Katholische Frauengemeinschaft St. Petrus und Paulus - Odendorf
„Bella Musica“ zu Gast im Gefängnis
Chor der kfd sang in der Rheinbacher Justizvollzugsanstalt zur Sonntagsmesse
Rheinbach. Der Chor „Bella Musica“ der Katholischen Frauengemeinschaft St. Petrus und Paulus aus Odendorf, unter Leitung von Monica Schneider-Henseler, hatte einen besonderen Auftritt im Dezember. Sie sangen zu den beiden Sonntagsmessen in der Justizvollzugsanstalt in Rheinbach.
Nachdem die Personalien Wochen vorher gecheckt worden waren, ging es mit gemischten Gefühlen morgens um 8.30 Uhr Richtung Rheinbach. Was erwartete die Damen?
Hatte doch noch keiner von ihnen ein Gefängnis von innen gesehen. Umsomehr waren sie überrascht von dem hellen, frisch renovierten und sauberen Gebäude. Nachdem die Sicherheitsschleusen passiert waren, ging es in den zweiten Stock, in der die Barbarakapelle liegt. An den Fenstern der Kapelle waren keine Gitter, der Raum war groß, hell und machte einen sehr freundlichen Eindruck. Gewölbte Decken und die große Orgel auf der Empore ließen fast vergessen, dass die Damen in einem Gefängnis waren.
Nach dem Einsingen wurde zur Messe aufgerufen. Erst jetzt erfuhren die Gefangenen, dass der Chor zu Besuch war. Zuerst kamen die rund 20 Mitglieder des Gefangenenchores „Die Rheinbacher Gitterlerchen“. Sie werden von einem externen Organisten geleitet und haben die Aufgabe die Kirchenlieder während der Messe kräftig mitzusingen. Pfarrer Schwarz begrüßte die gut 150 Gefangenen, die gekommen waren, in über 10 Sprachen.
Überraschend emotional
„ Bella Musica“ sang Teile aus der Gospelmesse „Body and Soul“ von Lorenz Maierhofer. Besonders ergreifend war für alle das Lied „My life is in your hand“ von Kirk Franklin. Ein Teil der Gefangenen sang es spontan mit. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Die Frauen des Chores spürten, dass da eine Botschaft verstanden worden war. Alle waren emotional stark berührt, auch als es spontan dafür Beifall gab. Übrigens ist die Kapelle die Einzige, der Gefängniskirchen in Nordrhein-Westfalen, die einem Patron geweiht ist. Pfarrer Schwarz erklärte die Wahl so: „Es musste jemand sein, der auch im Gefängnis war und gelebt hat, bevor die Reformation war. So konnten sich katholische und evangelische Christen mit identifizieren.“
Die Wahl fiel auf die Heilige Barbara, die vor mehr als 1700 Jahren von ihrem heidnischen Vater wegen ihres christlichen Glaubens in einen Turm gesperrt wurde. Später vollzog er, nachdem er sie öffentlich verurteilen ließ, selber die Hinrichtung.
In seiner Predigt nahm Pfarrer Schwarz das Patronatsfest zum Anlass, den höchst aktuellen Bezug zu heute herzustellen. Auch heute noch lassen sich in der Gesellschaft häusliche Gewalt gegen Frauen und Ehrenmorde finden, weil die Tochter nicht den heiraten möchte, der für sie vorgesehen ist. Zwischen den Gottesdiensten gab es Kaffee und Gebäck und bei allen Chormitgliedern stellte sich eine gewisse Erleichterung ein. Sie waren froh, dass der Chor so positiv aufgenommen worden war. Auch im zweiten Gottesdienst sang der Gefangenenchor ein Lied gemeinsam mit dem Frauenchor und beim Friedensgruß stellte sich schon eine gewisse Vertrautheit ein. Spontane Äußerungen der Wertschätzung einzelner Insassen waren Ansporn genug für den Entschluss im nächsten Jahr wieder zu singen. Und dann vielleicht ein Projekt gemeinsam mit den „Gitterlerchen“ einzustudieren.
