Allgemeine Berichte | 06.07.2020

An der BBS Lahnstein aufgefallen:

Ausgefallene Gesellenstücke der angehenden Tischler/Schreiner

Die Gesellenstücke wurden nur für einen kurzen Zeitraum in der Schule ausgestellt. Foto: privat

Lahnstein. Wer aus dem Kollegium der Berufsbildenden Schule in Lahnstein aufmerksam in der vorletzten Schulwoche vor den großen Ferien durch die coronabedingt viel ruhiger gewordene Schule mit ihren Einbahnstraßen- und Hinweisschildern lief, wunderte sich. Nicht etwa über das seit vielen Wochen abgesperrte und verwaiste Foyer, dafür aber umso mehr über den Duft von frisch bearbeitetem Holz. Bei näherem Hinsehen erspähte man in dem besagten Foyer eine Art Möbelausstellung, die hinter Absperrbändern nur halbwegs verborgen war. Spätestens da wurde man als stiller Entdecker neugierig. So etwas hatte es an der Schule noch nicht gegeben und konnte es auch noch nicht gegeben haben, da das Foyer der Schule stets anderweitig, zu diesem Zeitpunkt des Schuljahres normalerweise für Abschlussfeierlichkeiten, genutzt und gebraucht wird. Aber in Zeiten einer Corona-Pandemie ist eben alles anders als sonst.

Tatsächlich handelte es sich keineswegs um eine Ausstellung, sondern um eine Prüfungsumgebung, denn im Foyer hatten die Schreinereien und Holzbetriebe, deren Auszubildende für den theoretischen Teil den Berufsschulunterricht an der BBS Lahnstein besuchen, die Gesellenstücke aufgestellt, die die Prüflinge nach einer im Schnitt dreijährigen Ausbildung für die Abschlussprüfung über einen längeren Zeitraum, genau 100 Stunden, konzipieren und bauen müssen. Bei genauerer Betrachtung dieser Gesellenstücke fielen die Vielfalt und die kreativen Entwürfe besonders auf. Von klassischen Sideboards und Regalen über einen Telefonschrank, einen Werkzeugwagen bis hin zu einer Campingküche, einem Whiskeyschrank und einem originellen Uhrencollector waren an jedem Einzelstück interessante Details zu entdecken.

Gesellenstücke waren nur kurz in der Schule ausgestellt

Die Gesellenstücke befanden sich jedoch nur für einen kurzen Zeitraum in der Schule, nämlich für die Dauer der Abschlussprüfung und zur Beurteilung durch den Prüfungsausschuss. Die Prüfungsausschussmitglieder, bestehend aus den Arbeitgebervertretern (Vorsitzender: Fabian Pattar von der Firma Noll, sowie Jörg Schwieck von der Schreinerei Schwieck), den Arbeitnehmervertretern (Peter Hensch von der Firma Noll und Sven Bornwasser von der Firma Nengel) sowie den in der Berufsschule ausbildenden Lehrkräften (Monika Richter und Josef Bardenheuer), verschafften sich hier nicht nur einen Eindruck von den Gesellenstücken, sondern betreuten zugleich die Prüflinge in der Holzwerkstatt, die damit beschäftigt waren, den zweiten Teil der praktischen Abschlussprüfung zu erstellen: die Arbeits- oder Werkprobe. Während die Prüflinge bei der Erstellung des Gesellenstückes über den längeren Zeitraum von ihrem Ausbildungsbetrieb betreut und begleitet werden, handelt es sich bei der Arbeitsprobe um die Erstellung einer Werkprobe unter Aufsicht. Hierfür steht dann auch nur ein kürzerer Zeitraum von insgesamt acht Stunden zur Verfügung. Zur Gesellenprüfung gehört neben diesen zwei praktischen Teilen auch eine theoretische Prüfung, die an der Berufsschule durchgeführt wird.

Die Prüfungsausschussmitglieder sind bei allen drei Teilen der Abschlussprüfung präsent und beurteilen die Ergebnisse. Am Ende der Gesellenprüfung für die angehenden Tischler und Schreiner steht die Freisprechungsfeier, bei der die frischgebackenen Gesellen nach alter Tradition vom Meister „freigesprochen“ werden.

Der geneigte und staunende Betrachter im Foyer der BBS Lahnstein, der zum stillen Zeuge der Abschlussprüfung wurde, musste jedenfalls zu dem Schluss kommen, dass der hier ausgebildete (und nunmehr auch geprüfte) Nachwuchs sehr gut in der Lage sein wird, die hohe Handwerkskunst der Tischler und Schreiner in die Zukunft zu tragen. Nach kurzer Aufenthaltsdauer an der Schule wurden die Gesellenstücke von den Betrieben wieder abgeholt, aber Corona sei Dank war es möglich einen Blick auf die konkreten Produkte der Tischler-Lehrlinge zu erhaschen und sich bewusst zu machen, wie wichtig und unersetzbar die Handwerkskunst auch in unserem digitalen Zeitalter noch ist.

Insgesamt angetreten zur Gesellenprüfung sind in diesem Jahr 12 Prüflinge:

Luca Bingel, Jesse-Ben Boekelder, Kevin Burg, Philip Eberweiser, Kai Krekel, Florian Kuhs, Fabian Lemler, David Peter Palotas, Lukas Radermacher, Sven Saueressig, Leon Simon und Philipp Wagner.

Ausgebildet wurden diese jungen Nachwuchstischler in folgenden Betrieben in der umliegenden Region: Schreinerei Müller GmbH in Marienfels, Ulrich Meffert Schreinerei in Allendorf, Tischlerei Roger Nengel in Lahnstein, Michael Menrath Schreinerei in Dausenau, Holzbau Wagner GmbH in Braubach, Spedition Anja Penz in Altendiez, Noll Werkstätten GmbH in Fachbach, Tischlerei Olaf Pfaffenberger GmbH in Niederwallmenach und Tischlerei Fetz Quadrat oHG in Miehlen.

Die Gesellenstücke wurden nur für einen kurzen Zeitraum in der Schule ausgestellt. Foto: privat

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