Zur Prunksitzung hatte die KG Dattenberg am Samstagabend ins Rööpe-Bürgerhaus eingeladen
Das Programm ließ die begeisterten Jecken auf den Stühlen tanzen
Dattenberg. Zu „Jecke Daddeberjer Saache, di me’r all zosamme maache“ hatte die 1936 gegründete Karnevalsgesellschaft KG aus dem Rööpeland um ihren Vorsitzenden Patrick Wehrmeijer und Sitzungspräsident Heinz Peter Schneider die Jecken am Samstagabend in das Bürgerhaus „Am schwarzen See“ eingeladen. Entsprechend närrisch kostümiert stürmte die Narrenschar denn auch das Dattenberger Gürzenich, darunter neben dem Hausherrn, Bürgermeister Dieter Runkel, und dem 1. Beigeordneten Stefan Betzing auch Pfarrer Lothar Anhalt und die Direktorin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation, Renate Pepper an der Spitze der KG-Senatoren, auf der von Literat Matthias Thür zusammengestellten Prunksitzung Fastelovend zu feiern.
Sie alle inklusive der Ehrenmitglieder der KG, des Linzer Elferrats um Kommandant Martin Flöck, der ewig jungen Möhnen um Marina Kurtenbach sowie der Band „Touché“ begrüßte Heinz Peter Schneider, nachdem er mit dem Elferrat, angeführt von den eisgekühlte Coca Cola ausschenkenden Tanzmäusen, eingezogen war. Da warteten als bewährte Eisbrecher die Mini Rööpe darauf, den Jecken als Leoparden zu erklären, dass der „Lions sleeps tonight in the mighty jungle“. Zu verdanken hatte die Jecken diesen Auftritt des jüngsten KG-Nachwuchses Daniela Kamper, die von der begeisterten Narrschar mit ihren niedlichen „Kätzchen“ Goldbärchen beladen mit viel Beifall verabschiedet wurde.
Dann waren die von den Gardistinnen Anja Birrenbach und Britta Huhn trainierten „Tanzmäuse“ um Melvin Gerolstein als „Hahn im Korb“ nicht mehr aufzuhalten. Ohne sein „jüngstes“ Vorstands-Mitglied, Hubert Edmunds, feierte auch die Rööpe KG nicht Fastelovend. Als „Der Jeck vun de Kirchstrooß“ stieg der Spätberufene zum ersten Mal in de Bütt, outete sich als Frauenversteher und als Wunderkind. Dabei hätte der Neubürger, der erst seit zwei Jahren im Ort wohnt, fast nicht kommen können, wenn er den Rat eines Arztes der Linzer Höhenklinik nicht befolgt und seinen „Hämmeriden“ nicht aus den Augen gelassen hätte. So aber konnte der Jeck den Narren immerhin erklären, was Politik ist.
Nach diesem akustischen Highlight freuten sich die Jecken mit dem Auftritt von „Rööpe Underground“ schon auf ein optisches Highlight. Aber die Männer um „Ralle“ Michels waren offensichtlich in die Jahre gekommen, sodass sie von ihren Trainerinnen Ute Wagner und Margit Schwips für einen „Riverdance“ aber eben „op Kölsch“ fit gemacht wurden. Für den konnten die Akteure an einem langen Tisch Platz nehmen, an dem sie ein Köbes solange auf ein Kölsch warten ließ, dass sie ihre Stängelchen im Wechsel mit ihren Händen als Rhythmus-Instrumente nutzten und so ganz ohne Trömmelche und Knüppelche den Linzer BlaWiTros Konkurrenz machten, vor allem als dann auch noch der Sitzungspräsident höchst persönlich, wenn auch einige Male mit Verzögerung, ins Geschehen eingriff.
Voll gespickt mit großen und kleinen Dorf-Malheurchen war wieder der traditionelle Jahresrückblick von „Protokollarius“ Willi Simons. Mit dem „Schnäuzertempel“ begann er seine Rööpe-News. „Wenn schon keine Kneipe im Ort, dann wenigstens en Tempel“, erinnerte er an Zeiten, in denen ein Mann ohne Schnürres nicht richtig angezogen war, bevor er sich der Ampel an der Steigung der Großbaustelle K10, dem verschobenen „Burchfest“ und dem Dorfweihnachtsbaum widmete. Für den biete er „sich auf jeden Fall als lebende Krippenfigur im Stall“ an, versprach der seit über zwei Jahrzehnten aktive Protokollarius, bevor Gäste aus dem Süden die Bühne eroberten.
Mit schmissigen Showtänzen zu fetziger Discomusik begeisterten die „Rheinlichter“, eine kurzfristige Fusion aus den ehemaligen „Tanzbärchen“ Rheinbrohl und dem Ariendorfer „Tanzwerk“ die Jecken im Saal, bevor aus Linz die Roten Husaren um ihren Vorsitzenden Bernd Berg und Rittmeister Wolfgang Steiger, dem Initiator und Leiter der Gruppe „Blechjedöns“ um Dominik Arz Einzug hielten. Mit dem „Kölsche Jung“ rissen sie auch den Letzten der Narrenschar mit ihrem Kölsch-Mix von den Stühlen.
„Dat war phänomenal“, jubelte Heinz-Peter Schneider, dem lautstark geäußerten Wunsch der Narrenschar nach einer Zugabe konnte er jedoch nicht nachkommen, war man doch schon längst über die angesetzte Zeit hinausgekommen. Und zog die rote Truppe schnell aus, um dem Vater ihrer Kommandeuse Verena Kremer Platz zu machen, zog Paul III. doch nicht nur mit seinen Adjutanten Michael Degen und Johannes Euskirchen sowie der Präsidentin der Großen Linzer KG, Yvonne Adams-van Beek, ein. Eskortiert wurde das Linzer Dreigestirn von den Linzer Stadtsoldaten um Kommandant Marcus Paffhausen samt dem von Markus Mollberg geleiteten Musikzug. „Es war ein tolles Gefühl durch den Saal he op de Bühn zu ziehen, wo ich 30 Jahre lang Musik jemacht hab“, grüßte der Fanfaren-Prinz die Rööpe-Jecken. Und die sangen gleich begeistert sein Prinzenlied mit.
Als dann auch noch das Tanzpaar, Svenja Müller und Sebastian Mesenholl, als echte „Domstürmer“ erklärten: „Nur du bist meine Liebe, meine Stadt un mein Verein. Ich bleib dir ewig treu, ich lass dich nie allein“, hielt es keine mehr auf den Sitzen. In seinen Grundfesten erschüttert wurde das Bürgerhaus dann sogar, als Markus Paffhausen die „schönsten Männer von Linz“ mit einem Hit von Bruno Mars ins Rennen schickte, bevor die staatsen Kääls als „Jespenster“ versprachen: „Jetzt jeiht et loss, jetzt jeiht et aff, mer sin de Könije dä Naach!“ Damit aber noch lange nicht genug. Denn schon präsentierten die „alten Herren“ auf Befehl von Ehrenkommandant Siggi Bündgen „de Kabüs, de Zahabele und den Suppenlöffele“. Der Stippeföttchensdanz stand an, zu dem sich selbst Prinz Paul III. einreihen musste, während sogar et „I-Wönnche“ wenn auch hinter den Reihen mitwibbelte. Nach dieser kurzen Erholungspause heizte der 33-jährige Musikzug unter der Regie von Frontman Janic Burkard den Jecken erneut mächtig ein, was die Stadtsoldaten samt Prinz und Adjutanten trotz der Enge auf der Bühne sofort zu einer Polonaise verleitete.
„Nach diesem Super-Super-Auftritt sind wir schon ne halbe Stunde in Verzuch“, entschuldigte sich der Präsident bei der heimische Musikgruppe „MacheMer“, die seit Jahren ein gern gesehener Gast auf der Rööpe-Sitzung ist. Zu der Stimmung trugen dann auch noch die „Burggarde“ der Siegburger Musketiere, der Büttenredner, der „Kölner Landmetzger“, und der Comedy-Tiger von Glachau/Zwickau „Edno Bommel“ bei, bevor die Tanzgarde lange nach Mitternacht einen schwungvollne Schlussstrich unter eine Prunksitzung zog, die diese Bezeichnung wieder einmal mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen konnte.
DL
