Solidarische Landwirtschaft Katringer Grünzeug geht ins 5. Gemüsejahr
Bioland-Gemüse aus Erpel
Erpel. Die Sonne steht hoch über dem Erpeler Acker, im Hintergrund glitzert der Rhein und die Apollinariskirche ruht jenseits davon auf dem felsigen Ufer. Ein 8-köpfiges Team erntet, säubert, wiegt und packt buntes Gemüse. Es ist Liefertag der Solidarischen Landwirtschaft Katringer Grünzeug eG. Solidarisch – das meint hier gemeinschaftsgetragen: Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben sich als Genossenschaft zusammengetan und ermöglichen so den Anbau biologischen Gemüses. Sie teilen sich die Ernte und auch das Risiko.
Die Landwirtschaft ist wie kaum eine andere Branche äußeren Einflüssen ausgesetzt: Späte Fröste, zu viel Regen oder Hitze, Schneckenplagen und Dürren können Ernteausfälle bedeuten. Darüber hinaus muss ein Betrieb mit dem globalen Markt konkurrieren, indem oftmals ein geringer Arbeitsschutz mit niedrigen Löhnen und bedenklichen Spritzmitteln zu kleinen Preisen führt.
Eine SoLawi (kurz für Solidarische Landwirtschaft) macht es anders: Die Mitglieder legen sich für das Gartenjahr fest, bezahlen monatliche Beiträge und bieten dem Erzeuger der Gemeinschaft Sicherheit. Im Gegenzug erhalten sie knackfrisches, biologisches Gemüse ohne Verpackungsmüll und fast ohne Transport. Davon profitiert auch die Region, nicht zuletzt durch fair bezahlte Arbeitsplätze.
„Für mich ist es essentiell wichtig, selbst aktiv zu werden und dort wo ich lebe, etwas für Nachhaltigkeit zu tun. Das Konzept, in einer netten Gemeinschaft eigene Nahrungsmittel anzubauen und gleichzeitig Umwelt- und Naturschutz zu betreiben, hat mich sofort begeistert.“, erklärt Christina Hilgers, die sich seit Juni 2024 ehrenamtlich im Vorstand engagiert, zusammen mit Holger Schubert und dem Gründungsmitglied Martin Lang. Das Trio freut sich übrigens über eine vierte Person im Vorstand.
Bereits bei ihrer Gründung in Sankt Katharinen (daher der Name) hat sich Katringer Grünzeug ökologischen Anbau, umweltschonende Ressourcennutzung und die Förderung der Biodiversität auf die Fahne geschrieben. Bei allem was sie unternimmt steht die Regionalität mit im Vordergrund. So verwundert es nicht, dass sie sich auch mit lokalen Partnern vernetzt: Ab dem Sommer wird zum Beispiel das Angebot durch den Obsthof Rönn aus Meckenheim ergänzt, auch Eier und Honig sind geplant.
Neben Gemüse vom Acker und aus den unbeheizten Folientunneln sowie Lagergemüse werden auch Orangen vom Demeterbetrieb Jelanisol & Montebello in Südspanien ausgeliefert. Auf 60 Hektar wird in Jelanisol biodynamisches Obst nach den Permakultur-Prinzipien angebaut. Hecken schützen vor Wind, bieten Lebensraum für Tiere und fördern die Biodiversität. Kompost aus Obstresten und Dauerbegrünung stärken den Boden und speichern Wasser. Die Ernte wird über SoLawis wie die Katringer Grünzeug e.G. aus Erpel vermarktet.
Die SoLawi aus Erpel beliefert jede Woche 20 Abholstationen zwischen Neuwied und Bonn und bis in den Westerwald mit ca. einer halben Tonne Gemüse und versorgt damit rund 220 Haushalte. Ein wöchentlicher Ernteanteil enthält ca. 3-4 kg. Neben Privathaushalten gehören auch Tagungshotels zu den Abnehmern, die wechselnde Sorten und die frische Qualität schätzen. Das Hofteam freut sich, auch jungen Menschen über Schulpraktika und FÖJ die Gelegenheit zu bieten, die Arbeiten in einem in Umstellung befindlichen BIOLAND-Betrieb kennenzulernen.
Dieses Jahr im September feiert die SoLawi ihr 5-jähriges Bestehen. Der Hof In der Lache wird dabei zum Begegnungs- und Lernort. Doch auch in den kommenden Monaten sind schon einige Aktivitäten für Groß und Klein geplant: Ob Weidenflechtkurs, gemeinsames Kochen, Naturschutz-AG, Malen oder Yoga für die Artenvielfalt, jede*r ist willkommen – natürlich auch auf dem Acker.
Wer Interesse hat, kann ein Schnupper-Abo (1 oder 0,5 Ernteanteile) abschließen und erstmal unverbindlich testen. Mehr Informationen gibt es auf der Website www.katringer-gruenzeug.de. Die Erpeler SoLawi ist auch auf Facebook und Instagram zu finden.
