Allgemeine Berichte | 15.12.2017

Eine Weihnachtsgeschichte

Das Puppenhaus

Von Monika Niessen

Remagen. Luise Degenhard verließ ihr Elternhaus, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hatte, ohne sich noch einmal umzuschauen.

Drei Jahre hatte Luise sich gegen diesen Tag gewehrt, aber nach ihrem Sturz konnte sie ihre rechte Seite nur noch eingeschränkt bewegen. Ihr Neffe riet ihr zum Umzug ins örtliche Seniorenheim. Sie wollte zunächst nichts davon hören, war aber dankbar, dass er eine Haushaltshilfe für sie einstellte. Tina erwies sich als Glücksfall. Sie konnte einfach alles!

Ohne ihre Hilfe hätte Luise nicht so lange im Haus bleiben können. Darum beschloss sie, dass Tina ihr Puppenhaus haben sollte. Die junge Frau wollte ihr Geschenk gar nicht annehmen, hatte Luise ihr doch erzählt, wie viel ihr das Puppenhaus bedeutete.

Es war eine Gründerzeit-Villa, die ihr Großvater zu Weihnachten 1900 für seine einzige Tochter, Leises Mutter herstellen ließ. Ein Meter hoch und geschlossen aussehend wie ein Schrankkoffer mit Türmchen, benötigte es viel Platz, wenn es geöffnet wurde.

Jedes Jahr, zu Weihnachten stand es neben dem Christbaum. Zur Bescherung nahm Leises Großvater einen Schlüssel zur Hand, öffnete die rechte Seite, die ein wunderschönes Treppenhaus enthielt, das vom Kellergeschoß über die Küchenräume im Parterre, die Beletage mit ihrer Terrasse, zu den Schlafräumen führte. Es endete im Dachtürmchen. Nach den Feiertagen wurde das Haus wieder verschlossen und auf dem Dachboden verstaut.

Hier holte Tina das Haus mit Hilfe ihres Neffen im Sommer herunter. Der Neffe war an dem Haus nicht interessiert. Er meinte scherzhaft, dass Tina das Haus renovieren müsse, die Bewohner hätten es nicht gepflegt. Tina versprach sich darum zu kümmern und Luise später Fotos zu zeigen. So sehr Luise der Tina das Haus gönnte, es war bitter für sie. Dass sie von den Möbeln ihrer Eltern, mit denen sie bisher gelebt hatte, nichts mitnehmen konnte, berührte sie nicht so sehr, wie der Verlust des Puppenhauses.

Sie überließ die Einrichtung ihrer neuen Seniorenwohnung ihrem Neffen und seiner Frau. Tina hatte alles was sie unbedingt benötigte für sie zusammengepackt und in die Wohnung gebracht. Luise reichte es, dass sie umziehen musste. Während der Fahrt zu ihrem neuen Domizil wurde ihr immer beklommener zumute. Warum konnte sie nicht bis zu ihrem Ende in ihrem Elternhaus bleiben? Sie war dort geboren, hatte ihr berufliches Leben als Sprechstundenhilfe ihres Vaters und später ihres Bruders dort verbracht. Heiraten wollte sie nie.

Inzwischen kamen sie bei der Seniorenresidenz an. Mit ihrem Rollator, begleitet von ihrem Neffen, ging sie, nach kurzer Begrüßung durch die Leitung des Hauses, zu ihrer neuen Wohnung. Sie war nicht neugierig, es war ihr ganz egal, wie es dort drinnen aussah.

Die Tür öffnete sich, sie trat ein und nahm einen Duft von Zimt und anderen Gewürzen, die schon sehr an Weihnachten erinnerten, wahr. Dann sah sie ihr Puppenhaus! Sie hatte geglaubt, in dieser Wohnung sei kein Platz, aber dort, wo eine große Kommode mit einem Fernseher darauf stehen sollte, stand ihre Gründerzeitvilla, frisch gestrichen und tapeziert.

Den Rest der Wohnung nahm sie erst später wahr. Hier konnte sie sich wohlfühlen. Das Haus sollte für den Rest ihres Lebens so stehen bleiben.

Nie hätte Luise geglaubt, dass sie sich in ihrer Wohnung so heimisch fühlen würde. Die anderen Bewohner begrüßten sie und bewunderten das schöne Puppenhaus. So verging der Advent.

Am Heiligen Abend traf Tina vormittags bei ihr ein, während Luise im Restaurant frühstückte, wollte sie ihre Wohnung ein wenig weihnachtlich herrichten. Sie ließ sich Zeit, wollte Tina nicht in den Füssen stehen. Ihr Neffe und seine Frau trafen ein, um sie zu ihrer häuslichen Feier abzuholen. Sie gingen mit ihr zu ihrer Wohnung, öffneten die Tür und sahen ein wunderschön dekoriertes Zimmer. Aber am allerschönsten war das Puppenhaus mit je einem kleinen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer und auf der Terrasse der Beletage und Girlanden am Treppengelände. Viele kleine Lämpchen beleuchteten das Haus. Es hatte nie schöner ausgesehen.

Sie schaute sich das Wohnzimmer ihres Puppenhauses noch einmal genauer an und entdeckte - eine kleine Krippe!

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