Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel e.V.
Bolivianische Bischöfe getroffen
Vallendar. Es herrschte reges Treiben in der Pfarrkirche Marzellinus und Petrus in Vallendar. Zu Besuch in Pater Kiefers Kirche waren vier bolivianische Bischöfe, die von Vertretern der Kirchengemeinde und des Umweltnetzwerks Kirche Rhein-Mosel e.V. begrüßt wurden. Das Umweltnetzwerk Kirche Rhein-Mosel war gebeten worden, seine für Rheinland-Pfalz vorbildliche Arbeit vorzustellen. Es berät die Kirchengemeinden in Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes. Neben Pater Kiefers Erläuterungen zur Pfarrkirche, dessen Geschichte und den wertvollen Reliquien, stellte Josef Bokern, Energiebeauftragter der Kirchengemeinde und Vorstandsmitglied des Umweltnetzwerks Kirche, die neue Heizungsanlage der Kirche vor. Im Heizungskeller wurde kurz der Aufbau und die Technik einer der modernsten Anlagen der Region erklärt. Durch diese Anlage und die bevorstehende Umstellung der Kirchenbeleuchtung auf LED-Lampen erhofft man sich eine CO2-Einsparung von rund 35%. Wieder im Kirchsaal wurde die moderne Wärmeverteilung in der Kirche erläutert. Hier wies Herr Bokern darauf hin, dass zwischen Decke und Boden in der hohen Kirche lediglich ein Temperaturunterschied von 2°C besteht, diese geringe Differenz kommt aufgrund der erzeugten Luftzirkulation zustande. Die warme Luft ist also auch dort, wo sie benötigt wird, bei den Gläubigen und nicht nur unter der Decke der Kirche.
Auch ist Schimmel an und in Orgeln immer wieder ein Thema in Kirchen. Deshalb hat das Umweltnetzwerk Kirche ein Hygrometer (Luftfeuchtemesser) in den Innenraum der Orgel angebracht. Dieses zeichnet regelmäßig die Luftfeuchte in der Orgel auf. So ist frühzeitig erkennbar, ob Schimmel eine Chance hat sich auszubreiten und ob man präventiv etwas dagegen unternehmen muss. Die Messungen belegen, dass das Klima an der Orgel so gut ist, dass keine Schimmelgefahr besteht. Aber auch eine zu niedrige Luftfeuchte kann das Holz von Orgeln und Kunstwerken schädigen. „Durch Einbringen von Wasser in die Kirche wurde bei bestimmten Wetterlagen einem Absinken der Luftfeuchte entgegengewirkt“, so Josef Bokern.
Nach dem Besuch der Pfarrkirche Marzellinus und Petrus stellte Vorsitzender Andreas Kirchgässner das Umweltnetzwerk und dessen Arbeit und Ziele vor. Eine Botschaft der Präsentation ist, dass man als Kirche eine Vorbildfunktion in der Gesellschaft zu erfüllen hat und deshalb die Bewahrung der Schöpfung als eine christliche Aufgabe aktiv wahrnehmen sollte. Das Netzwerk will den Kirchengemeinden helfen, diese Aufgabe auszufüllen. Hierbei stehen Fragen der Energieeinsparung im Mittelpunkt der Arbeit.
Die Arbeit des Umweltnetzwerks traf auf das Interesse der bolivianischen Gäste, auch wenn hier andere Herausforderungen im Umweltschutz bestehen. So stellte sich heraus, dass es in Bolivien gar keine Heizungen gibt, ab und an vielleicht mal einen Holzofen. „In Bolivien braucht man keine Heizung in Kirchen, die Wärme kommt aus den Herzen der Gläubigen“, sagte einer der Bischöfe dazu. Genau wie in Deutschland ist es in Bolivien schwer, die Menschen zu motivieren einen aktiven Glauben zu leben, geschweige denn etwas gegen den Klimawandel oder für den Umweltschutz zu tun, obwohl der Klimawandel auch in Bolivien immer deutlicher zu spüren ist. Papst Franziskus wurde zitiert, als er sagte, dass unsere Gesellschaft immer mehr zu einer Gesellschaft der Gleichgültigkeit wird und dass jegliches Feingefühl für Klima und Umwelt verloren gegangen sind. Laut den bolivianischen Bischöfen müsse man daher wieder ein Bewusstsein schaffen und die Thematik des Klimawandels und dessen Auswirkungen schon der jüngeren Generation näherbringen. Dabei kam man auch auf das Thema zu sprechen, dass Niemand in der Gesellschaft dazu bereit ist, Abstriche zu machen und seinen Lebensstil weiter so fortsetzen möchte. Laut den Bolivianern werden sich andere Menschen jedoch engagieren, sobald man selbst anfängt, etwas für den Umweltschutz zu tun. Nur wenn man selber mutig voran geht, ist es möglich andere Menschen mitzuziehen.
Pressemitteilung
Umweltnetzwerk Kirche
Rhein-Mosel e.V.
