Initiative privater Literaturfreunde: Bendorf hat jetzt seine „Leseinsel“ am Stadtpark
Bücher-Tausch-Schrank für alle
Bendorf. Das kennen wir doch alle: Wir haben Bücher und Romane gelesen und nun verstauben sie im Schrank, darunter Klassiker und Lieblingsromane, die schon zigmal als Lektüre dienten. Hin und wieder handelt es sich auch um Geschenke, die unseren Geschmack nicht getroffen haben und daher nie gelesen wurden. Aber wohin mit überzähliger, überflüssiger oder ungeliebter Literatur und Belletristik? Ein Buch oder Roman einfach in den Müll werfen? Das wäre doch zu schade.
Abhilfe für dieses Problem bietet in Bendorf seit einigen Tagen ein offener Bücherschrank mitten in der Stadt, die sogenannte „Leseinsel“. Nehmen, was einem gefällt und zurücklassen, was man nicht mehr braucht, aber auch nicht wegwerfen will. Das ist das grundlegende Konzept der offenen Bücherschränke, die immer mehr Gemeinden für ihre Bürger errichten. Auf Initiative privater Literaturfreunde wurde nun in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung auch in Bendorf ein solcher Bücherschrank aufgestellt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs legten kürzlich das Fundament und befestigten die umfunktionierte Telefonzelle in der Hauptstraße in der Nähe des Kriegerdenkmals. Initiiert wurde das Projekt privat von Annette Bossmann und Kristian Hörstel unter Einbindung vieler Institutionen in Bendorf, darunter von Anfang an auch der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Kessler an der Spitze. Die Gestaltung des Schranks haben Jugendliche vom Team des Mehrgenerationenhauses in Koblenz unter der Leitung von Carsten Liedtke im Rahmen eines Workshops übernommen. Die Idee zu diesem Workshop und die Organisation dazu stammen von Felicitas Flöthner, der geschäftsführenden Leiterin der katholischen Familienbildungsstätte Koblenz, die zur Finanzierung des Projekts den Deutschen Bibliotheken Verband in Kooperation mit der Jugendförderung der Stadt Bendorf und der katholischen Kirchengemeinde gewinnen konnte.
Als „Bücherschrank“ dient eine alte Telefonzelle, die mit Hilfe der Firma Normann Transporte aus dem Allgäu nach Bendorf auf das Gelände der katholischen Kirchengemeinde transportiert worden ist, wo sie von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Ländern in ihrer Freizeit mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden ist. Den Transport zu ihrem festen Standort am Stadtpark hat die Firma Bauunternehmung Schmidt übernommen. Die bereits mit vielen Büchern von Annette Bossmann und Hobby-Antiquar Heiko Gloystein bestückte ausgediente Telefonzelle ist für jeden Bürger zugänglich. Tauschen, schmökern, stöbern – völlig kostenfrei steht Bücherwürmern eine bunte Mischung an Lesestoff zur Verfügung.
Hier können Bücher kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten getauscht werden. Wenn man ein Buch doppelt hat oder nicht besitzen möchte, kann man es einfach in den Schrank stellen, es gibt aber keinen Zwang, wer etwas mitnimmt, muss nicht unbedingt auch etwas hineintun.
Zur offiziellen Eröffnung konnte Annette Bossmann neben den Gestaltern und Initiatoren auch Bürgermeister Michael Kessler begrüßen. Sie und Projektleiter Carsten Liedtke stellten das Projekt den Anwesenden vor und gaben Einblicke in die Hintergründe und Abläufe. Die Enthüllung war eingebettet in ein kleines musikalisches Rahmenprogramm.
Bürgermeister Kessler bedankte sich bei allen Mitwirkenden für die erfolgreiche Durchführung des Projekts „Leseinsel“. Der Bürgermeister: „Ich bin stolz darauf, dass es in unserer Stadt Menschen gibt, die dieses Engagement zusammenführt. Die nicht etwas machen, weil sie einen persönlichen Vorteil davon haben, sondern die etwas machen, damit andere einen Vorteil haben.
Der Bücherschrank soll künftig die vorbeigehenden Menschen dazu einladen, spontan hineinzugreifen, zu schmökern oder Bücher kostenlos mit nach Hause zu nehmen. Umgekehrt kann die Freiluft-Bücherstube von allen bestückt werden, die sich von Büchern trennen können.
Annette Bossmann und Heiko Gloystein haben die Patenschaft für den Bücherschrank übernommen. Frau Bossmann hat die Telefonnummer (01 75) 7 65 55 61, Herr Gloystein ist erreichbar in seinem Hobby-Antiquariat in der Oberen Bachstr. 51 oder Tel. (0 26 22) 9 89 73 06.
Frau Bossmann öffnet den Bücherschrank für Jedermann.
Auch das musikalische Rahmenprogramm wird geleitet von Annette Bossmann.