Vorsitzender von Subkultur Linz e.V. zur aktuellen Vereinssituation
Aussterben der kulturellen Szene bereitet große Sorgen
BLICK aktuell: Seit fast einem Jahr wütet Corona. Nun wurde der Lockdown erneut verlängert und das Vereinsleben ruht weiter. Halten Sie die derzeitigen Maßnahmen für angebracht?
Michael Poloczek: Rückblickend kann man immer leicht sagen, dass die Maßnahmen zu streng oder zu locker waren, besonders wenn man selbst diese Entscheidungen nicht treffen muss und nicht die Verantwortung für das Leben vieler Menschen trägt. Ich persönlich denke, dass man versucht, sinnvolle Entscheidungen zu treffen, auch wenn wir der Maßnahmen langsam müde sind und unser altes Leben zurückhaben möchten. Aber so einfach ist das nicht, jeder muss sich verantwortungsvoll verhalten. Deshalb kann ich persönlich viele Maßnahmen grundsätzlichen nachvollziehen, jedoch macht mir das damit verbundene „Aussterben“ der kulturellen Szene sehr große Sorgen. BLICK aktuell: Wie ist die Lage in der Vereinskasse? Gab es einen Mitgliederschwund?
Michael Poloczek: Da wir aufgrund von Corona unsere geplanten Projekte stoppen mussten und auch keine neuen Projekte umsetzen konnten, hat sich der Stand unserer Vereinskasse nicht merklich verändert, im positiven wie im negativen Sinne. Wir sind jedoch auf Spenden und kleinere Einnahmen durch unsere Projekte angewiesen, um unsere weiteren Ideen umzusetzen, und so ist das natürlich trotzdem ein herber Schlag für uns.
Der Beginn der Corona-Pandemie hat im letzten Jahr unserem Großprojekt „Skate und BMX-Park für Linz am Rhein“ sehr geschadet. Die Veranstalter des „BMX-Cologne“ Wettbewerbes hatten uns Holz für Rampen gespendet, welches wir in einer aufwendigen Transportaktion nach Linz gebracht hatten. Ziel war es, mit dem Aufbau der Rampen im März letzten Jahres zu beginnen. Doch dann kam der Lockdown, wodurch der Aufbau verschoben werden musste.
Als die Corona-Situation sich wieder etwas verbessert hatte, aber die Vorhersage einer zweiten Corona-Welle in aller Munde war, machte es keinen Sinn mehr, die Rampen aufzubauen.
Eine finanzielle Förderung des „LEADER-Programms“, für das wir uns erfolgreich beworben hatten, mussten wir deshalb leider ablehnen – für unser Projekt eine fatale Entwicklung. Bei der Begehung des Holzes am Anfang dieses Jahres, mussten wir außerdem feststellen, dass das meiste Holz den Winter nicht unbeschadet überstanden hatte.
Deshalb sind wir nun leider gezwungen, eine Entsorgungsmöglichkeit für dieses Holz zu finden, was leider mit Kosten verbunden sein wird.
Ein großes Problem für unseren kleinen Verein mit seiner kleinen Vereinskasse.
Einen Mitgliederschwund gab es bei uns glücklicherweise nicht, es sind sogar noch ein paar gute Leute hinzugekommen, ein Lichtblick in dieser Zeit!
BLICK aktuell: Was sind die nächsten Pläne, wenn das aktive Leben wieder losgeht?
Michael Poloczek: Als Erstes müssen wir uns, wie beschrieben, um die Entsorgung des für unseren Skater-Park nicht mehr einsetzbaren unbehandelten Holzes, Balken, Platten u. ä., kümmern. Falls uns jemand unterstützen könnte, bitte über unsere „Subkultur Linz Facbook-Seite“ bei uns melden. Vielleicht kann es noch jemand zum Bauen für den Garten benutzen – oder als Feuerholz. Wir sind über jede Idee dankbar!
Außerdem werden wir schauen, inwiefern wir die „Jugendbücherei“ in Linz, die einige unserer Mitglieder ehrenamtlich übernommen hatten, zusätzlich unterstützen können.
Und natürlich freuen wir uns sehr auf das nächste „wirkliche“ Treffen aller Mitglieder von „Subkultur Linz e.V.“, denn wir alle haben uns schon lange nicht persönlich treffen können.
Erst dann werden wir sehen, welche Projektideen aufgrund der aktuellen Lage durchführbar sind.
