Auch die Traditionen der Junggesellenvereine fallen der Corona-Pandemie zum Opfer
Brauchtum an der Ahr: „Dann feiern wir eben nächstes Jahr!“
Dernau. Im Ahrtal wird das Brauchtum noch groß geschrieben und dazu gehört das traditionelle Stellen der Maibäume. Doch diesmal musste der jahrhundertealte Brauch ausfallen. Die Corona-Pandemie machte den ausrichtenden Junggesellenvereine einen Strich durch die Rechnung. Für die Mitglieder des Junggesellenvereins in Dernau bedeutet das nicht nur einen ideellen Verlust, sondern auch eine verschärfte Situation in Bezug auf die Vereinskasse. Denn nicht nur das Maibaumstellen musste abgesagt werden – auch das Junggesellenfest an Christi Himmelfahrt kann aufgrund der aktuellen Kontaktbestimmungen nicht stattfinden. Das Fest stellt eines der Highlight des Brauchtums der Junggesellen in der Region dar. Um bei dem dortigen Tauziehwettbewerb die Kräfte zu messen, kommen sogar Studentenverbindungen von Bonn in das kleine Weinörtchen an der Ahr. Dort gehen auch jede Menge Getränke und Speisen über den Tresen und der JGV ist von diesen Einnahmen abhängig. Diesmal wird das jedoch nichts, wie der 1. Vorsitzender der Dernauer Junggesellen, Marco Nietgen, erklärt. „Schweren Herzens haben wir das Maibaumstellen und das Junggesellenfest absagen müssen“, sagt er. Viel Spielraum hätten die Junggesellen ohnehin nicht gehabt: Am 17. April wurden derartige Feste von der Verbandsgemeinde Altenahr offiziell untersagt. Das sei zwar traurig, aber auch absolut notwendig. Da ist man sich in Dernau einig und zeigt sich solidarisch. Schließlich gelte es, gerade die älteren Mitmenschen im Dorf zu schützen. Dafür gab es auch Anerkennung, wie Nietgen verrät. „Zwei Dernauer haben einfach einen kleinen Maibaum am Dorfbrunnen aufgestellt.“ Als Ersatz im Miniaturformat, sozusagen.
Das Aufstellen des „großen“ Maibaums möchte man keineswegs nachholen. „Eine Verschiebung kam für uns absolut nicht in Frage“, sagt Marco Nietgen. „Das Maibaumstellen hat eine lange Tradition – das kann man nicht einfach in einem anderen Monat machen.“ Trotz der großen Einschränkungen ist die Grundstimmung jedoch bemerkenswert positiv. „Wir freuen uns darauf, wenn die Corona-Krise überstanden ist und wir mit einem leckeren Wein oder einem kalten Bier anstoßen können,“ sagt Nietgen mit Blick auf das Maibaumstellen 2021 und das Junggesellenfest im nächstem Jahr.
Trotz dieser optimistischen Haltung gibt es jedoch in Bezug auf die finanziellen Aspekte etwas Wehmut. Denn die Junggesellenvereine werden vom Land Rheinland-Pfalz nicht finanziell unterstützt, wie Nietgen erklärt. Dazu fehle dem JGV die Eigenschaft der Gemeinnützigkeit. Nun hoffen die Dernauer auf die Unterstützung ihrer Sponsoren, „die jedoch auch gerade eine sehr schwierige Zeit durchmachen,“ wie der 1. Vorsitzende Nietgen betont.
ROB
