Allgemeine Berichte | 18.09.2019

Wachtberger Planungs- und Umweltausschuss beschäftigte sich mit Dorfsaal

Bestmögliche Lösung für Gimmersdorf ist wichtiger als Schnellschuss

Nutzungskonzept für den Dorfsaal wurde vorgestellt - Unbebautes Dreieck daneben könnte Nebengebäude erhalten - Komplettabriss und Neubau sind ebenfalls denkbar

Wachtberg. Das Innenentwicklungskonzept für Gimmersdorf (DIEK) ist zwar schon auf einem guten Weg, doch einen Förderantrag will die Gemeinde Wachtberg in diesem Jahr noch nicht stellen. Das erklärte Sven Lachmann vom Institut für Regionalmanagement (IfR) dem Planung- und Umweltausschuss in dessen jüngster Sitzung. Dafür seien die Planungen noch nicht weit genug fortgeschritten und einige wichtige Fragen noch ungeklärt. Unter anderem auch deshalb, weil Klaus Meurer (CDU) während der Sitzung einen Komplettabriss und Neubau des Dorfsaales ins Gespräch brachte, was eigentlich nicht vorgesehen war. Da aber auch die anderen Ausschussmitglieder dies überlegenswert fanden, soll eine Machbarkeit geprüft werden. Zumal diese Lösung am Ende die Gemeinde vielleicht sogar noch weniger kosten könnte als ein Anbau, weil dann noch andere Fördertöpfe angezapft werden könnten, wie Oliver Henkel (Grüne) und Bernd Düsterdiek (CDU) vermuteten.

Zuvor hatte Lachmann erläutert, mit dem 2017 vom Gemeinderat beschlossenen DIEK seien Ziele und Maßnahmen definiert worden. Ein besonderer Fokus liege dabei auf der Zukunft des Dorfsaals. Demgemäß seien die Projekte „Den Dorfsaal baulich fit für die Zukunft machen“, „Gemeinsames Nutzungskonzept für den Dorfsaal erarbeiten - neue Angebote entwickeln“ sowie „Ein neues Angebot für Kinder und Jugendliche“ die ersten konkreten Maßnahmen, die auf Grundlage des Konzepts umgesetzt werden sollen.

Bedarf hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt

Der Dorfsaal stelle die schließlich einzige öffentliche Räumlichkeit für Veranstaltungen im Dorf dar, und die Notwendigkeit für Veränderungen rühre nicht zuletzt aus der Tatsache, dass sich der Bedarf hierfür in den vergangenen Jahren gewandelt und erweitert habe. Feste und Übungseinheiten der Tanzgarden des Karnevalsclubs Grün-Gelb Gimmersdorf seien nach wie vor ein wichtiger Bestandteil und aus dem Dorfleben nicht wegzudenken, neue Ideen und Ansätze seien hinzugekommen. Weil zudem eine Renovierung des Dorfsaals anstehe, seien ohnehin bauliche Anpassungen und Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Schon während der Erarbeitung des DIEK seien zahlreiche Ideen zur zukünftigen Nutzung des Dorfsaals und der damit einhergehenden baulichen Umsetzung eingebracht worden. Mittlerweile habe das IfR ein auf die spezifischen Bedürfnisse der Dorfbevölkerung zugeschnittenes Nutzungskonzept für den Dorfsaal erarbeitet, das Lachmann ebenfalls vorstellte. Ein Fokus habe dabei auf der barrierefreien Nutzbarmachung des Obergeschosses gelegen, das aktuell lediglich als Lagerfläche für den Karnevalsverein diene. Hier soll künftig ein Mehrzweckraum entstehen mit einer vollständigen Abtrennung gegenüber dem Dorfsaal, um gegebenenfalls auch parallel laufende Veranstaltungen ausrichten zu können.

Komplexe nachbarschaftliche Grundstückssituation

Weil dabei aber die bisher genutzte Lagerfläche verloren gehe, müsse man dafür einem Ersatz suchen. Dafür habe das IfR das bisher unbebaute, etwa 80 Quadratmeter große war Dreieck neben dem Dorfsaal ins Auge gefasst, dessen Bebauung allerdings wegen seines schmalen Grundrisses sowie der komplexen nachbarschaftlichen Grundstückssituation nicht ganz einfach sei. Lachmann bevorzuge eine „nichtinvasive“ Lösung, bei der das bestehende Gebäude des Dorfsaals nicht angetastet werde, sondern ein eigenständiger Bau mit etwas Abstand zum Dorfsaal entstehen soll. Hierfür rechnet er mit Kosten zwischen 400.000 und 500.000 Euro. Möglich sei auch eine „invasive“ Lösung, bei der ein Anbau direkt an die Außenwand des bestehenden Gebäudes rücken würde, die dabei auch zum Teil abgerissen werden könnte. Was es wiederum ermögliche, etwa das kleine Foyer und vielleicht auch den Dorfsaal selbst zu vergrößern. Hierfür seien allerdings noch statische Überprüfungen und technische Untersuchungen erforderlich, zudem seien die Kosten wohl deutlich höher als für ein eigenständiges Nebengebäude. In jedem Fall erfordere eine notwendige Grenzbebauung noch weitere Abstimmungsschritte mit den benachbarten Grundstückseigentümern sowie der Baugenehmigungsbehörde.

Noch keine genehmigungsfähige Planung

Da die Bezirksregierung das DIEK mittlerweile anerkannt habe, bestünde eigentlich die Möglichkeit, Fördergelder aus dem Förderprogramm des Landes NRW für Ländliche Entwicklung und Dorferneuerung zu beantragen, allerdings hätte der Antrag bis zum 30. September abgegeben werden müssen. Dafür sei die Zeit jedoch zu knapp gewesen, weil noch eine Reihe von Fragen zu beantworten seien und eine genehmigungsfähige Planung noch nicht vorliege, so Lachmann.

Doch die weiteren Abstimmungen sollen zeitnah erfolgen, um einen Förderantrag für das Jahr 2020 stellen zu können und auch, um eine optimale Ausnutzung des Dorfsaalgrundstücks zu finden. „Die bestmögliche Lösung für das Dorf ist wichtiger als ein Schnellschuss“, fand Lachmann. Zumal er ebenso wie der Erste Beigeordnete Swen Christian der vorgeschlagenen Neubaulösung durchaus etwas abgewinnen konnte, vor allem vor dem Hintergrund, dass es bei der letzten großen Renovierung des Dorfsaals vor etwa 20 Jahren schon massive Absackungen an der Nachbarbebauung gegeben habe, wie sich der Gimmersdorfer Meurer erinnerte.

JOST

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