Unwetter in der VG Mendig sorgen für Dauereinsätze der Freiwilligen Feuerwehr
Bis an die Grenze der Belastbarkeit
Feuerwehren leisten unermüdlich ehrenamtliche Hilfe zum Schutz der Menschen sowie deren Besitz
Mendig. Mit einem katastrophalen Unwetter begann für die Freiwillige Feuerwehr der VG Mendig eine Dauer-Einsatzserie, die ihres gleichen noch suchen dürfte. In ihren etwa 130 Einsätzen waren 143 Feuerwehrmänner und -frauen sowie eine achtköpfige Führungsstaffel mit 16 Fahrzeugen insgesamt über 80 Stunden lang nonstop damit beschäftigt, vollgelaufene Keller leer zu pumpen, umgestürzte Bäume wegzuräumen, Sturmschäden notdürftig zu beseitigen sowie überschwemmte Straßen von Schlamm und Geröll zu befreien. Während auf der A 61 fast nichts mehr ging, stieg auch das Wasser auf der Bundesstraße zwischen Mendig und Mayen mit jeder Sekunde. Einzigartig waren wohl die schweren Hagelschauer, die dazu führten, dass sich nicht nur ein dicker Graupelteppich bildete, sondern sich bis über einen Meter hohe Berge auftürmten.
Ununterbrochene Hilfe bei Rock am Ring
Unabhängig davon, dass die FFW der VG Mendig gemeinsam mit der Feuerwehr der VG Pellenz und der technischen Einsatzleitung des Landkreises im Rahmen von Rock am Ring in der Zeit vom 1. bis 6. Juni rund um die Uhr als Brandsicherheitswache vor Ort ihren Dienst versehen musste, machte das extreme Unwetter während des Spielbetriebes der Bands vom 3. bis 5. Juni erneut einen Großeinsatz erforderlich, bei dem die Einsatz-Bereitschaft aller verfügbaren Feuerwehrleute gefragt war. Obgleich die Wehrleute unter einem enormen physischen und psychischen Druck stehen, sind sie darin geschult, ihre Emotionen auszuschalten und ihren Dienst - ebenso wie die über 200 Rettungskräfte des DRK, die dafür Sorge trugen, dass Verletzte in Erstversorgungseinrichtungen, beziehungsweise Krankenhäuser gebracht wurden - vorschriftsmäßig zu leisten. Nachdem die Verbandsgemeinde als Genehmigungsbehörde in Absprache mit der ADD in Erwägung gezogen hatte, das Festival eventuell abzubrechen, wurde am Samstag, 4. Juni von Alarmstufe drei in Alarmstufe vier gewechselt, was wiederum bedeutete, dass der Landkreis nunmehr federführend für den weiteren Verlauf und für die Einsatzkräfte verantwortlich war. Dies bedeutete, die Zuständigkeit der Kommune ging an den Landkreis über, sodass die Verantwortung vom Wehrleiter an den Kreisfeuerwehrinspekteur und vom VG-Bürgermeister an den Landrat überging. Außerdem wurden nach einem Beschluss der ADD und des Landkreises etwa 1000 weitere Sicherheitskräfte aus dem gesamten Land Rheinland Pfalz zusammengezogen und standen an den Autobahnraststätten in Bereitschaft, um bei einem eventuellen „worst case“ schnellstmöglich vor Ort sein zu können.
Kaum ein Moment der Ruhe
Allerdings konnten die Feuerwehrleute sich nicht lange über eine Pause freuen, da sie am Sonntag, 19. Juni erneut zu einem Einsatz in die Fallerstraße Obermendig ausrücken mussten, wo ein Einfamilienhaus plus Nebengebäude in Flammen stand. Wegen der engen Bebauung in diesem Teilstück der Fallerstraße waren 60 Wehrleute der VG Mendig mit zwölf Fahrzeugen- sowie drei Wehrleute aus Polch mit einer Drehleiter und fünf Wehrleute aus Weißenthurm mit Atemschutzgerät im Einsatz. Last, but not least waren die Wehrleute zwar in dem Glauben, die TV-Übertragung der Fußball-EM genießen zu können, doch mussten 15 Wehrleute auf das Spiel Deutschland gegen Ukraine wegen eines Einsatzes bei einem Verkehrsunfall an der A61/B262 verzichten. Auch beim Spiel Deutschland gegen Polen rückten 25 Feuerwehrleute wegen einer Brandmeldung zu einer Mendiger Firma aus. Obgleich der Alarm sich als Fehlmeldung erwies, mussten die Wehrleute alle auch in einem solchen Fall vorgeschriebenen Arbeiten durchführen, die angefangen von ausführlicher Ermittlungsarbeit bis hin zur Dokumentation des Einsatzes enorm viel Zeit beanspruchen.
Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz
Wenn viele Bürger der Meinung sind, dass mit den zum Teil bis an die Grenze der Belastbarkeit gehenden Einsätzen die Arbeit der ehrenamtlich engagierten Feuerwehrleute getan ist, irren sie gewaltig, denn nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz. Das bedeutete für die Gerätewarte unter anderem, dass sie im Anschluss an jeden Einsatz alle Geräte (Schläuche, Tauchpumpen) gründlich durchspülen und trocknen, elektrische Geräte fachkundig überprüfen, Uniformen reinigen und trocknen sowie alle Fahrzeuge für den nächsten Einsatz wieder herrichten müssen. Außerdem müssen die Wehrleute in der Feuerwehr-Einsatzzentrale (FEZ) jeden Einsatz minutiös dokumentieren und ihre Einsatzberichte an den Wehrleiter übergeben. Dieser wiederum muss jeden Bericht auf seine Plausibilität, bzw. seine Richtigkeit hin prüfen und an den zuständigen Sachbearbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung weitergeben. Dieser prüft, ob oder welche Einsätze abrechnungsfähig sind, um diese dann per Rechnung an den vermeintlichen Verursacher oder die Versicherung zu senden. Wenn man überlegt, dass die tapferen Feuerwehrmänner und -frauen sich während ihrer Freizeit, in der sie sich eigentlich von ihrer alltäglichen Arbeit erholen sollten, für die Rettung von Menschen sowie deren Hab und Gut ehrenamtlich einsetzen, regelmäßig Schulungen besuchen und mitunter auch um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, da nicht jeder Arbeitgeber begeistert ist, wenn sein Mitarbeiter wieder einmal wegen eines Einsatzes ausfällt, ist es nicht nachvollziehbar, wenn die jeweiligen Gremien, beziehungsweise deren Vertreter sich bei der Anschaffung von dringend benötigten Fahrzeugen oder Ausrüstungen auf die Schulter klopfen. Stattdessen sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, die ehrenamtlichen Wehrleute mit modernsten Geräten und Fahrzeugen auszustatten, damit diese ihre Einsätze unter dem Motto: „Gott zu Ehr‘ - dem Nächsten zur Wehr“ optimal gestalten können.
FRE
Meterhoch versanken nicht nur Fahrzeuge in den Hagelstürmen.
Mit vereinten Kräften musste der Graupelteppich nach und nach abgetragen werden.
