Bedeutung von Auen und Feuchtwiesen für Artenvielfalt und Wasserrückhalt
Bachpatentag in Wierschem
Wierschem. Die Bedeutung von Auen und Feuchtwiesen für Artenvielfalt und Wasserrückhalt stand im Mittelpunkt des Bachpatentages am Samstag, 19. Oktober, im Bürgerhaus Wierschem. Beim zweiten von insgesamt drei Bachpatentagen 2024 wurden zudem Erkenntnisse aus der Gewässerpflege und die Auswirkung konkreter Maßnahmen auf die Wasserqualität besprochen. Das neue „EU Nature Restoration Law“, Unterhaltspflicht, Flächenankauf sowie die Notwendigkeit des Zusammenspiels von Landwirtschaft, Natur-und Hochwasserschutz waren weitere Themen.
Eva Finsterbusch, Beauftragte für Bachpatenschaften im Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz, hieß die zahlreich erschienenen Gäste willkommen. Grußworte folgten von Landrat Dr. Alexander Saftig, dem 1. Beigeordneten Michael Büchel-Schwaab und dem Landtagsabgeordneten Torsten Welling im Namen der Stadt und der Verbandsgemeinde Maifeld. Alle betonten die große Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements und dessen positiven Einfluss auf Ökologie, Tourismus und das Gemeinwohl. Sie lobten und dankten für das Herzblut, das viele Ehrenamtliche vor Ort einbringen.
Unter den Gästen fanden sich Bachpatinnen und Bachpaten, ehrenamtlich Aktive sowie Verwaltung und Naturschutzgruppen. Die Vortragsreihe am Vormittag startete mit Bild-und Tonaufnahmen der gastgebenden Bachpaten Martina und Gavin Grosvenor, die das große Artenspektrum der noch erhaltenen Feuchtfläche im Sevenicher Tal aufzeigten. Selbst eine kleine Aue wie die von Sevenich ist Heimat von nachweislich über 100 Arten, darunter auch zahlreiche Rote-Liste-Arten, wie die Barrenringelnatter.
Die Bachpaten präsentierten mit Andreas Frey Analyseergebnisse zur Wasserqualität des Pilliger-und Wallerbachs aus den Jahren 2018 und 2024. Diese belegen, dass die Optimierung der örtlichen Kläranlage durch den Bau eines Rückhaltebeckens sowie die Herausnahme von Bachrandstreifen aus der Nutzung maßgeblich zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität beigetragen haben.
In seinem Fachvortrag unterstrich Dr. Schindler (ProLimno) die immense Bedeutung von Gewässerrandstreifen, Feuchtwiesen und Auen. Um (landwirtschaftlich) nutzbare Fläche zu erweitern, wurde und wird noch heute häufig Mutterboden aufgeschüttet oder durch Ausgraben des Bachbettes versucht, das Ausufern von Bächen einzuschränken. Dies ist jedoch langfristig keine Option. Zu wertvoll sind die positiven Aspekte, die Gewässerrandstreifen, Feuchtwiesen und Auen bereithalten. So zählen Feuchtwiesen zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa und binden mit bis zu 30 % mehr CO2 als alle anderen terrestrischen Ökosysteme. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem ihr Beitrag für das Klima wie auch für den Schutz vor Überschwemmungen und Flutkatastrophen.
Auen und Kleingewässer zeichnen sich durch ihre hohe Artenvielfalt aus. Etwa zwei Drittel aller Lebensgemeinschaften Europas kommen in Auen vor. Hier sind viele Arten der Roten Liste beheimatet, wobei die Amphibien und feuchteliebende Landtiere wie Schnecken hervorzuheben sind. Besondere Arten sind der Kammmolch, die Rotbauchunke, der Moorfrosch und viele weitere Arten wie wasserliebende Vögel.
In den Ausführungen von Jutta Paulus, Mitglied des Europaparlaments, und ihren Einblicken in das „Gesetz zur Wiederherstellung der Natur“, welches bedrohte Ökosysteme wie Moore, Wälder und Auen wieder in eine n guten Zustand bringen soll, wurde deutlich, wie schwierig es auf europäischer Ebene ist, naturschutzfachliche Anliegen aus Deutschland zu transportieren.
Bereits auf lokaler Ebene wirken sich gegensätzliche Zielvorgaben zur landwirtschaftlichen Förderung und zum Gewässerschutz gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie (guter ökologischer Zustand) negativ aus. Denn die dringend benötigten Randstreifen für den Schutz der Gewässer lassen sich mit den derzeit bestehenden Regelungen kaum umsetzen. Umso wichtiger ist das Verständnis um die Zusammenhänge zwischen Landschaft, Gewässer und Grundwasser und die Maßnahmen engagierter Verwaltungen, Flächennutzer und Bürger vor Ort, um „ihren“ Bach zu schützen. Abschließend führte eine Exkursion, geleitet von Martina und Gavin Grosvenor, zu Pilliger- und Wallerbach, lokalen Feuchtwiesen sowie der Ottilienquelle. Auf den angekauften Randstreifen hat sich der Lauf des Pilliger Baches bereits verändert und naturnahes Röhricht entwickelt.
Bachpate Gavin Grosvenor zeigt, wie schnell sich der Bach auf den angekauften Randstreifen ein neues Bett sucht und sich selbst regeneriert. Für Ufertiere wertvolles Röhricht ist gewachsen, wo nicht mehr gemäht wird.
Bei der Exkursion am Nachmittag wurden die theoretischen Inhalte vom Vormittag praktisch erlebbar und förderten den angeregten Austausch. Nachvollziehbar und deutlich wurde das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Naturschutz im Gespräch vor Ort mit einem lokalen Landwirt. Fotos: Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz
