Bachemer Backes feiert 800-Jahr-Jubiläum
Bachem. Ursprünglich am westlichen Ortsrand gelegen steht noch heute das Backes. Mittlerweile ist das Dorf über diese Grenze hinaus gewachsen. So steht es jetzt von Häusern umrahmt in der Dorfmitte. Das Backes diente den Bewohner von Bachem Jahrhunderte als Gemeindebackhaus. Es wurde schon 1224 gebaut, wie ein Stein mitteilt, der in der Frontwand des Backofens eingebaut war. Die Backstube hatte nach Westen nur ein Fenster. Die Eingangstür befand sich in der südlichen Giebelwand. Diesen Zustand zeigt eine Darstellung von Bachem aus dem Jahre 1523 in einer Grenzbeschreibung. Dies ist zugleich die älteste Darstellung des Dorfes Bachem. Als im Jahre 1650 das Dorf deutlich mehr Einwohner und Familien hatte, war der Backofen zu klein für das Dorf. Der alte Backofen aus dem Jahre 1224 wurde abgerissen und ein neuer, größerer Ofen wurde gebaut. Weiterhin wurde das Backhaus aufgestockt. So steht es in einem Ratsprotokoll der Stadt Ahrweiler. Das neue Obergeschoss diente dem Dorf als Versammlungsraum. Das Obergeschoss war aus Fachwerk. Lediglich die westliche Wand war aus Bruchstein. Den Aufgang bildete eine Freitreppe von Osten her. Diese Treppe war extrem steil und hatte kein Geländer. (Den Zustand zeigt eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1912.) Die Steine des abgebrochenen Backofens, die nicht mehr benötigt wurden, wurden in einem Haus in der Nachbarschaft eingebaut, das zu dieser Zeit gebaut wurde. Auch der Stein mit der Jahreszahl wurde in der Küche des Hauses verbaut. Er befindet sich bis heute dort. Das Backes wurde von den Einwohner von Bachem betrieben. Man könnte diese Gemeinschaft als eine Art von Genossenschaft bezeichnen. Im Jahre 1815 lagerten Preußische Kosaken auf dem Rückweg von Paris in Bachem. Das Obergeschoss des Backes diente ihnen nun als Wachlokal. Es handelte sich um die Einheit der Volontär - Kosaken - Eskadron des Regiments Garde du Corps. (Eskadron ist die kleinste berittene Einheit. Sie bestand in der Regel aus 150 Berittenen und 5 Offiziere.) Dieses Preußische Regiment nahm an den Befreiungskriegen teil. Nach dem zweiten Einmarsch in Paris am 22. Juli 1815 und der endgültigen Verbannung Napoleons nach St. Helena, begann der Rückzug am 4. Oktober 1815. Am 2. Dezember kam das Regiment in Berlin / Potsdam an. Ab 1828 diente der Raum als Schule. 1927 wurde der Raum zum Jugendheim umgebaut. Dazu wurde die Freitreppe verlegt. Sie führt nun von Westen hoch zur Eingangstür des Obergeschosses. Auch die Eingangstür zur Backstube wurde verlegt. Sie führt nun unter der Freitreppe hindurch in die Backstube. Die gesamte Freitreppe wurde mit einem Dachkonstruktion überbaut. Im Untergeschoss wurde ein zweites Fenster eingebaut. So hatte die Backstube mehr Licht. Mit der Gründung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler übernahm die Bürgergemeinschaft Bachem e. V. das Backes. Aus diesem Verein heraus bildete sich die Backesgruppe, die nun regelmäßig backte. In Bachem war es üblich, dass nur die Männer im Backes backten. Dies wurde bis 2021 beibehalten. Erst danach waren auch Frauen in der Backgruppe. Seit 1974 wird das Backes als Winzermuseum genutzt. Es wird aber immer noch gebacken. Beim Ausbau der Annastraße in den 80 iger Jahren des vergangenen Jahrhundert wurde eine Grablege unmittelbar am Backes gefunden. Aufgrund der Beigaben konnte das Grab in die Bischheimer Kultur vor 6000 Jahren datiert werden.
