Allgemeine Berichte | 21.03.2018

Freiwillige Feuerwehr Gemeinde Wachtberg gibt Entwarnung

Das Feuer auf der Kompostieranlage Gimmersdorf ist endlich gelöscht

15.000 Kubikmeter Material waren am Karnevalsfreitag in Brand geraten – „Hydrothermale Karbonisierung“ war die Brandursache

Betriebsleiter Klaus Riebau (links) und Wehrleiter Markus Zettelmeyer begutachten den letzten noch glimmenden Brandherd auf der Kompostieranlage Gimmersdorf.  JOST

Gimmersdorf. „Das Feuer ist aus!“ Markus Zettelmeyer, der Wehrleiter der Gemeinde Wachtberg, ist ebenso wie Betriebsinhaber Klaus Riebau überaus erleichtert, dass nach langen fünf Wochen der Brand auf der Kompostieranlage Gimmersdorf endlich gelöscht ist. Bis auf eine ganz kleine Stelle, die am Mittag noch kokelte, aber bis zum Abend „definitiv aus ist“, wie Zettelmeyer versicherte. Damit gehe der bislang längste Einsatz in der Geschichte der Wachtberger Feuerwehr zu Ende. „Dabei können wir sogar noch froh sein, dass es schon nach fünf Wochen vorbei ist, andernorts hat das bei vergleichbaren Fällen wesentlich länger gedauert.“

Rückblick: Am Karnevalsfreitag, 9. Februar, wurde die Feuerwehr um 11.43 Uhr alarmiert: „Es brennt auf der Kompostieranlage!“ Vor Ort habe man dann festgestellt, dass eine 40 mal 60 Meter große und fast sechs Meter hohe Kompostmiete wohl wegen einer Selbstentzündung an mehreren Stellen gleichzeitig zu brennen begonnen habe. „Das bedeutet, dass 15.000 Kubikmeter Material brannten“, so Zettelmeyer. Mit solch einer Situation hatte die Wachtberger Feuerwehr bislang noch keine Erfahrungen gemacht, und auch bundesweit gab es nur wenige Informationen zum richtigen Vorgehen.

1,1 Millionen Liter Löschwasser wurden verbraucht

Der ursprüngliche Plan, den brennenden Teil vom noch intakten zu trennen, habe sich als nicht durchführbar erwiesen. Innerhalb der ersten 38 Stunden wurden 1,1 Millionen Liter Löschwasser verbraucht, die jedoch ohne nennenswerten Löscherfolg schlicht und einfach verdunstet seien. Ein Löschfahrzeug habe 38 Stunden ununterbrochen Wasser gepumpt, „doch das Wasser konnte erst gar nicht in den Komposthaufen eindringen, denn das aufgeschichtet Material wirkte wie ein Deckel, der den Brandherd abschottete.“

Man habe dann überlegt, das ganze Material einfach vom Brandherd zu entfernen und auseinanderzuziehen – aber dafür wäre eine 30.000 Quadratmeter große Fläche einen halben Meter hoch bedeckt worden, und eine solch große Fläche stand nirgends zur Verfügung. Auch das Ersticken des Feuers mit einem Schaummittel war nicht möglich, dafür hätte man mindestens 5000 Liter Konzentrat benötigt, was dann auch noch extrem umweltschädlich gewirkt hätte. Das damit behandelte Material hätte als Sondermüll entsorgt werden müssen, was wiederum Kosten in Millionenhöhe nach sich gezogen hätte, so Zettelmeyer.

Auch Fachfirmen konnten nichts gegen das Feuer ausrichten

Deshalb habe man sich letztlich dafür entschieden, den Komposthaufen kontrolliert abbrennen zu lassen. Auch die Experten aus der Siegburger Kreisverwaltung hätten dieses Vorgehen mangels Alternativen als sinnvoll bestätigt. Leider seien in der Folge auch die Versuche, die Brandentwicklung zu beschleunigen, aufgrund der Dichte und Undurchdringlichkeit des Materials gescheitert, bedauerte der Wehrleiter: „So paradox es ist, uns wäre es eigentlich lieber gewesen, wenn das Zeug besser brennen würde.“ Selbst mehrere Fachfirmen hätten mit speziellen Brandbekämpfungsmethoden nichts ausrichten können.

Nach rund 52 Stunden habe man den Einsatz der Feuerwehr vor Ort beendet, da keine weitere Gefahr bestand, dass sich der Brand auf die darüber hinwegführenden Hochspannungsleitungen sowie andere Bereiche der Kompostieranlage ausbreiten könnte. Betriebsinhaber Klaus Riebau habe mit seinen Mitarbeitern den Komposthaufen Kubikmeter für Kubikmeter auseinandergezogen, zerkleinert und währenddessen das Feuer peu à peu gelöscht. „Natürlich haben wir den Verlauf der Arbeiten zur Beseitigung des Brandes ständig überwacht, ich war praktisch jeden Tag hier vor Ort und habe mir die Situation angeschaut“, so Zettelmeyer. Er werde künftig wohl ein gefragter Mann bei Feuerwehrseminaren zum Thema „brennender Komposthaufen“ sein, schmunzelte er.

Qualm war für die Bevölkerung nicht gefährlich

Die Messungen des Landesumweltamtes zum Schadstoffgehalt der Rauchschwaden, die wochenlang aus der Kompostieranlage entwichen, habe erfreulicherweise ergeben, dass der Qualm für die Bevölkerung unschädlich sei. Schadstoffe habe man nicht ermitteln können. „Die Rauch- und Geruchsbelästigung war leider nicht zu vermeiden, da konnten wir auch nichts gegen machen“, bedauerte Zettelmeyer.

Brandursache sei wohl eine „hydrothermale Karbonisierung“ gewesen, erklärte Riebau: Wenn eine Biomasse stark verdichtet sei, dazu noch vom Sauerstoff abgeschlossen werde und ein bestimmter Feuchtigkeitsgehalt hinzukomme, steige die Temperatur mit einem Schlag von 50 auf 400 Grad an, und aus der Biomasse werde sofort Kohle. Im Normalfall dauere dieser Prozess in der Natur bis zu 50 Millionen Jahre, doch es gehe manchmal auch ganz schnell. Das könne man sogar zuhause nachahmen im Dampfkochtopf und dabei „Zauberkohle“ erhalten, so Riebau mit Hinweis auf entsprechende You-Tube-Videos. Dieser Prozess an sich sei noch nicht weiter tragisch, aber wenn dann wieder Sauerstoff hinzukomme, fange die so entstandene und immer noch über 400 Grad heiße Holzkohle Feuer. Und das sei hier der Fall gewesen.

Biomasse wird künftig auf drei Parzellen verteilt

Um eine Wiederholung zu vermeiden, werde man künftig die angelieferte Biomasse nicht mehr in einem einzigen großen Komposthaufen lagern, sondern auf drei Parzellen auf dem Gelände verteilen mit genügend Abstand dazwischen, erklärte Riebau. So könne man im Falle des Falles besser handeln, und es sei auch nicht gleich die ganze Kompostieranlage betroffen. Außerdem soll das Material künftig spätestens innerhalb von zwei Wochen verarbeitet sein, sodass eine längere Lagerzeit mit der damit einhergehenden größeren Verdichtung nicht mehr vorkommen könne. „Die Mengen sind dann beherrschbar“, bestätigte auch Zettelmeyer, der auch für die reibungslose Zusammenarbeit mit dem Unternehmen dankte.

Das nach dem Brand übrig gebliebene Kompostmaterial sei übrigens einwandfrei wiederverwertbar, so der Betriebsinhaber. Etwa als Holzbrennstoff für Biomassekraftwerke oder als mineralisches Baumaterial für Tiefbauarbeiten. Rein äußerlich sei der Unterschied zum „normalen“ Material ohnehin nicht zu erkennen.

Am Samstag, 21. April, kann sich übrigens jedermann davon überzeugen, dass auf der Kompostieranlage wieder alles in Ordnung ist. Dann lädt das Werk nämlich zum „Frühlingsfest“ anlässlich seines 25-jährigen Bestehens, dabei soll auch der Brand noch einmal für die Öffentlichkeit dokumentiert werden. Und ab sofort nimmt die Kompostieranlage auch wieder neues Material an. JOST

Betriebsleiter Klaus Riebau (links) und Wehrleiter Markus Zettelmeyer begutachten den letzten noch glimmenden Brandherd auf der Kompostieranlage Gimmersdorf. Foto: JOST

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