Plaidter Geschichtsverein
Band 17 der Plaidter Blätter erscheint Ende November
Schicksale jüdischer Mitbürger ist Hauptthema
Plaidt. Der 17. Band der Plaidter Blätter beginnt mit der Geschichte der Abtei Laach von der Säkularisation bis in die Gegenwart. Nachdem Pater Basilius Sandner bereits im letzten Jahr beim Plaidter Geschichtsverein die Geschichte des Klosters von der Gründung Ende des 11. Jahrhunderts bis zum Jahr 1802 anschaulich und umfassend dargestellt hatte, war er am 15. März zum zweiten Mal beim Geschichtsverein zu Gast, um über die Ereignisse bis in die heutige Zeit zu berichten. Es lag ihm besonders am Herzen mit verschiedenen Klischees, z. B. um Konrad Adenauer oder den vermeintlich mysteriösen Tod von Jesuitenschülern im 19. Jahrhundert, aufzuräumen. Beide Vorträge sind nun in den Plaidter Blättern zu lesen.
Das Herzstück dieses 17. Bandes ist zweifellos der Artikel von Frank Neupert, der sich in jahrelanger Recherche mit den Schicksalen der in Plaidt geborenen Menschen jüdischen Glaubens während der Nazi-Zeit beschäftigt hat. Im gesamten Deutschen Reich war ihre Zahl äußerst gering: 1933 machten sie nur 0,76% der Bevölkerung aus. Eine solch kleine Gruppe, die keine Fürsprecher in der damaligen Gesellschaft ohne Erfahrungen mit der Demokratie hatte, war ein leichtes, ein weiches Ziel für den von den Nazis propagierten Rassenwahn. Gleich nach der sogenannten Machtübernahme 1933 begannen sie, die jüdische Bevölkerung finanziell auszubeuten, sie mehr und mehr gesellschaftlich auszuschließen und zu entrechten. Nach den Pogromen 1938 ging kein Aufschrei durch die Presse, die längst vom NS-Staates vereinnahmt war. Niedergebrannte Synagogen, durch die Straßen getriebene Juden, geschlagen, verletzt und ermordet, alles war rechtens im Hitler-Regime. Nachdem kein Geld mehr aus den Juden zu pressen war, fand der NS-Staat, dass man nun zu einer endgültigen Lösung kommen müsse, eben der „Endlösung“. Auch das ging man systematisch an, indem man die Menschen massenweise in die Konzentrationslager verschleppte und dort möglichst „kostengünstig“ ermordete, z. B. mit dem berüchtigten Zyklon B. Eine solche Bestialität ihrer Mitbürger, mit denen man bislang ganz normalen Umgang hatte, konnten sich viele Menschen jüdischen Glaubens nicht vorstellen. Der Artikel von Neupert geht den Spuren der in Plaidt geborenen Jüdinnen und Juden nach, was vor allem über mittlerweile im Internet verfügbare Quellen, aber auch mit verschiedenen nunmehr zugänglichen Archivalien möglich ist. Natürlich hätten all diese Menschen gesagt, dass sie Plaidterinnen oder Plaidter sind, waren sie doch hier zur Welt gekommen. Leo Klee, dem die Flucht in die USA gelungen war, soll sein Leben lang kleine Geschichten auf Plaidter Blatt erzählt haben.
Die Chronik von vor 50 Jahren von Juli 1968 bis Juni 1969 stammt vom selben Autor. Sie basiert auf der Zeitungsausschnittsammlung von Karl Nachtsheim, der Schulchronik, den Gemeinderats- und Ausschussprotokollen und einer Durchsicht der beim Landeshauptarchiv in Koblenz verwahrten, vollständigen Ausgabe der Rhein-Zeitung Ausgabe Mayen-Andernach.
Die aktuelle Ortschronik von Juli 2018 bis Juni 2019 hat Erwin Unger zusammengetragen. Er greift dabei die aktuellen örtlichen Ereignisse und Veranstaltungen auf. Beide Chroniken warten mit insgesamt 82 Abbildungen auf.
Der übliche Personenindex schließt das Heft 17 ab.
Den 17. Band der Plaidter Blätter erhalten die erschienen Mitglieder in der Mitgliederversammlung am 29. November im Hotel Geromont. Ab Montag, den 2. Dezember bietet das Schreibwarengeschäft Scheuren-Mürtz die Plaidter Blätter zum Verkauf an.Pressemitteilung des
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