese Themen bespricht Sie ruhig mit den Kindern. Und diese erzählen, was sie schon erlebt haben. Auf der kleinen Bank im Sportraum sitzt auch Ulrike Lehmann, die Leiterin der Kindertagesstätte. Für sie ist der Besuch des Bundeswehrteams wichtig: „Unsere Kinder sollen wissen, was zu tun ist, wenn sich ein Kind verletzt. Und sie sollen den Mut haben, sich schnell Hilfe von Erwachsenen zu holen.“

Das Herz als Herzensangelegenheit

Die Idee, Erste Hilfe auch für Kindergartenkinder anzubieten, hatte das Ehepaar in ihrer Zeit am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. An einen Fall erinnert sich Laura T. dabei besonders: „Eine Siebenjährige hat damals einen Erwachsenen bei einer Reanimation, einer sogenannten Herz-Lungen-Wiederbelebung, angeleitet. Sie konnte es zwar nicht selbst machen, aber sie wusste was zu tun ist und hatte die Courage zu helfen,“ erzählt die 35-Jährige. „Und genau darum machen wir diese Ausbildung mit den Kindern.“

Dass auch Kinder schon grundlegende Kenntnisse in Erster Hilfe haben sollten, beweist die Statistik. So mussten im Jahr 2021 knapp 170.000 Kinder nach einem Unfall im Krankenhaus behandelt werden. Dreiviertel aller Unfälle passierten dabei im Haushalt oder einer Betreuungseinrichtung wie Kindergarten oder Schule.

Oberfeldarzt Patrick T. erläutert den Kindern die W-Fragen bei einem Notruf. Foto: Bundeswehr/Helmut von Scheven

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