Mahnmal für drei ermordete ukrainische Zwangsarbeiter wurde in Rheinbach offiziell eingeweiht
Bewegende Stunde im Stadtwald
Am Ort des ungesühnten Geschehens erinnern drei Stelen aus Basalt an ein sehr beschämendes Kapitel
Rheinbach. „Mit diesem Mahnmal erinnern die Bürger der Stadt Rheinbach an die Ermordung der minderjährigen Zwangsarbeiter Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Wladislaw Detjarew. Sie wurden am 26. Januar 1945 an dieser Stelle auf Geheiß des Rheinbacher NS-Bürgermeisters wegen eines geringfügigen Diebstahls erhängt. Der Mord blieb ungestraft. Möge die Erinnerung an dieses Verbrechen Mahnung für die Zukunft sein.“
Mit dieser Inschrift erinnern seit gestern drei grau-grünliche Stelen aus Schweizer Basalt im Rheinbacher Stadtpark an „ein sehr beschämendes Kapitel der Rheinbacher Geschichte“: die ungesühnte Ermordung dreier minderjähriger ukrainischer Zwangsarbeiter aus nichtigem Grund in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Es war bitterkalt an jenem Freitagmorgen Anfang 1945, so erinnern sich Zeitzeugen, als 150 polnische und ukrainische Zwangsarbeiter aus Rheinbach und den umliegenden Ortschaften unter einem Baum im Rheinbacher Stadtpark zusammengetrieben worden waren. Knapp zehn Grad unter Null zeigte das Thermometer am 26. Januar 1945 an, doch noch weitaus mehr ließ das Geschehen vor Ort den jungen Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren. Sie, die zuvor in ihrer von Nazideutschland besetzten ukrainischen Heimat einfach von der Straße weggefangen und als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden waren, mussten nämlich mit ansehen, wie drei junge ukrainische Zwangsarbeiter aus nichtigem Grund von Schergen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes erhängt wurden.
Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Wladislaw Dedjarew hatten beim Trümmerräumen eine Damenstrickjacke, eine Hose und einige Flaschen Wein mitgenommen. Deshalb mussten die Jugendlichen sterben - vor allem, um ein Exempel zu statuieren. Zwei Monate später war der Krieg vorbei und Nazideutschland besiegt, doch die Täter von damals seien bis heute nicht für ihre Taten belangt worden, hatte Peter Mohr in jahrelanger Arbeit akribisch recherchiert. Der damalige Rheinbacher NS-Bürgermeisters Joseph Wiertz und sein Polizeichef hätten diese „Sonderbehandlung“ eigenmächtig und ohne Gerichtsverhandlung beschlossen und mithilfe einiger städtischer Bediensteter und überzeugter Nazis auch in die Tat umgesetzt. Einstimmig hatte der Stadtrat im Mai dieses Jahres beschlossen, einen Gedenkstein im Stadtpark für die drei hingerichteten Ukrainer errichten zu lassen. Das dafür erforderliche Geld war allein durch die Spenden der Bürger zusammengekommen, Bürgermeister Stefan Raetz dankte bei der feierlichen Einweihung ausdrücklich dafür. Es sei einerseits erfreulich, dass diese Gedenkstätte in einer gemeinsamen Anstrengung geschafft worden sei, doch andererseits wäre es noch schöner gewesen, wenn es die Tat überhaupt nicht gegeben hätte und das Mahnmal erst gar nicht benötigt worden wäre. Doch die Tat sei nun einmal geschehen und im Gedächtnis der alten Rheinbacher auch noch in schmerzvoller Erinnerung.
Auf den drei von Bildhauer Heinz Samulewitz gestalteten Stelen springt die Inschrift von einem auf den anderen Stein über und soll dadurch ein flüchtiges Darüberhinweglesen verhindern, vielmehr dem Leser eine gewisse geistige Konzentration abverlangen, erläuterte Initiator Peter Mohr. Die drei jungen Ukrainer, deren genaue Herkunft bis heute nicht geklärt sei, seien zunächst im nahen Stadtwald verscharrt und später exhumiert und auf dem Martins-Friedhof beerdigt worden. Ihre letzte Ruhestätte fanden sie mittlerweile auf dem Ehrenfriedhof. Die Hauptverantwortlichen für die grausige Tat seien für die schrecklichen Morde nie vor Gericht gestellt worden. Hannes Justen und Julius Frey vom Städtischen Gymnasium machten sich aus Sicht der heutigen Jugend Gedanken über das damalige Geschehen. Sie sahen es als gesellschaftliche Aufgabe der Stadt an, Geschichte auch außerhalb der Schule erlebbar zu machen. Daher sei es richtig, das Gedenken am Ort der Tat einzurichten. „Damit wird den Opfern die Würde zurückgegeben und den Angehörigen ein Ort der Trauer und des Gedenkens zur Verfügung gestellt.“ Sie seien im gleichen Alter wie die damaligen Opfer, könnten sich aber deren Situation nicht im Geringsten vorstellen. Deshalb müsse an dieses sehr beschämende Kapitel der Rheinbacher Geschichte auch in Zukunft erinnert werden, auch von der heutigen jungen Generation. Pfarrer Bernhard Dobelke mahnte: „Das Geschehen darf sich nicht wiederholen, jeder Christ muss sich entschlossen für das Leben eines jeden Menschen einsetzen, denn es ist wertvoll.“ Vladyslav Yehorov, Generalkonsul der Ukraine in Düsseldorf, zeigte sich ebenfalls sehr bewegt, dankte für das Zeichen des Gedenkens und hoffte, dass eine solche Gräueltat nie wieder geschehe. JOST
Das Mahnmal für die drei ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter besteht aus drei Basaltstelen mit einer beschreibenden Inschrift, die von einem zum anderen Stein springt. Foto: Volker Jost
Zahlreiche Rheinbacher wohnten der feierlichen Einweihung des Mahnmals im Rheinbacher Stadtwald bei. Foto: Volker Jost
Generalkonsul Vladyslav Yehorov (rechts) weihte zusammen mit (von links) Hannes Justen und Julius Frey vom Städtischen Gymnasium Rheinbach sowie Pfarrer Bernhard Dobelke und Bürgermeister Stefan Raetz das Mahnmal an die drei ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter im Rheinbacher Stadtwald ein.Fotos: JOST Foto: Volker Jost
