Bürger protestieren gegen möglichen Solarpark in Wehr und Bell
Wehr/Bell. Die Ortsgemeinden Wehr und Bell sind dabei, die Voraussetzungen für einen riesigen gemarkungsübergreifenden Solarpark zu schaffen, der entlang der A61 und der B412 entstehen soll. Insgesamt würden nach den bisherigen Planungen 86 Hektar wertvoller Ackerflächen mit Solarmodulen überbaut und über Jahrzehnte der Bewirtschaftung durch die Wehrer Landwirte entzogen. Die von der Firma Wiwi Consult GmbH & Co. KG zu betreibende Freiflächen-PV-Anlage in der Gemarkung „In den drei Gemeinden“ hätte gigantische Dimensionen und entspräche der Größe von 121 zusammenhängenden Fußballfeldern. In beiden Ortsgemeinden wurde das erforderliche Offenlegungsverfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes und der Bebauungsplanes in Gang gesetzt, wobei die Planänderungen von den Verbandsgemeinderäten Brohltal und Mendig noch beschlossen werden müssen. Gegen die beabsichtigte Änderung des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes regt sich zumindest in der Wehrer Bevölkerung erheblicher Widerstand. Nach einer Info-Veranstaltung fand sich eine Interessengemeinschaft mit der Bezeichnung „Keine neue Freiflächen-PV-Anlage Wehr/Bell“ zusammen. Spontan bekundeten 149 Bürger von Wehr anhand einer Unterschriftenaktion erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben, einen weiteren Solarpark in Wehr, noch dazu in solch riesigen Ausmaßen, zu errichten. Fristgerecht wurden entsprechende Widersprüche gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes bei den beiden Verbandsgemeinden eingereicht. Ein Argumentationspapier wurde erstellt, dem die Gründe für eine Ablehnung zu entnehmen sind. Neben den landwirtschaftlichen Belangen ginge ein stark frequentiertes Naherholungsgebiet für die Wehrer Bevölkerung dauerhaft verloren, da die Solarmodule das Landschaftsbild in erheblichem Maße beeinträchtigen. Die geplante Freiflächen-PV-Anlage würde sich inmitten des viel umworbenen Vulkanparks Brohltal-Lacher See befinden, einem touristischen Hotspot in Rheinland-Pfalz. Drei vulkanologisch bedeutsame Calderen auf engstem Raum, somit einzigartig in Europa, befinden sich in unmittelbarer Nähe. Zwei Hauptwanderwege des Eifelvereins, der Vulkanweg und der Osteifelweg, laufen durch das zu überbauende Areal oder daran vorbei. Inzwischen wurden seitens der Interessengemeinschaft Stellungnahmen der Landwirtschaftskammer und des NABU eingeholt. Beide Gutachter kamen nach eingehender Recherche zu einem ablehnenden Ergebnis. Seitens der Landwirtschaftskammer wird der Verlust von fruchtbarem Ackerland mit überaus guten Bodenwerten als nicht hinnehmbar bezeichnet. Die bäuerlichen Betriebe würden bis zu 20 Prozent ihrer Ackerfläche verlieren. Der NABU führt in seiner ablehnenden Stellungnahme aus, dass es sich bei den begutachteten Flächen um bemerkenswerte Nahrungshabitate von Greifvogelarten wie Rot- und Schwarzmilan, Uhu und Turmfalke handelt. Darüber hinaus grenze der geplante Solarpark unmittelbar an das Natura-2000-Schutzgebiet Laacher See. Damit sich die interessierten Einwohner von Wehr schon jetzt ein Bild von der Größe des beabsichtigten Solarparks machen können, haben Landwirte die Eckpunkte in der Feldflur mit großen Rundballen gekennzeichnet. Die Interessengemeinschaft ist inzwischen mit ihren erheblichen Bedenken beim Wehrer Bürgermeister Andy Paulissen vorstellig geworden. Er hat zugesichert, innerhalb der nächsten Wochen eine Bürgerversammlung einzuberufen, bei der beide Seiten ihre Argumente und Vorstellungen bezüglich des Solarparks vortragen können. Formell haben die Gemeinderäte von Wehr und Bell in Kenntnis der Widersprüche die abschließende Entscheidung zu treffen, ob die Freiflächen-PV-Anlage tatsächlich in den geplanten gewaltigen Ausmaßen verwirklicht werden soll.
Pressemitteilung der
Interessengemeinschaft
„Keine neue
Freiflächen-PV-Anlage Wehr/Bell“
Entsteht hier ein neuer Solarpark? Foto: privat Foto: Picasa