Allgemeine Berichte | 05.04.2017, 09:03 Uhr

Ein Ort im Wandel der Jahrhunderte

Bachem: Römer und Gutsherren erzählen ihre Geschichte

Bachemer Gespräche beleuchten Wurzeln Kürrighovens: Von der Entstehung der Erde über die Römerstraße zur Trachyroute

Dr. Walter Töpner und Alfred Schneiderm (v.l.) präsentierten Veröffentlichungen, in denen viele der Daten, Fakten und historischen Ereignisse nachvollziehbar dargestellt sind.-CEW-
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Wachtberg-Niederbachem. Im Rahmen der Bachemer Gespräche hatte der Heimatverein Niederbachem erneut in den Henseler Hof geladen, um sich mit dem Werden, den Ereignissen und dem Wandel der Zeit in Niederbachem und den benachbarten Orten zu befassen. An diesem Abend moderierte Walter Töpner das Gespräch mit den Niederbachemer Bürgern und Alfred Schneider.

Alfred Schneider, Vorsitzender des Wachtberger Kunstvereins Kukiwa, ist alteingesessener Kürrighovener, der über einen großen Fundus an historischen Bildern, Plänen, Fotografien und Unterlagen verfügt, die in dieser Form vermutlich einmalig sind. Aus diesem Fundus und den Geschichten, die sich in ihm auftun, präsentierte Schneider Historisches, Informationen und Anekdoten. So berichtete er vom Ursprung der steinernen Matronentempelteile, die als Leihgabe des Landesmuseums Bonn derzeit im Heimatmuseum Niederbachem in einer Vitrine ausgestellt sind.

Leihgaben aus Bonn in Niederbachem zu sehen

Die Ausstellungsstücke sind dort jeden ersten Montag im Monat von 17 bis 19 Uhr zu sehen. Das kleine Museum befindet sich im Obergeschoss der alten Schule auf der Mehlemer Straße 3 (Eingang auf der Rückseite des Gebäudes).

Die Teile des Matronentempels fand man in der Nähe einer Römervilla, die zu Zeiten des großen römischen Reiches hier im Drachenfelser Ländchen gestanden hatte. Solche Tempelsteine mit Matronenfiguren oder Skulpturen standen in der Regel an römischen Fernstraßen, die meist gleichzeitig wichtige Handels- oder Transportwege waren. Die Straße, um die es sich handelte, war höchstwahrscheinlich diejenige, die zur damaligen Zeit zum Steinbruch geführt hat. Von dort aus wurden Steine in die Städte transportiert und beim Bau verarbeitet oder für den Bau der römischen Wasserleitung verwendet.

Auch sonst ist die Besiedlung durch die Römer gut nachvollziehbar. Zu einem großen Teil handelte es sich um Veteranen, die vom Römischen Reich für die Zeit nach ihrem Kriegsdienst ein Stück Land erhalten hatten. Dieses Land bewirtschafteten sie und sorgten auf diese Weise für die Versorgung des nahen Römischen Heeres mit Lebensmitteln.

Kürrighoven im Kontext der Erdgeschichte

In dem geschichtlichen Gesamtüberblick vom Ort Kürrighoven hatten auch topografische und geografische Besonderheiten und Eigenheiten des kleinen Ortes ihren Platz. Alfred Schneider hatte in Zusammenarbeit mit anderen eine originell gestaltete Präsentation vorbereitet, die im Vergleich mit einer Uhr die Entstehung der Welt bis zur heutigen Konstellation der Kontinente und natürlich auch Wachtberg-Kürrighoven reichte. Er sei kein Geologe, sondern habe die Daten in einer Gemeinschaftsarbeit quasi als Hobby zusammengestellt. „Wenn Sie also etwas hinzufügen möchten, dann freue ich mich über Ihre Beteiligung“, forderte der Architekt die rund dreißig Anwesenden zur Mitgestaltung des Abends auf. Danach betrachtete man die Nutzung des Landes in diesem Bereich im Laufe der Jahrtausende, deren Markierungspunkte dokumentarisch in der beschriebenen Römerzeit und im Mittelalter zu finden sind. Tatsächlich belegen historische Urkunden, unter denen sich auch fränkische und karolinische Dokumente befinden, dass es die Gemarkung Berkum bereits vor über tausend Jahren gab.

Historische Bauwerke erzählen eigene Geschichten

Besonders die Klostergüter, die dem Kloster Nonnenwerth, dem Cassiusstift / Münsterkapitel und dem Kloster Marienforst in Schweinheim unterstanden, sind dokumentiert. Eines davon, der Ältestenhof oder Wertherhof wurde erstmals im Jahre 1126 erwähnt und ist heute noch fast in seiner ursprünglichen Art erhalten. Zu diesen, den Klostern direkt angeschlossenen Höfen, gehörten weitere, sogenannte Stapelhöfe. Diese Hofeinheiten waren in der Regel kleiner und hatten einen eigenen Pächter, der jedoch dem Haupthof untergeordnet war. Diesem Haupthof gegenüber war der Stapelhof zur Rechenschaft verpflichtet und den Pächtern waren verschiedene rechtsrelevante Pflichten auferlegt. Zum Beispiel durfte der Erbe eines Stapelhofs das Erbe nicht übernehmen, bevor er nicht sein bestes Pferd an den Haupthof abgegeben hatte. All diese Strukturen brachen mit der Säkularisierung zu Napoleons Zeiten auf. Die Turbulenzen der Zeit und die politischen Veränderungen führten dazu, dass die Pächter vieler Höfe, die ursprünglich einem Kloster zugeordnet waren, das Pachtland als Besitz erwerben durften. Auf diese Weise gelangten viele Grundstücke im Drachenfelser Ländchen in Privatbesitz. In manchen Familien sind die Höfe bis heute im Besitz der Nachkommen der mittelalterlichen Käufer.

Bachem: Römer und Gutsherren erzählen ihre Geschichte

Bachem: Römer und Gutsherren erzählen ihre Geschichte

Bachem: Römer und Gutsherren erzählen ihre Geschichte

Dr. Walter Töpner und Alfred Schneiderm (v.l.) präsentierten Veröffentlichungen, in denen viele der Daten, Fakten und historischen Ereignisse nachvollziehbar dargestellt sind.Fotos: -CEW-

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