Reisebüro Kai Franzke GmbH in Andernach
„Befinden uns seit elf Monaten praktisch im Lockdown“
BLICK aktuell: Der Lockdown geht erneut in die Verlängerung. Wie beurteilen Sie die Maßnahme?
Kai Franzke: Die Maßnahmemacht überhaupt keinen Sinn und ist genauso an der Realität vorbei wie der vorherige Lockdown. Man kann die Einzelhändler, Gastronomen und andere Betroffene nicht bestrafen und anderen gibt man die Möglichkeit, immer mehr Non Food-Ware zu verkaufen. Discounter dürfen ohne Einschränkungen öffnen und verkaufen, sodass es ohne Abstände morgens um 8 Uhr aussieht, als hätten wir gerade Michelsmarkt in Andernach.
BLICK aktuell: Wie hoch sind die finanziellen Einbußen in den letzten Monaten?
Kai Franzke: Unsere Umsätze liegen je nach Monat bei Minus 75 bis Minus 90 % .
BLICK aktuell: Wie steht es um die Hilfszahlungen der Politik? Kommen die an und wie hoch sind die bürokratischen Hürden?
Kai Franzke: Aufgrund eines starken Zusammenhaltes der Reisebranche, des Reisebüroverbands und der Kooperationen, erzielten wir mit Demonstrationen und der Teilnahme an Expertengesprächen, dass wir Überbrückungen bekommen. Hier ist es allerdings immer wieder erforderlich, die Politik darauf aufmerksam zu machen, dass manche Schritte realitätsfremd sind. Dadurch gab es immer wieder zahlreiche Nachbesserungen und Überarbeitungen. In Zusammenarbeit mit meinem Steuerberater konnten wir die Überbrückungen 1+2 im letzten Jahr bekommen. Ohne diese Experten ist das unmöglich. Die für dieses Jahr angekündigte Ü3 lässt sich aufgrund einiger ungeklärter Punkte noch nicht beantragen.
BLICK aktuell: Können Sie die Umsatzausfälle kompensieren, zum Beispiel durch ein Onlineangebot?
Kai Franzke: Wir sind keine Onliner, wenn wir auch mittlerweile sehr viel per E-Mail, über Social Media und Mobil mit den Kunden kommunizieren, das ist wichtig. Aber im Vordergrund steht auch da immer der persönliche Aspekt und nicht, zu irgendeiner Buchungsmaschine zu verkommen. Das ist nicht unsere Philosophie. Auch wenn wir uns als Reisebüro bereits seit gut elf Monaten praktisch im Lockdown befinden.
Kai Franzke, Geschäftsführer der Reisebüro Kai Franzke GmbH.Foto: privat
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