Allgemeine Berichte | 10.04.2019

MISEREOR e. V.

Beatriz Rivas aus El Salvador zu Gast in Sinzig

Beatriz Rivas, Mitarbeiterin der Caritas San Salvador, kam nach Sinzig, um hier vor Fachkräften von ihrer Arbeit zu berichten

Im praktischen Teil des „kleinen Fachtags“ führte Beatriz Rivas dabei Einzelelemente aus ihren Workshops mit den engagierten Teilnehmer-/innen durch. Foto: privat

Sinzig. Mach was draus: Sei Zukunft!“ Mit dieser Aufforderung stellt MISEREOR junge Menschen aus El Salvador in den Mittelpunkt der diesjährigen Fastenaktion. Ausgehend von ihren eigenen Stärken und Fähigkeiten gestalten sie ihr Leben und ihr soziales Umfeld so, dass sich ihre Lebenssituation verbessert. Denn in dem zentralamerikanischen Land schränken Gewalt, Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit das öffentliche Leben stark ein. Den Jugendlichen vor Ort eine Zukunft zu geben: Das ist der ganzheitliche Ansatz der MISEREOR-Partnerorganisationen in El Salvador. Sie motivieren junge Menschen, Lebenspläne zu entwickeln und unterstützen sie dabei sich ein Zuhause und eine Perspektive aufzubauen.

Nach einem ersten Kennenlernen bei leckerem Frühstück stellte Andreas Paul, Referent für Bildung und Pastoral bei Misereor, die Arbeit des Werks vor. So erfuhren die Anwesenden, dass MISEREOR das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit ist. Gemeinsam mit einheimischen Partnern unterstützt MISEREOR Menschen jeden Glaubens und jeder Kultur in Asien und Ozeanien, Afrika und dem Nahen Osten, Lateinamerika und der Karibik. Ein Ziel dabei ist es unter anderem auch zum sozial-ökologischen Wandel beizutragen.

In der Projektarbeit baut MISEREOR ganz auf seine lokalen Partner. Diese Organisationen, Gemeinden oder Selbsthilfegruppen kennen die Lage am besten und genießen das Vertrauen der Betroffenen. Gemeinsam mit ihnen gestalten sie Entwicklung und werden dabei von MISEREOR beraten und finanziell unterstützt. So ist sichergestellt, dass die Projekte an die Bedürfnisse und Lebensweisen der Menschen angepasst sind. Für MISEREOR steht das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund. Ziel ist es, dass die Menschen nicht dauerhaft von Unterstützung abhängig sind. Vielmehr setzt die Projektarbeit auf die Potenziale der Betroffenen und befähigt diese dazu, eigene Ideen und Initiativen umzusetzen und eine selbstbestimmte Entwicklung aus eigener Kraft zu vollziehen. MISEREOR bekämpft aber nicht nur Armut, Hunger, Unrecht und die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, sondern auch deren Ursachen. Als politische Lobby der Benachteiligten hinterfragt MISEREOR das global vorherrschende Wirtschaftsmodell im Hinblick auf Armut und Menschenrechte, pocht auf entschiedene Schritte gegen den Klimawandel und prangert ungerechte Gesellschaftsstrukturen an. MISEREOR steht für gelebte Solidarität mit den in Armut Lebenden: Engagierte Einzelpersonen und Gruppen, Pfarrgemeinden und Institutionen organisieren Solidaritätsläufe, Fastenessen und Wallfahrten, unterstützen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern durch den Kauf fair gehandelter Produkte und fördern Entwicklungsprojekte mit Spenden, Schenkungen oder Erbschaften.

Das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR e. V. wurde 1958 als „Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt“ gegründet. Den Namen schlug der Kölner Kardinal Joseph Frings vor, in Anlehnung an den Ausspruch Jesu „Misereor super turbam“ („Ich habe Mitleid mit den Menschen“).

Danach bekamen die teilnehmenden Fachkräfte im ersten Teil der Veranstaltung im Sinziger Pfarrheim aus profundem Mund interessante Informationen zum Land El Salvador. Die Republik El Salvador (Hauptstadt: San Salvador) ist etwa so groß wie Hessen und damit das kleinste und mit 6,4 Millionen Einwohnern auch das dicht Besiedelste Land Mittelamerikas. Die Bevölkerungsstruktur ist sehr jung: Fast die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre. Gleichzeitig herrscht hier eine große Perspektiv- und Arbeitslosigkeit von mehr als 26 Prozent. Unter anderem wünschen sich deshalb 76 Prozent der unter 24 Jährigen das Land zu verlassen (Studie „Centroamerica desgarrada. Demandas y expectativas de jövenes residentes en communidades empobrecidas“, 2017, Forschungsinstitut der Sozialwissenschaften, Universität Costa Rica). Mehr als drei Millionen Salvadorianer und Salvadorianerinnen leben bereits im Ausland. El Salvador ist eines der gewalttätigsten Länder der Welt mit jährlich 64 Morden auf 100.000 Einwohner laut Aussage der Nationalpolizei El Salvadors 2018. Im Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert bei 2,92. Einer der Gründe: Ganze Stadtviertel und Regionen sind unter Kontrolle verbrecherischer Jugendbanden. Sie kassieren Schutzgeld und handeln mit Drogen und Waffen.

Für die Bevölkerung bedeutet dies eine starke Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Die Politik setzt auf eine harte Hand und zieht das Militär zur Wahrung der inneren Sicherheit heran, was zu einer Eskalation der Gewalt führt. Jugendliche stehen bei Polizei und Militär unter Generalverdacht und Menschenrechtsorganisationen beklagen ungerechtfertigte und willkürliche Festnahmen, Schikanen, Folter und außergerichtliche Hinrichtungen.

Gewalt ist in der salvadorianischen Gesellschaft omnipräsent. Rund 100.000 Salvadorianer, vor allem junge Menschen, flüchten daher jedes Jahr vor Gewalt und fehlenden Perspektiven.

Hier setzt die Arbeit von Beatriz Rivas an. Das eigene Potenzial zu erfahren und selbst Verantwortung für sich und sein Lebensumfeld zu übernehmen, ist der ganzheitliche Ansatz der Arbeit von Beatriz. So erarbeiten junge Menschen, ausgehend von ihren Kompetenzen und Interessen, persönliche Lebenspläne und werden beispielsweise durch Kleinstkredite dabei unterstützt, ein kleines Geschäft zur Sicherung des Lebensunterhaltes aufzubauen. Dabei wird ein freundliches und friedliches Miteinander inmitten einer Situation der Gewalt erlebt. Sie unterstützt junge Menschen, die sich ein Zuhause und damit eine Perspektive in ihrem Land aufbauen möchten. Ein Ziel dabei ist es, dass nach Abschluss des Trainings die jungen Menschen sich gemeinsam starkmachen für ihr Umfeld und ein friedliches, soziales Miteinander.

Die Leiterin des Hauses der offenen Tür, Petra Klein, präsentierte im Anschluss an eine lebendige Diskussion einige interessante Zahlen und Statistiken aus Deutschland. Frau Anne Goblet, die aus Luxemburg angereist war, berichtete unter anderem zu Projekten in Luxemburg, mit dem Ziel die Schulabbrecherquote zu senken und den Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt/Ausbildungsmarkt erfolgreich zu gestalten.

Nach engagierter Diskussion, Stärkung beim Mittagessen und Hausführung durchs HoT, folgte sodann der praktische Teil des „kleinen Fachtags“. Beatriz Rivas führte dabei Einzelelemente aus ihren Workshops mit den engagierten Teilnehmer*innen durch und auch die Mitarbeiter*innen des Hots, Patrick Book, Ulrike Michelt und Tatjana Francesconi trugen mit einzelnen Methoden aus ihrem Wirkungskreis dazu bei, den Austausch zu bereichern.

Am Schluss waren sich alle einig, dass dies ein sehr horizonterweiternder, begeisternder, wiederholungswerter Dia(Tria)log gewesen sei und dass der Kontakt mit Beatriz Rivas auf jeden Fall aufrecht erhalten werden sollte, um gegebenenfalls zukünftig auch gemeinsame Projekte durchzuführen.

Der „kleine Fachtag“ war möglich geworden durch den Pastoralreferenten Christoph Hof, der den Kontakt zu Andreas Paul hergestellt hatte und die ersten Planungen eingeleitet hatte.

Im praktischen Teil des „kleinen Fachtags“ führte Beatriz Rivas dabei Einzelelemente aus ihren Workshops mit den engagierten Teilnehmer-/innen durch. Foto: privat

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