Allgemeine Berichte | 27.01.2016

Aus dem Jahresbericht des Rhein-Sieg-Kreises

Das Kreisarchiv als lebendiges Gedächtnis

Rhein-Sieg-Kreis. Langweilig wird es nicht, wenn die Fünft- und Sechstklässler der Gesamtschule Hennef-Meiersheide das Kreisarchiv im Siegburger Kreishaus beim „Archivrecherchetag“ erkunden. So geschieht es seit 2014 und fand auch wieder am 7. Mai und 17. September 2015 statt. Aufgrund des guten Erfolgs auch dieser Aktion im Rahmen der Initiative „Bildungspartner NRW – Archiv und Schule“ verlängerten Landrat Sebastian Schuster, Thomas Wagner, Schul- und Archivdezernent des Rhein-Sieg-Kreises, Kreisarchivarin Dr. Claudia Maria Arndt und Wolfgang Pelz, Leiter der Gesamtschule Hennef-Meiersheide, im September 2015 die erfolgreiche Zusammenarbeit um weitere zwei Jahre.

„Das Archiv des Rhein-Sieg-Kreises ist quasi ein lebendiges Gedächtnis des Rhein-Sieg-Kreises und seiner Städte und Gemeinden. Hier lernen die Schüler mehr über den fließenden Zusammenhang von Vergangenheit und Gegenwart und welche Bedeutung Herkunft und vergangene Ereignisse für das Leben heute haben können“, sagt Thomas Wagner, Archiv- und Schuldezernent des Rhein-Sieg-Kreises.

„Bei ihrem Ausflug ins Archiv lernen die Kinder, Texte zu verstehen, und sie können ihre Recherchekompetenz stärken – das ist gerade in Zeiten von Google und Wikipedia wichtig. Vor allem aber auch werden sie mit einem Archiv vertraut und können ihre Schwellenangst abbauen“, fasst Dr. Claudia Maria Arndt ihre Erfahrungen mit dem Projekt zusammen.

Dichternachlass ist jetzt öffentlich zugänglich

Eine andere Aufgabe konnte im Jahr 2015 abgeschlossen werden und nunmehr den Bürgern zugänglich gemacht werden: der Nachlass des Mundartdichters Emil Hundhausen. Vor 100 Jahren, 1915, in Windeck-Schladern an der Sieg geboren, versuchte sich der ausgebildete Zahntechnikermeister schon während seiner Kriegsgefangenschaft als Mundartdichter. Darüber hinaus beschäftigte er sich früh mit der Sammlung von Kulturgut seines Heimatortes Schladern und dem ehemaligen Amt Windeck. Jetzt kann der Nachlass des Heimatforschers eingesehen werden. Dieser besteht aus Büchern, Aufsätzen, Festschriften, Broschüren, Prospekten, Zeitschriften, Zeitungen und Zeitungsartikeln, Schallplatten, Karten, Bildmappen, Urkunden und Schriftverkehr sowie einer Foto- und Ansichtskartensammlung.

Hygiene-Set hilft kommunalen Archiven bei der Aktenerhaltung

Drei Änderungen in 2015 betrafen die Aktenarchivierung. So entwickelten die Mitarbeiter des Kreisarchivs ein sogenanntes Bewertungsmodell zur Archivierung von Personalakten. Dieses kann jetzt auch in den Kommunalarchiven des Rhein-Sieg-Kreises angewendet werden. Auch erhielt das Kreisarchiv zur Bestandserhaltung des Archivguts, als erstes Archiv im Rheinland, im November 2015 vom LVR Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) ein Hygiene-Set. Dieses beinhaltet einen Spezialstaubsauger und einem HEPA-Luftreiniger. Es kann von den Kommunalarchiven im Rhein-Sieg-Kreis ausgeliehen werden. Des Weiteren löste der Landschaftsverband Rheinland (LVR) im Rheinland alle Unterzentren zur Entsäuerung von Akten auf; auch das im Siegburger Kreisarchiv. Hier waren bis September 2015 die vom Papierzerfall bedrohten Akten für die sogenannte Massenentsäuerung vorbereitet werden. Die Entsäuerung selbst wird mittels eines aufwendigen Verfahrens im Auftrag der Archivberatungsstelle des LVR bei der Gesellschaft zur Sicherung von schriftlichem Kulturgut (GSK) in Brauweiler durchgeführt. Seit Oktober 2015 werden jetzt alle zur Entsäuerung vorgesehenen Akten vom Kreisarchiv zur Vorbereitung und zur Entsäuerung hierher gebracht. Dies bedeutet einen höheren finanziellen Aufwand und eine zeitliche Verzögerung, bis alle Akten entsäuert sind.

Rheinische Kreise feiern 200-jähriges Bestehen

„Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“: Dies gilt auch für das Jubiläumsjahr 2016, in dem „200 Jahre rheinische und westfälische Kreise“ gefeiert werden. Am 1.12.2015 war die gleichnamige Wanderausstellung zum Jubiläum durch Bernhard Nebe, Staatssekretär des NRW-Kommunalministeriums, in Düsseldorf eröffnet worden. Die Wanderausstellung und eine entsprechende Publikation waren durch den Arbeitskreis der Kreisarchive in Nordrhein-Westfalen (AKKA), vorbereitet worden; an diesem war Kreisarchivarin Dr. Claudia Maria Arndt als Mitglied des Redaktionsteams und Autorin beteiligt. Im Herbst 2016 soll die Wanderausstellung, ergänzt um regionale Aspekte, in Rheinbach und in Siegburg gezeigt werden.

Passend fügt es sich in das Jubiläumsjahr, dass der 50. Rheinische Archivtag im Siegburger Kreishaus stattfinden wird. Und zwar vom 2. bis 3. Juni; sein Titel lautet: „Verwaltung, Kultur, Wissenschaft – Facetten der Archive“.

Pressemitteilung des

Rhein-Sieg-Kreises

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