25 Jahre Raderlebnistag „Jedem sayn Tal“
Das idyllische Sayntal beeindruckt Einheimische und prominente Gäste
Ministerpräsidentin Malu Dreyer nahm am Jubiläums-Raderlebnistag zwischen Selters und Bendorf teil – Tolle Aktionen und Angebote entlang der Strecke – Deesen lädt zu Jubiläums-Theater ein
Selters/Deesen/Kausen/ISenburg/Bendorf. Rad fahrende Menschen sehen glücklicher aus als Autofahrer. Das fällt besonders auf an Tagen wie am Sonntag, wo das Sayntal zwischen Selters und Bendorf wieder jedem (Radfahrer und Skater) gehörte und das Motto deshalb wieder lautete „Jedem sayn Tal“.
Schon seit einem viertel Jahrhundert haben nicht-motorisierte Gefährte einmal im Jahr auf der L304 freie Fahrt, was von tausenden Menschen jeglichen Alters gerne genutzt wird. Die Orte entlang der Straße bereiten sich mit Kulinarischem und Unterhaltung auf den großen Ansturm vor, in Selters, Ellenhausen, Deesen, Breitenau, Kausen, Isenburg und in Bendorf-Sayn. Veranstalter sind die Verbandsgemeinden Selters, Ransbach-Baumbach, Dierdorf und die Stadt Bendorf.
Hoher Besuch konnte von der Idylle überzeugt werden
Weil „Jedem sayn Tal“ seinen Jubiläums-Geburtstag feierte, 1993 fand es zum ersten Mal statt, beehrte diesmal die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer den Raderlebnistag. Zusammen mit ihrem Gatten und in Begleitung von Freunden und den Verwaltungs-Spitzen der Region genoss die erste Frau des Landes die Fahrt auf dem Tandem durchs romantische Sayntal. Ihren Besuch hatte die Ministerpräsidentin relativ kurzfristig, vier Tage vor der Veranstaltung, bekannt gegeben. Eigentlich hatte sie auch nur von Selters bis nach Kausen fahren wollen. Scheinbar gefiel ihr das Radeln entlang des Saynbachs aber so gut, dass sie die Fahrt kurzerhand bis nach Bendorf verlängerte. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und in Windeseile bereiteten sich die Veranstalter in den Orten hinter Kausen – Isenburg und Bendorf-Sayn – auf das Eintreffen der Regierungs-Chefin vor.
Selters zeigt sich von seiner herzhaften Seite
In Selters hatte der Raderlebnistag um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Fahrradgottesdienst auf dem Marktplatz begonnen. Die Stadt feierte die Jubiläumsveranstaltung mit einem verkaufsoffenen Sonntag und einem durch die Saynstraße sich ziehenden Flohmarkt. Im Festzelt spielten der Maxsainer Musikverein und die Jazzband „Schräglage“. Das Fitnessstudio „Optimum“ zeigte Vorführungen und die Jugendpflege hatte einen Bauwagen zum Spielen für Kinder aufgestellt. Wegen des besonderen Anlasses gab es ein Gewinnspiel mit einem Gutschein für ein Fahrrad im Wert von 1.500 Euro, zweiter Preis ein Fahrrad für 1.200 Euro. In Ellenhausen bot der Radsportvertrieb Ditmar Bayer einen Fahrradservice an und Kinder konnten basteln. Hier wie an allen anderen Stationen wurden die Radfahrer und Skater aufs Feinste mit regionalen Spezialitäten verwöhnt, sodass sicherlich niemand vor Schwäche vom Rad fallen musste. In Ellenhausen wurde Fleischkäse serviert, in Deesen Forellen von den Angelfreunden Haiderbach, in Kausen der legendäre Deppekuchen, mit dem das Dorf mal ins Guinessbuch der Rekorde kam, und in Bendorf-Sayn hausgemachter Kuchen von den „Sääner Pänz“ der KG Sayn.
800 Jahre Deesen: Das große Fest naht
In Deesen erfuhren die Radfahrer viel über das bevorstehende große Fest zum 800-jährigen Bestehen des Ortes. Ortsbürgermeister Klemens Lahr erklärt: „Wir vom Freilicht-Theater am Lindenberg führen an drei Abenden das historische Stück ‚Schinderhannes‘, geschrieben von Pfarrer Wilhelm Reuter auf. Außerdem haben wir eine 700-seitige Chronik erstellen lassen sowie aus Anlass unseres Jubiläums eine limitierte Auflage eines speziellen Pflaumenlikörs rein aus Deesener Früchten herstellen lassen. Davon ist aber schon fast alles verkauft.“
Das Jubiläum mit den drei Theaterabenden und historischen Vorführungen alter Landwirtschaftstechniken findet am 17., 18. und 19. August statt. Vor über 80 Jahren, 1937, wurde das damals „Schinnerhannes“ genannte Stück des Breitenauer Pfarrers und Mundartdichters Wilhelm Reuter in Wittgert das letzte Mal aufgeführt. In Deesen hatten rastende Radfahrer die Möglichkeit, in dem von Axel Holls Süddeutschen Kaltblütern gezogenen Planwagen eine Runde zu drehen.
Last-Minute-Empfang für die nette Ministerpräsidentin
In Bendorf-Sayn kam Magret Heinrich von der Tourist-Info die Aufgabe zu, den Empfang der Ministerpräsidentin schnell zu organisieren. Sie sagt: „Gegen 13.30 Uhr kamen Frau Dreyer und ihr Mann auf dem Tandem angefahren. Das hat uns sehr gefreut, besonders weil wir mit ihrem Besuch gar nicht gerechnet hatten. Unser Erster Beigeordneter Bernhard Wiemer hatte Frau Dreyer begleitet. Über ihn und seine Frau hier in Sayn haben wir dann die Information bekommen, dass die Ministerpräsidentin bis zu uns fährt. Aber wir hatten gar keine Zeit mehr, etwas vorzubereiten, so schnell ging das alles. Frau Dreyer war sehr nett, hat sich mit Leuten unterhalten und Fotos gemacht, sich mit den Musikern vom Musikverein Bendorf-Stromberg unterhalten und dann noch den Schmetterlingsgarten besichtigt. Zwar war die Fürstin selbst nicht da, sie hatte aber schnell ihren Sohn Prinz Kasimir informiert, der die Ministerpräsidentin dann empfangen hat. Für uns war es eine sehr schöne Überraschung und wir haben uns sehr gefreut. Wie ich erfahren habe, hat Malu Dreyer in diesem Jahr zwei Raderlebnistage in Rheinland-Pfalz zum Mitmachen ausgesucht, einer davon waren wir.“
In Sayn hat wieder die Firma Wegner Radsporttechnik kleine Pannen behoben, die KG Sayn servierte Kaffee und Kuchen neben dem privat betriebenen Biergarten und Restaurant „Sayner Scheune“. In Selbigem klang der schöne Tag für viele in Selters gestartete Radfahrer beim WM-Public-Viewing aus. Mit einem leider nicht so schönen Auftakt der deutschen Fußballnationalmannschaft.
In Deesen wurden die Radfahrer und Skater von der Chorgemeinschaft Haiderbach bewirtet.
Radfahrer und Skater sind fast immer gut gelaunt – das konnte man wieder beim Erlebnistag im Sayntal beobachten.
Auch im Schlepptau von Papa ließ sich die Fahrt durchs Sayntal herrlich genießen.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer schnitt in Kausen die Deutschland-Torte an. VG-Bürgermeister Horst Rasbach (links) und Ortsvorsteher Detlev Roth (2. von rechts) assistierten. Eigentlich wäre die Fahrt für die Landeschefin hier geendet, doch sie entschloss sich spontan, bis Bendorf weiterzufahren. Fotos: KER
Einen leckeren Pflaumenlikör haben die Deesener aus eigenen Früchten Brennen lassen – leider sind schon fast alle limitierten Flaschen verkauft.
Verkaufsoffener Sonntag und ein großer Trödelmarkt in der Saynstraße: In Selters war den ganzen Tag lang viel los.
In Selters hatte der Jubiläums-Raderlebnistag mit einem Gottesdienst begonnen. Anschließend gab es hier Kulinarisches, Trödel und Musik, unter anderem vom Maxsainer Musikverein.
Von der „Rentnerband“ aus Ochtendung ließ sich diese lustige Gruppe zu einem Tänzchen auf der Straße in Kausen inspirieren.
