„Wohnen für Hilfe“
„Beim Kochen auf den Geschmack gekommen“
Koblenz.Das Projekt „Wohnen für Hilfe“ als Chance begreifen – private Wohnraumgeber:innen stellen Studierenden kostenfrei ein Zimmer zur Verfügung und erhalten dafür Unterstützung im Alltag. Im Sommer 2022 wagten der 24-jährige Student Nabil Haidary und die 63-jährige Rosemarie Kraushaar diesen ungewöhnlichen Schritt. Inzwischen leben die beiden seit sechs Monaten unter einem Dach in Koblenz-Horchheim.
„Ich wollte nicht mehr allein im Haus sein und habe mir jemanden gewünscht, der zu Hause ist, wenn ich mal länger wegfahre“, beginnt Kraushaar „Und doch war es eine große Umstellung für mich, als dann plötzlich Geräusche im Haus waren, als Nabil eingezogen ist“, erzählt die 63-Jährige weiter.
Nabil Haidary studiert zu diesem Zeitpunkt gerade im 2. Semester Wirtschaftsinformatik an der Universität in Koblenz und sucht eine günstige Bleibe. „Das Projekt ist perfekt für mich. Ich helfe Rosemarie im Haushalt und muss keine Miete zahlen. Ich empfinde die Unterstützung auch nicht als Arbeit, es sind Aufgaben, die eben zum Alltag dazugehören. Ich fühle mich zu Hause, aber mit mehr Verantwortung“, resümiert der Student. Seine Tätigkeiten variieren. Er macht eben das, was gerade so anfällt – beispielsweise Schneeschippen, Gartenarbeit, Winterdekoration wegräumen und Autowaschen. Auf den Kater passt Haidary auf, wenn Kraushaar länger unterwegs oder verreist ist.
Neben dem Studium Geld verdienen möchte der Student trotzdem. Daher hat er einen Nebenjob bei einem Sanitärgroßhandel. Rosemarie Kraushaar hat bis vor Kurzem als Lehrerin an einer Realschule gearbeitet. Die Zeit, die die beiden zusammen verbringen, ist deshalb begrenzt. Zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört dann aber das gemeinsame Kochen. „Nabil ist sehr aufmerksam und höflich und fragt mich immer, ob ich denn schon etwas gegessen hätte“, erzählt Kraushaar. „Und so kommt es vor, dass wir häufig neue Gerichte ausprobieren. Wir zeigen uns gegenseitig neue Rezepte. Nabil hat vor Kurzem das erste Mal Döbbekuchen und Kribbelscher gegessen“, berichtet sie schmunzelnd und der Student ergänzt: „und ich mache zum Beispiel Reishähnchen oder Gemüsepfanne. Wir würzen ganz anders, weil wir aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen.“
Abends sitzen die beiden auf der Couch, erzählen sich vom Tag oder besprechen, was in den nächsten Tagen zu tun ist. „Zu Missverständnissen im Alltag kommt es dann schon mal“, beginnt Kraushaar. „Aber Konflikte gehören nun mal dazu, wie in jeder Familie eben auch. Wir haben die immer gut gemeinsam lösen können“, ergänzt sie. Vor allem habe die 63-Jährige gelernt, geduldiger zu sein. Haidary erwähnt hingegen, dass er ordentlicher geworden ist, seit er bei Rosemarie Kraushaar wohnt.
Seit Februar nun ist Kraushaar in Rente. Mit Wehmut und Erleichterung beginnt sie diesen neuen Lebensabschnitt und hat schon einige Pläne für die kommenden Monate. Sie möchte sich beim Naturschutzbund engagieren und bei OXFAM aushelfen. „Mal sehen, was die Zeit alles bringt“, ergänzt Kraushaar mit Vorfreude.
Die Rentnerin hat das Projekt „Wohnen für Hilfe“ schon weiterempfohlen. „Nicht alle sind sofort überzeugt, manche sind skeptisch oder bezeichnen mich sogar als mutig“, erzählt Kraushaar weiter. „Ich jedenfalls kann sagen, es war eine gute Entscheidung. Um Nabils Unterstützung zu Hause bin ich sehr froh. Er gehört mit zur Familie und dafür bin ich dankbar.“ Haidary fasst zusammen: „Man muss schon hilfsbereit und offen sein. Dann ist es eine gute Sache, die ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.“
Weitere Informationen und Kontakt: Studierendenwerk Koblenz, Anne Dommershausen, Projektleiterin „Wohnen für Hilfe“, Hochschule Koblenz, Konrad-Zuse-Straße 1, 56075 Koblenz, Tel. (02 61) 95 28 -9 81, E-Mail: koblenz@wohnen-fuer-hilfe.de, Website: www.wohnen-fuer-hilfe.de.
Pressemitteilung des
Studierendenwerk Koblenz
