Zweite Exkursion des Historischen Vereins Andernach
Blick hinter die Kulissen
Andernach. Die zweite Exkursion des Historischen Vereins stand ganz im Sinne des Jahresprogramms, das sich der Geschichte des Steinhandels in und um Andernach widmet. In diesem Fall die Verwertung eines ganz besonderen Gesteins, dem Bims. Die Teilnehmer der Exkursion wurden von Herrn Zimmer, ehrenamtlicher Mitarbeiter des deutschlandweit einzigen Bimsmuseums in einer ehemaligen Bimsfabrik in Kaltenengers- und wie sich herausstellen sollte: profunder Kenner der Materie- mit auf die Reise durch das Museumsgelände genommen.
Bims ist ein poröses glasiges Vulkangestein, das wegen seiner Dichte aufgrund der zahlreichen Poren auf dem Waser schwimmt. Es entsteht bei gasreichen Vulkanausbrüchen, wenn Magma auf Wasser und Kohlendioxyd trifft. Dies geschah in unserer Region vor 13.000 Jahren, als der Laacher-See-Vulkan ausbrach und Bimssteine bis in 30 Kilometer Höhe geschleudert wurden und vom Wind in südliche und östliche Richtung getragen wurden. Sie legten sich als meterdicke Schicht auf die Landschaft.
Bereits im 19. Jh. wurden sogenannte „Schwemmsteine“ zum Bauen durch die Beimischung von 10% hydraulischem Kalk, z. B. Traßkalk erstellt, die jedoch sechs Monate an der Luft trocknen mussten. (Wohl eine Erfindung des preußischen Bauinspektors Ferdinand Nebel aus Koblenz.) Wie so ein Bimsstein von Hand entstand, führte Herr Zimmer den Teilnehmern vor.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Baumaterial zum Wiederaufbau dringend benötigt wurde, erlebte unsere Region durch den Bimsabbau einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg. Es entstanden zahlreiche Bimsfabriken und die Bimsvorkommen wurden systematisch abgebaut. Die Spuren dieses Eingriffs in die Landschaft kann man heute noch sehen. Ab 1968 wurde der Baustein aus Bims in vollautomatischen Ringanlagen mit Dampfhärtung hergestellt. Maschinen, Hebevorrichtungen, Gabelstabler etc. erleichterten das Umsetzen und den Transport der Bimsbetonsteine.
In den 80er-Jahren hat dann eine Welle von Betriebsstillegungen stattgefunden. Heute beträgt der Marktanteil der Bimsbaustoffe etwa 12% der Mauersteinindustrie.
Aber Bims wird nicht nur als Baumaterial verwendet. Schon in der Antike wusste man die reinigenden Eigenschaften des Materials zu nutzen, ebenso als Schleifmittel für Holz, Leder und andere Gesteine.
In der Kosmetik heute finden sich Bimspartikel als Schleifmittel in Zahnpasta und Peeling-Cremes oder zum Abschleifen von Hornhaut. Bei der Dachbegrünung nutzt man ihn zur Wasserspeicherung sowie als Zuschlagstoff für gärtnerische Substrate. Am Ende der erkenntnisreichen Führung durften die Besucher noch zwei Runden mit der museumseigenen Feldbahn durch das weiträumige Gelände fahren.
Die nächste Exkursion des Historischen Vereins führt am 14. Juni nach Mendig, wo der Besuch des Lavakellers, der Museumslay und eine Lesung mit Yasna Mittler im Cafe Caldera auf dem Programm steht.
