Die Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr soll in neuem Glanz erscheinen
Baugenehmigung lässt seit neun Monaten auf sich warten
Bad Neuenahr. Knapp fünf Jahre nach der Flut soll sich in der von den Wassermassen verwüsteten Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr endlich was tun. Einziger Haken: Auch neun Monate nach der Einreichung des Bauantrags beim Kreis wartet das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde immer noch auf die Baugenehmigung. Denn die Kirche soll nicht nur saniert, sondern in Teilen auch umgebaut werden. Das erklärte Baukirchmeister Harmen Eckert bei einem Ortstermin mit Presbyterium und Politik.
Seit der Flut ist die Kirche geschlossen. Nur durch einen Bauzaun am Hauptportal gibt es einen Blick ins Innere des ruinierten Gotteshauses. Und auch die lange geplante Feier zum 150-jährigen Bestehen ist im Wortsinne ins Wasser gefallen.
Die Gestaltung
Doch jetzt soll sich etwas tun. Das Presbyterium hofft, dass die Baumaßnahme im April beginnen kann. Wie diese aussehen wird, erläuterte Ilse Maria Königs von Königs Architekten in Köln. Denn in die Planungen Haben neue Anforderungen und Vorgaben Eingang gefunden. Die bisherige Sakristei wird demnach wegen der Brandschutzrichtlinien abgetrennt und dem benachbarten Ladenlokal zugeschlagen. Sie soll ihren Platz auf der neuen Empore bekommen, wo auch Funktionsräume wie Lager und barrierefreie Toiletten ihren Standort haben werden. Auch einen Aufzug soll es geben. Und das Seitenschiff mit der Empore soll aus Heiz-Gründen abgetrennt werden. Der raum wird laut Ilse Marie Königs neu konzipiert.
Königs: „Der Hauptraum der Kirche wird durch das Entfernen der Abhangdecke, die den Raum zu flach erscheinen lässt, proportional verbessert werden und durch das Offenlegen des Dachstuhls eine harmonische Form erhalten.“ Der Raumeindruck soll symmetrischer und gleichzeitig flexibler werden, um unterschiedliche Gottesdienstformen zu ermöglichen.
Die Finanzierung
Zur Finanzierung informierte Projektsteurer Volker Langenbach: „Die Baukosten betragen brutto 3,2 Millionen Euro. Einschließlich der Nebenkosten und der Kostenreserven für Unvorhergesehenes belaufen sich die Gesamtkosten auf brutto 4,8 Millionen Euro.“ Allerdings: Mit jedem Monat, den der Bau wegen noch fehlender Baugenehmigung später beginnt, steigen die Baupreise.
Bereits seit Dezember 2024 liegt der Kirchengemeinde ein Billigungsbescheid der Wiederaufbauhilfe Rheinland-Pfalz (ADD) in Höhe von 2,8 Millionen Euro vor. Die Differenzsumme wir laut Langenbach aus Kirchensteuermitteln aufgewendet, damit nicht nur ein alter Zustand wiederhergestellt wird, sondern ein zukunftsfähiges Kirchengebäude entsteht, das vielfältige Nutzungen und einen energetisch optimierten Gebäudebetrieb ermöglicht.
Dazu sollen die Fenster teilweise eine zweite Glasebene erhalten. Eine Fußbodenheizung stellt die Grundlast sicher und bei Bedarf kann eine Warmluftheizung hinzugeschaltet werden. Auch die Beleuchtung mit LED wird dann teilweise energieeffizient zu steuern sein. Und der von den Evangelischen Landeskirche im Rheinland beschlossene zukünftige CO2-neutrale Gebäudebetrieb wird durch einen Fernwärmeanschluss der Ahrtal-Werke gewährleistet. Nur bei einer Vorgabe machte der Landeskirche die Denkmalschutzbehörde einen Strich durch die Rechnung: „Auf das Kirchendach kommt kein Photovoltaik.“ Das findet auch die Gemeinde gut. Und Sung Kwon Kim, Pastor im Probedienst und seit einem Jahr in Bad Neuenahr schloss die Präsentation mit: „Hoffen wir, dass unsere Arbeit Früchte trägt.“ Alle hoffen indes auch auf den baldigen Eingang der Baugenehmigung, denn wenn diese vorliegt, soll die kompletten Bauarbeiten laut Ilse Marie Königs binnen 18 Monaten abgeschlossen sein.
Die Historie
Die erste Errichtung der Kirche erfolgte 1872 als neugotische Kirche auf kreuzförmigem Grundriss mit vier Dreiecksgiebeln. Aufgrund des großen Besucherandrangs in den 1950-er Jahren gab es Erweiterungsbedarf, weshalb die Kirche umgebaut und nach Norden und Osten wesentlich vergrößert wurde. Die Kreuzform des Raumes wurde dabei aufgegeben. Das Dach wurde komplett neugestaltet und die Raumverlängerung sowie der seitliche zweigeschossige Anbau mit einer Empore erhielten entsprechend dem Stil der 1950-er Jahre Buntglasfenster. GS
