Rund 50 Besucher waren von der „TextProbe“ in Rheinbach begeistert
Bei Kerzenlicht im Glaspavillon
Bereits zum elften Mal luden „Rheinbach liest“, die Öffentliche Bücherei St. Martin und die Buchhandlung Kayser zu dieser Veranstaltung mit Hobbyautoren ein
Rheinbach. Bereits zum elften Mal hatten „Rheinbach liest“, die Öffentliche Bücherei St. Martin und die Buchhandlung Kayser zur „TextProbe“, diesmal im Rahmen des Kulturpavillons, eingeladen. Rund 50 Besucher waren von den handgemachten Texten, der Musik und nicht zuletzt dem festlichen Ambiente im Glaspavillon an der Stadthalle hellauf begeistert. Gleich zu Beginn gab Moderator Lothar Tolksdorf eine Anekdote zu einer unfreiwilligen Erfahrung auf dem FKK-Campingplatz zum Besten. Ein Vorgeschmack darauf, was das Motto des Abends alles umfasste: „Glück, Glas und andere große Gefühle“. Wie es der „TextProben“-Besucher gewohnt ist, wartete die „talentierte Literaturbühne“ auch diesmal mit einem bunten Genre-Mix auf: Bei dem Format tragen Jederzeit- und Gelegenheitsautoren dem Publikum das Neueste aus ihren Schreibwerkstätten vor. Und wenn ein Text mal in keine Sparte passt, wird eben eine neue dafür erfunden. So etwa bei dem 15-jährigen Tom Engeland, der in seinen beiden Vorträgen Buddhas Meinung über Mangos mit einem Plädoyer für das Alien im gleichnamigen Film kunstvoll verknüpfte. Außerdem philosophierte er über imaginäre Mitbewohner, den Sinn des Spiels Scrabble und wahre Worte.
Ganz anders waren da die Beiträge von Margret Wittgrefe und Renate Meyer, die sich klar an ihr Genre hielten. Die Eine entführte die Zuhörer in die Welt der Märchen und blickte mit ihnen in einen Zauberspiegel. Die Andere brachte in kurzen Gedichten Begegnungen und Gedanken zum Ausdruck. Auch der Meckenheimer Thomas Mentzel blieb den Gedichten treu. Er erzählte locker-fröhlich vom Entstehungsprozess eines solchen und wie viel Alkohol dazu förderlich oder weniger förderlich ist. Britta Mekelburger, die jüngste Teilnehmerin des Abends, erinnerte sich in malerisch-verträumter Sprache, konsequent dem gewählten Metrum und Reimschema folgend, an eine Vollmondnacht, von Unterwasser aus betrachtet. Gedichte ohne Reim hingegen trug Christiane Bröckelmann vor. Sie machte sich philosophische Gedanken zu Aussehen und Oberflächlichkeiten in unserer Gesellschaft, und wie man eigentlich sein will. Von Günter Detro und Leonie Schnack zuletzt bekam das Publikum zwei ganz verschiedene Kurzgeschichten zu hören: Detros Geschichte über Krösus Christian hatte seinen Schauplatz in Rheinbach, gar einen Showdown im Glasmuseum, war höchst erheiternd und geizte nicht mit überraschenden Wendungen.
Erlös wird gespendet
Zum Nachdenken und Mit-Fühlen regte der Bericht der Studentin von einer ersten Begegnung mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie an. Inspiriert davon, und in Hinblick auf die Aktualität des Themas, verkündete Gerd Engel, aus dem Vorstand von „Rheinbach liest“, im Anschluss, der Erlös des Abends werde zugunsten von Sprach- und Leseförderprojekten mit Rheinbacher Flüchtlingsfamilien gespendet werden. Dafür gab es viel Applaus und am Ende blieben über zweihundert Euro im Hut.
Eine „fast heimelige Atmosphäre“
Aber es blieb nicht nur beim Reden. Zusammen mit Pianist Dirk Plücker untermalte Engel den Abend musikalisch. Die Texte des Liedermacherduos, das der Einfachheit halber „dirkundich“ heißt, waren diesmal etwas nachdenklicher: Erst am Ende gab es mit „Ich auch“ wieder gehobenen Klamauk und augenzwinkernde Nostalgie. Bei Kerzenschein gaben die beiden dabei auch rein optisch ein schönes Bild ab. So kam für das Publikum eine gemütliche, fast heimelige Atmosphäre auf.
Zum Abschluss, nachdem das letzte Lied verklungen war, stellte Tolksdorf den neuen Leiter der „Buchhandlung Kayser“, Christoph Ahrweiler, vor. Engel erinnerte daran, dass der abdankende „Kayser“ Andreas John einen entscheidenden Anteil an der Gründung von „Rheinbach liest“ hatte und drückte seinen Wunsch aus, dass Andreas John den vielen Projekten, die er mit angeschoben hat, verbunden bleibt.
Nächste „TextProbe“
Eines davon wird die nächste „TextProbe“ sein, die am 30. November in der Buchhandlung Kayser stattfindet. Ambitionierte Hobbyautoren, die gerne teilnehmen möchten, melden sich bei gerd.engel@rheinbach-liest.de.
