Laienspiel-Kreis Oberbachem feierte Premiere: Sämtliche Aufführungen restlos ausverkauft
„Brautschau im Irrenhaus“ brachte turbulentes Casting auf den Bauernhof
Schwank in drei Akten von Manfred Bogner in einer rheinischen Fassung von Paul Caspari
Oberbachem. „Bauer sucht Frau“ – was im Fernsehen für hohe Einschaltquoten und jede Menge Lacher sorgt, wird im Oberbachemer Dorfsaal jetzt noch mühelos getoppt. Dort führt der Laienspiel-Kreis Oberbachem noch bis zum 14. März den Schwank „Brautschau im Irrenhaus“ auf, der bei seiner Premiere das Publikum restlos in Verzückung versetzte. Der von Manfred Bogner geschriebene Dreiakter war – wie alle Stücke des Laienspiel-Kreises – von Paul Caspari mit viel augenzwinkerndem Humor ins Ländchen-Rheinisch übersetzt worden, was die Begeisterung des Publikums nur noch erhöhte. Kein Wunder also, dass sämtliche Aufführungen schon jetzt komplett ausverkauft sind.
Im Mittelpunkt des Stückes stehen Bauer Karl Hüllen (Wilfried Beusing) und seine Frau Maria (Doris Schledzinski), die sich Sorgen um ihren etwas tumben Sohn Franz (Michael Schäfer) machen, der es vorzieht, statt den Stall auszumisten lieber mit Tunichtgut Josef (Jochen Schmitz) nach durchzechter Nacht erneut zum Frühschoppen aufzubrechen. Ihn will der Bauer nicht nur zum Arbeiten bringen, um ihm guten Gewissens den Hof überschreiben zu können. Auch eine Ehefrau für den missratenen Sprössling muss her.
"Attraktiver Bauer mit großem Grundbesitz sucht..."
Zusammen mit dem schlitzohrigen Knecht Hans (Wilbert Goertz) kommt er auf die zündende Idee, mittels einer Zeitungsannonce eine Ehefrau für Franz zu suchen und dessen Leben so solider zu machen. Die beiden wissen natürlich, was eine Frau am liebsten liest: „Attraktiver Bauer mit großem Grundbesitz sucht...“ Ähnlich wie in der Fernsehsendung „Bauer sucht Frau“ machen gleich drei heiratswillige Damen – Anne Baumgart, Uschi Fabricius und Bianca Heinen – den Hof beim „Casting“ unsicher und sich gegenseitig das Leben schwer.
Bauer und Knecht wollen sich zunächst einmal selbst ein Bild von den drei Grazien machen, um dann zu entscheiden, wer vielleicht die Richtige für den in Liebesdingen völlig unerfahrenen Sohn Franz ist. Was bei den Damen allerdings den Eindruck erweckt, dass der Bauer selbst eine neue Frau sucht. So kommt es natürlich zu unzähligen Verwirrungen und Peinlichkeiten, und die Bäuerin kriegt angesichts so vieler mannstoller Frauen auf dem Hof die Krise. Nachbarin Gertrud (Marietta Vormann) ist da auch keine wirkliche Hilfe, sie sieht schon die „Männer mit den weißen Turnschuhen“ aus der "Köllestrooß" anmarschieren. Und selbst die beiden Polizisten Bernd (Paul Caspari) und Hildegard (Sophia Goertz) können dann nur noch Reißaus nehmen.
Löst sich am Schluss wieder jeder Knoten?
Das Fass läuft endgültig über, als Sohn Franz dahinterkommt, dass sein Vater heimlich mit heiratswilligen Frauen unterwegs ist, er sieht die Ehe seiner Eltern und sein Erbteil in großer Gefahr. Als er sich gegen Ende der Aufführung als Frau verkleidete und bei der lustigen Brautschau des Vaters unter die Damen mischte, war das Publikum endgültig aus dem Häuschen. Ob sich zum Schluss wieder jeder Knoten löst und alle glücklich und zufrieden einander in den Armen liegen, soll hier allerdings nicht verraten werden. Nur so viel: Die Schauspieler wurden am Ende mit stehenden Ovationen vom Premieren-Publikum verabschiedet.
Von Jahr zu Jahr verjüngt sich das Ensemble um Spielleiterin Ruth Thelen, so betraten auch diesmal wieder zwei schauspielerische Neulinge neben den erfahrenen Schlachtrössern erstmals die Bühne im Dorfsaal. Doch von Nervosität keine Spur, Sophie Goertz (Polizistin Hildegard) und Uschi Fabricius (Heiratswillige Christel) meisterten ihre, wenn auch überschaubaren, Rollen ohne Fehl und Tadel und mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit. Der Rest des Ensembles zeigte wieder einmal Laientheater vom Allerfeinsten, da hätte auch der im Braut-Fragebogen gesuchte „Heimliche König von Köln“, Willy Millowitsch, seine wahre Freude gehabt.
7500 Euro an den Bunten Kreis gespendet
Die Besucher der noch ausstehenden zehn Aufführungen können sich schon jetzt auf jede Menge Spaß und Frohsinn freuen. Einen wesentlichen Anteil daran hat erneut die einmal mehr von Willi Zettelmeyer entworfene und von Thomas Beißel, Rainer Hüffel, Andreas Schäfer und Uli Schledzinski gebaute, liebevoll ausgestattete Bühne, auf der es nach ruhigem Beginn mit fortschreitender Dauer äußerst turbulent zugeht. Das Ensemble beschenkte übrigens im vergangenen Jahr den Bunten Kreis „Bonn-Rhein-Sieg-Ahr“ mit 7500 Euro. Die Gabe setzte sich zusammen aus zahlreichen Zuschauerspenden und dem Erlös des vorbildlichen Programmheftes, das auch dieses Mal wieder dank Alexandra und Micheal Höpner 80 Seiten stark ist und jeder professionellen Inszenierung Ehre machen würde.
Foto: Volker Jost
Tunichtgut Josef (Jochen Schmitz), Knecht Hans (Wilbert Goertz) und Sohn Franz (Michael Schäfer) wissen noch nicht, was auf sie zu kommt... Foto: Volker Jost
Bauer Karl Hüllen (Wilfried Beusing) und Knecht Hans (Wilbert Goertz) überlegen, wie sie den Jungen unter die Haube bringen können. Foto: Volker Jost
