Künftig zwei statt drei Baumreihen an der Ahr geplant
Bad Neuenahr-Ahrweiler: Bürgerdialog zur Gestaltung der Ahr-Promenaden
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Volles Haus beim Bürgerdialog der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (AuEG). Schließlich ging es zum Thema Gewässer- und Freiraumplanung nicht nur um Hochwasserschutz, sondern auch um die künftige Gestaltung der beiden Ahr-Promenaden Georg-Kreuzberg-Straße und Lindenstraße. Dazu machte Hermann-Josef Pelgrim von der AuEG von vorneherein klar: „Vom Bild der Ahr der vergangenen Jahrzehnte muss man sich verabschieden.“
Denn an vielen Stellen komme man nicht an technischem Hochwasserschutz vorbei. Und dort wo es möglich sei, müsse die Sohle der Ahr verbreitert werden. Oberste Priorität bei einem neuen blau-grünen Band in der Mitte der Stadt habe der Schutz der Bevölkerung von Gefahren mit dem Ziel, ein Hochwasser mit HQ 100 neu schadlos durch die Stadt zu leiten.
Für die Georg-Kreuzbergstraße bedeutet das, dass bereits an der Mündung des Mühlenteichs in die Ahr ein Verschlussbauwerk vorgesehen ist. Bei Hochwasser wird laut Pelgrim der Mühlenteich bereits vor Ahrweiler gesperrt. Das sogenannte Seitenwasser aus den angrenzenden Wohngebieten werde dann unterirdisch bis zur Kurgartenbrücke abgeleitet. Ein Höhenunterschied von 3,50 Metern mache das möglich. Kostend er Einleitungen inklusive der Vereinigung von Mühlenteich und Fuchsbach: rund acht Millionen Euro.
„Eine Mammutaufgabe“
Zu den Straßen: Sowohl in der Georg-Kreuzberg- als auch der Lindenstraße wird es nach der Erneuerung, die Bürgermeister Guido Orthen bereits im Stadtrat „eine Mammutaufgabe, die nicht in einem halben Jahr zu bewältigen ist“, nur noch zwei statt bislang drei Baumreihen geben. In der Georg-Kreuzberg-Straße sind neben einer drei Meter breiten Fahrbahn für den Einrichtungsverkehr ein Radweg und eine Promenade für Fußgänger geplant. Letztere wird zur Ahr hin von einer Mauer oder entsprechenden Gestaltungselementen mit einer Höhe von bis zu 80 Zentimetern versehen. So soll die HQ 100-Linie erreicht werden. Für die Maßnahme zu fällende Bäume sollen zum großen Teil ersetzt werden. Kosten der Maßnahme Georg-Kreuzberg-Straße: rund zwei Millionen Euro.
In der Lindenstraße sieht es etwas anders aus. Dort sind Kosten von mehr als vier Millionen Euro veranschlagt. Denn es wird Hochwasserschutzmauern als Steilufer zur Ahr geben, die von der Fußgänger-Promenade etwa hüfthoch als Begrenzung dienen. Fußgängerverkehr soll beidseitig von Einbahnstraße und Radweg möglich sein. Und wie Pelgrim unterstrich, sollen möglichst viele Bäume zur Nordseite hin im Bestand erhalten werden. Zu fällende Bäume werden größtenteils ersetzt. Die Casinobrücke wird als Hubbrücke hergestellt. Die neue Landgrafenbrücke soll noch in diesem Jahr eingeweiht werden.
„Gemeinsamer Raum“
Für den Vorplatz der Martin-Luther-Kirche ist eine Lösung vorgesehen, die sich Shared Space nennt. Das ist eine Planungsphilosophie für die Nutzung der Straße als „gemeinsamer Raum“ für alle Verkehrsteilnehmer. Ziel ist die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer und die Hervorhebung der gegenseitigen Rücksichtnahme. Eine harte Abgrenzung der Verkehrsräume soll vermieden werden. Nur die absolut notwendigen Stellen, wie der Bereich vor der Kirche, werden für den motorisierten Verkehr abgesperrt. Eine „Überregulierung“ mit Verkehrszeichen soll vermieden werden. Shared Space ist, in Abgrenzung zum verkehrsberuhigten Bereich, keine verkehrsrechtliche Anordnung, sondern ein Planungskonzept. Shared Space setzt einen größeren Wert auf die Kommunikation aller Verkehrsteilnehmer untereinander, während im verkehrsberuhigten Bereich der Fußgänger Vorrang hat. Die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Räume soll durch Aufhebung der dominanten Stellung des motorisierten Verkehrs aufgewertet werden. Durch den höheren Fokus auf die gegenseitige Rücksichtnahme werde zudem auch die Verkehrssicherheit verbessert. GS
Hermann-Josef Pelgrim (links) informierte vor vollem Haus über die Planungen an den Ahr-Promenaden in Bad Neuenahr- Foto: GS
