Allgemeine Berichte | 08.02.2018

Fröhliche Bilanz eines Ansturms auf die Obrigkeit in der Quellenstadt

Bad Breisiger Möhne erstürmten das Rathaus und erbeuteten Schlipse

Die Herren mussten im Rathaus zwar keine Federn, aber Schlipse lassen, dafür sorgten die Möhnen.FA

Bad Breisig. Was die Weiberfastnacht angeht, da haben die Quellenstädter ihr eigenes Programm: Morgens, bei der „Erstürmung“ des Rathauses, ist die Möhne - Korporation der KG das treibende Element. Erst am Nachmittag übernimmt dann das autonome „Damen-Komitee“ das Heft in die Hand - mit einer großen „Sitzung“ in der Jahnhalle. Zur frühen Morgenstunde aber haben sich die Möhnen unter Obermöhn Gisela Monien zusammengefunden und marschieren „wild entschlossern“, aber gut gelaunt Richtung „Rathaus der Bürger“. Im Sitzungssaal haben die Damen der Verwaltung schon mit Feiern begonnen; Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch hat das Kommando und Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach samt Karl-Heinz Bernardy, dem ersten Beigeordneten, sind nur geduldet. Sie sind aber den anrückenden Möhnen hoch willkommen - denn „Schlipsträger“ sind das gesuchte Ziel an diesem Tag der aufmupfenden Frauen. Ritsch-ratsch - vor der Schere der Obermöhn ist keine Krawatte sicher - und die wenigen anwesenden Herren, am wenigsten Bernd Weidenbach, machen nicht gerade den Eindruck, als wollten sie sich gegen die weiblichen Eindringlinge zur Wehr setzen. Sie trauern zwar den Ruinen ihrer Schlipse nach, nehmen aber bald das Angebot an, mit den Möhnen und dem weiblichen Verwaltungspersonal fröhlich zu singen und zu schunkeln. Gabriele Hermann - Lersch bewies ihre Geschichtsfestigkeit und schaute zurück in die Vergangenheit der Weiberfastnacht. Bezogen auf die Historie des Breisiger Ländchens, das ja 900 Jahre unter den Fittichen des Essener „freiweltlichen Essener Frauenklosters“ existiierte, ergaben sich interessante Zusammenhänge. Wie die Bürgermeisterin der Quellenstadt erkannte, „feierte man dort Weiberfastnacht schon im Mittelalter.“ Nach ihrer Erkenntnis soll es damals in den Nonnenklöstern hoch hergegangen sein. „Bei Tage wurde getanzt und nachts, wenn die Äbtissin schlief, wurden Kartenspiele veranstaltet.“ Nun, wenn es denn beim Kartenspielen blieb... Aber die Familienfrau Gabriele Hermann-Lersch weiß, „dass im Zusammenhang mit der Weiberfastnacht - so wie die Nonnen der Chefin - auch die Ehefrauen ihren Männern für kurze Zeit den Gehorsam verweigerten.“ Das war eine frenetisch bejubelte Kunde für die Möhnenschar. Die Bürgermeisterin dozierte: „Was heute am Schwerdonnerstag in spaßiger Art mit Rathaussturm, Umzug und Sitzungen gefeiert wird, hatte einst einen ernsten Hintergrund: Alles entstand aus einer Frauenbewegung, indem die Bonn-Beueler Wäscherinnen sich irgendwann gegen das an Karneval ausufernde Patriarchat, die Dominanz der Männer richtete - im Grunde gegen die Ausbeutung der Frauen..!“ Gabriele Hermann-Lersch konnte eine Menge interessanter Einzelheiten aus der Entwicklung der Weiberfastnacht berichten, endete aber schließlich in dem Fazit: „Heute sehen wir den Fortschritt - die jecken Möhnen stehen mit den Männern versöhnt zusammen, um deren Niederlage einen Tag lang gemeinsam zu feiern und darauf anzustoßen - Breisig Alaaf!“ Noch einmal wurde geschunkelt, und dann machten sich die Möhnen „auf die Socken“, um in den Bad Breisiger Straßen Blümchen zu verkaufen - Erlös für karitative Zwecke. FA

Die Herren mussten im Rathaus zwar keine Federn, aber Schlipse lassen, dafür sorgten die Möhnen.Foto: FA

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