Schäden durch Wildschweine steigen in Feldern und Weinbergen in die Tausende
Borstentiere sind schlau und kommen meist in der Dämmerung
Bejagung ist schwierig – Strom und Verstänkern hilft nur bedingt
Cochem-Zell. Sie kommen meist nachts, nehmen keine Rücksicht auf fremdes Eigentum, überwinden problemlos Zäune und Eingrenzungen und richten enormen Schaden an: die Rede ist von Wildschweinen, die in der Region zunehmend Schaden anrichten. Umgedrehte Wege, geplünderte Maisfelder, aufgefressene Wingerte, verwüstete Friedhöfe, zerstörte Hausgärten und nicht zuletzt durchwühlte Rasenflächen sprechen eine deutliche Sprache: Es gibt zu viele Schwarzkittel, die Schäden gehen in die Tausende. Lag die Zahl der erlegten Sauen 1950 bis 1980 noch bei 5000 bis 8000, erreichte die Strecke nach Angaben des Umweltministeriums in Rheinland-Pfalz im Jahr 2008/2009 sogar 80 000 Stück. Zwar haben sich die Jäger redlich bemüht, die Zahl der Borstentiere zu dezimieren, aber Schwarzwild ist schlau. Die Streifzüge von Keiler, Bache & Co. verlaufen meist in der Dämmerung oder nachts. Ist Deckung da, etwa in driesch liegenden Weinbergen, Heckengelände und Unterwuchs, dann fühlen sich die Wildschweine sauwohl. Als intelligente Tiere wissen sie genau, wann es für sie brenzlig wird und wo nicht gejagt werden darf. Zwischen Häusern in Randlagen, wie etwa in Cochem-Cond, kann man tagsüber die „Wühler“ bei ihrer Suche nach tierischem Protein in Form von Würmern, Engerlingen und Larven grunzen hören. Spaziergänger haben oft genug Begegnungen mit dem Borstenvieh, etwa im Bereich der Treiser Zilleskapelle, wo manchmal am helllichten Tag die Rüsseltiere rumlaufen.
„Bei mir haben Sauen ganzen Stockreihen im Wingert aufgefressen“, berichtet Winzer Kilian Moritz aus Pommern, der in diesem Jahr durch Wildschweine einiges an Trauben eingebüßt hat. Der junge Mann, der selbst Jäger ist, weiß, dass weder Vergrämungsmittel, noch Elektrozäune effektiv die Sauen aus dem Wingert fernhalten. Immer wieder werden nämlich die Zaunanlagen von Wanderern zwar geöffnet, aber nicht mehr geschlossen, so dass die Schweine im wahrsten Sinne des Wortes die „Sau rauslassen“ können. „Verstänkerung hilft nur kurzfristig, die schwarzen Gesellen gewöhnen sich einfach sehr rasch an den Geruch“, berichtet ein anderer Jäger. Relativ erfolgreich sind Maßnahmen, bei denen ein Radio mit Lautsprecher mitten im Feld ganz gute Dienste leistet, denn mit einer Fotozelle ausgestattet, die bei zunehmender Dämmerung das Gerät anschaltet, kann man bei wechselnden Musik- und Sprachbeiträgen die Wildschweine vergrämen.
Die Landesregierung hat in dem Zusammenhang auch die Schonzeiten für Schwarzwild in Rheinland-Pfalz teilweise aufgehoben, indem jetzt das ganze Jahr, mit Ausnahme Frischlinge führender Bachen, Dampf auf die Borstentiere gemacht werden darf. Zusätzlich können seit Ende August bei der nächtlichen Jagd auf Wildschweine auch Taschenlampen eingesetzt werden. „Das funktioniert aber sicherlich nur am Anfang“, gibt ein erfahrener Saujäger zu bedenken, „danach wird jede erfahrene Bache zum Rückzug blasen, wenn es an einer Kirrung hell wird“, so der Waidmann. Diese erlaubte Jagdvariante, bei der an geeigneter Stelle im Wald heimisches Getreide in genau vorgeschriebener Menge zum Anlocken des Borstenviehs ausgebracht wird, funktioniert im Herbst ohnehin nicht sonderlich, weil die vorhandene Bucheckern- und Eichelmast die Schwarzkittel davon abhält, an eine Kirrung zu gehen. „Die Wildschäden durch „Schalenwild“ müssen zwar in der Regel durch den Jagdausübungsberechtigten beglichen werden, aber die Verhütung der Schäden und die Reduzierung der Bestände im Rahmen der Prävention, sind mir lieber“, erklärt ein betroffener Landwirt aus der Eifel.
„Revierübergreifende Treib- und Drückjagden sind bei überhöhter Sauen-Population das wirksamste Mittel“, so ein Sprecher des Landesjagdverbandes. „Die Saison beginnt jetzt gerade und wir hoffen, dass die erlegte Strecke eine deutliche Reduktion der Wildschweinbestände bewirkt, zumal die Afrikanische Schweinepest im Anmarsch ist. Diese sehr ansteckende Seuche ist für Schweine absolut tödlich und droht auch nach Deutschland überzuschwappen“, so der Experte. TT
Kilian Moritz aus Pommern ist Winzer und hat einige Schäden durch Wildschweine im Weinberg.
Erlegte Sauen sind ein hochwertiges Lebensmittel und auf dem Teller eine Delikatesse.
Die Schäden sind deutlich zu erkennen.
Die Rasenflächen werden komplett umgewühlt.
