Allgemeine Berichte | 08.07.2026

Beim Wiederaufbau in Bad Neuenahr-Ahrweiler will die Stadt die Belastungen so gering wie möglich halten

„Bürokratische Hürden dürfen den Fortschritt nicht ausbremsen“

Herbert Wiemer (links) und Pascal Rowald an der Baustelle der neuen Kita Sankt Pius.  Foto: GS

Bad Neuenahr-Ahrweiler. „In unserer Stadt wird sichtbar, was gemeinsames Handeln bewirken kann“, sagt Pascal Rowald, seit dem 1. Juli Bürgermeister der Kreisstadt fünf Jahre nach der Flut. Im Wiederaufbau sei vieles gelungen, was zwischenzeitlich angesichts der enormen Herausforderungen kaum vorstellbar schien. „Darauf können wir als Stadt stolz sein: auf alle Menschen, die angepackt haben, Verantwortung übernommen und unterstützt haben – Bürger, Firmen, Verwaltung und Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (auEG).“ Zugleich sei klar, dass der Weg noch andauern wird: „Gerade im Straßenbau liegen jetzt große Aufgaben vor uns, die von allen noch einmal Geduld einfordern“, unterstrich Rowald bei einer Info-Tour. Denn in den kommenden Jahren werden auch Hauptverkehrsstraßen grundlegend saniert - mit Einschränkungen für den Verkehr als Folge. „Nach den Belastungen der vergangenen Jahre wünschen sich die Menschen in unserer Stadt verständlicherweise endlich Normalität. Deshalb bleibt unser Anspruch, die nächsten Schritte im Wiederaufbau verlässlich zu planen, transparent zu erklären und die Belastungen so gering wie möglich zu halten.“

Mehr als 1000 Einzelmaßnahmen

Infolge der Flut hat die Kreisstadt im Wiederaufbau von Infrastruktur und öffentlichen Einrichtungen ein Projektvolumen von insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro zu bewältigen. Der Maßnahmenplan umfasst mehr als 1000 Einzelvorhaben – von Brücken über Sportstätten bis zu Parkanlagen und dem Straßen- und Kanalnetz. Für alle Projekte sind die Förderanträge gestellt, bislang sind knapp 552 Millionen Euro bewilligt. „In der Umsetzung zeigt sich allerdings noch immer, dass einzelne Maßnahmen komplexer sind als zunächst angenommen. Zudem kosten lange Genehmigungsprozesse und zusätzliche Anträge Zeit und stellen uns immer wieder vor neue Herausforderungen“, so Rowald, der von Hermann-Josef Pelgrim und Herbert Wiemer von der AuEG sowie Nadine Wenigmann begleitet wurde.

Trotz dieser Hürden habe die Stadt in den vergangenen Monaten mehrere zentrale Projekte abschließen können: Die Heppinger Brücke ist seit Ende 2025 fertig, der Neubau der Bachemer Brücke (Freigabe im September) und der Landgrafenbrücke befindet sich auf der Zielgeraden. Fertiggestellt wurden unter anderem auch die Marktgarage in Ahrweiler, der erste Bauabschnitt der Innenstadt Bad Neuenahr sowie der Ahrtor-Friedhof mit der neuen Einsegnungshalle. Der Sportplatz Bachem ist fertig, für das Freizeitbad Twin soll zeitnah der Bauantrag gestellt werden, für die Ahr-Thermen sucht die Stadt einen privaten Betreiber. Und mit den neuen Feuerwehrhäusern in Ahrweiler und Heppingen entstehen moderne Standorte für die Einsatzkräfte.

Neben den vielen sichtbaren Wiederaufbauprojekten entwickelt sich Bad Neuenahr-Ahrweiler laut Rowald auch in anderen Bereichen positiv. Inzwischen leben wieder rund 29260 Menschen in der Stadt und damit fast so viele wie vor der Flut. Auch der Tourismus gewinnt weiter an Kraft: Die Übernachtungszahlen stiegen 2025 um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichten wieder 68 Prozent des Niveaus vor der Flut – trotz weiterhin fehlender Bettenkapazitäten. Im Kurpark zählt der Neubaukomplex mit Konzerthalle, Tourist-Information und Stadtbibliothek zu den größten Zukunftsprojekten der Stadt. Gemeinsam mit der entstehenden Heilwasser-Erlebniswelt setzt er neue Impulse für Bad Neuenahr-Ahrweiler als Kur-, Gesundheits- und Erlebnisstandort.

Eine besondere Chance sieht die Stadt in der Gewässerwiederherstellung. „Die Ahr war immer das Herz unserer Stadt. Sie soll künftig nicht nur sicherer, sondern auch wieder erlebbarer werden“, sagt Rowald. Das entsprechende Konzept verbinde Hochwasserschutz, ökologische Aufwertung und Lebensqualität. Breitere Flussbereiche, zusätzliche Retentionsflächen und angepasste Brücken sollen die Sicherheit erhöhen. Gleichzeitig entstehen entlang des Ufers neue Aufenthaltsorte. Und auch die historischen Parkanlagen werden klimaangepasst wiederhergestellt.

Weniger Bürokratie

Die Stadt formuliert weiterhin klare Forderungen an Land, Bund und Kreis: Dazu gehören vor allem ein beschleunigter überörtlicher Hochwasserschutz, schnellere Genehmigungen und einfachere Förderverfahren. Besonders müsse es zum Schutz der Unterlieger mehr Tempo bei den Rückhaltebecken am Oberlauf der Ahr geben. Rowald: „Gleichzeitig dürfen bürokratische Hürden den Fortschritt innerhalb der Stadt und darüber hinaus nicht ausbremsen.“

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe sind in der Stadt viele sichtbare Schäden beseitigt, doch lange nicht alle Belastungen verschwunden. „Für die Menschen gehören die Erinnerung und die außergewöhnlichen Herausforderungen des Wiederaufbaus weiterhin zum Alltag“, betont Rowald. Alle hätten in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, was möglich sei, wenn eine Stadt zusammenhalte. „Jetzt kommt es darauf an, den eingeschlagenen Weg konsequent und entschlossen weiterzugehen.“ GS

Am Mühlenteich in Ahrweiler gibt es zwar „Wasser für die Optik“, doch große Probleme bereitet ein Einsturz unter den Häusern der oberen Niederhut. Pelgrim: „Da müssen Bergbaufachleute ran.“ Foto: GS

Am Mühlenteich in Ahrweiler gibt es zwar „Wasser für die Optik“, doch große Probleme bereitet ein Einsturz unter den Häusern der oberen Niederhut. Pelgrim: „Da müssen Bergbaufachleute ran.“ Foto: GS

Herbert Wiemer (links) und Pascal Rowald an der Baustelle der neuen Kita Sankt Pius. Foto: GS

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