Allgemeine Berichte | 21.08.2019, 15:56 Uhr

Kirmes in Züllighoven

Das zweitkleinste Dorf feierte das größte Fest in der Gemeinde Wachtberg

Drei Tage lang wurde rund um das 1000-Mann-Zelt am Ortsrand ordentlich gefeiert, getanzt und gesungen

Ein Platzkonzert gab der Spielmannszug „Rheinklänge“ Remagen im Festzelt bei der Kirmes in Züllighoven. Fotos: JOST
454

Züllighoven. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Zuspruch, den unsere außergewöhnlich große Kirmes gefunden hat – aber jedes Jahr können wir so einen Aufwand nicht betreiben“, zeigte sich Helmut Paterno erleichtert, dass die dreitägige Großveranstaltung im riesigen Festzelt am Ortsrand von Züllighoven von und so vielen Gästen angenommen worden war. „Wir haben sogar wahrscheinlich eine schwarze Null geschrieben“, freute sich der Vorsitzende des Ortsvereins Züllighoven darüber, dass die hohen Ausgaben auch wieder reingekommen waren.

Denn eine derartig große Kirmes im zweitkleinsten Wachtberger Dorf hatte es zuletzt 1986 gegeben, auch damals ein unvergessliches Erlebnis. Anlässlich des 50. Geburtstags der Gemeinde Wachtberg hatten die Vereinsmitglieder Alex Merzbach und Mark Hochgürtel die Idee, noch einmal ein solches Fest auf die Beine zu stellen und das Vorhaben auch mit Unterstützung des 70 Mitglieder starken Vereins auch umgesetzt. Wenn auch die Hauptlast der Arbeit und Verantwortung auf den Schultern des zehnköpfige Orgateams lag.

Kölner Karnevalshits und Mundartkracher

Los ging es schon am Freitagabend mit einer sehr gut besuchten „After Work Party“ mit DJ Nycco, bei der bis in die frühen Morgenstunden hinein getanzt, gefeiert und gesungen wurde. Und das anscheinend derart laut, dass aus dem benachbarten Berkum die Polizei wegen angeblicher Ruhestörung in Marsch gesetzt wurde, vor Ort aber feststellte, dass alles im grünen Bereich war. Noch ausgelassener war die Stimmung am Samstagabend beim Auftritt der „Karobuben“, die als Einheizer das Publikum mit ihren großartigen Versionen bekannter Kölner Karnevalshits ordentlich vorglühten. „Kumm, schmieß der Jang rinn, Andy. Diss Naach ess alles drin!“, so lautete schließlich das Motto, mit dem die bekannte BAP-Coverband MAM die Hits der Kölner Supergruppe fast originalgetreu in das 1000-Mann-Zeit feuerte.

Schon am Nachmittag hatte Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) gemeinsam mit Vizebürgermeister und Ortsvertretungs-Chef Paul Lägel (SPD) sowie dem Ortsvereins-Vorsitzenden Helmut Paterno und Geschäftsführer Siegfried Vogel die Kirmes mit dem Fassanstich offiziell eröffnet. Die Bürgermeisterin schnitt gleich darauf eine Torte an, die Ursula Weerenbeck mit Fotomotiven aus dem Drachenfelser Ländchen Auftrag gegeben hatte. Offergeld war es auch, die am Sonntagnachmittag als Glücksfee den Hauptgewinn bei der großen Tombola zugunsten der Einrichtung „Move“ zog und damit den offiziellen Teil der Kirmes beendete.

Hauptpreis ging in die Ferne

Der Hauptpreis ging übrigens nach Schöppingen bei Münster, denn von dort war der Kegelclub „Hau wech den Drech“ Eggerode mit neun Mann und einer Frau zufällig bei der Züllighovener Kirmes gelandet und hatten als Dauergäste in den drei Tagen unzählige Freundschaften geschlossen. Unter anderem mit dem Junggesellenverein Lannesdorf, mit dessen Mitgliedern sich die feierfreudigen Kegler lustige Wettbewerbe an den Wurf- und Spielbuden, im Menschenkicker und beim Wettnageln lieferten.

Neben dem Ponyreiten und Entenangeln interessierten sich nicht nur die Kinder für die sehenswerte Ausstellung von historischen Traktoren und PS-starken Rennfahrzeugen am Rande der Kirmeswiese. Der Godesberger Motorclub hatte nämlich nicht nur seinen überlangen VW-Käfer als Cocktailbar zur Verfügung gestellt, sondern zeigte auch drei sehr erfolgreiche Rundstrecken-Rennautos wie einen VW Golf I sowie zwei Ex Cup Seat Leon. Die Traktorfreunde Rheinbach waren mit einem Dutzend mehr oder weniger betagte Trecker vorgefahren, auf denen so mancher Nachwuchs-Treckerfahrer gerne einmal Probe sitzen durfte. Eine kleine Schar Schaulustiger wurde Zeuge, wie Klaus Schröder seinen Lanz Bulldog aus dem Jahr 1940 mithilfe einer Lötlampe unter dem Glühkopf und mit dem riesigen Lenkrad als Anlasserkurbel lostuckern ließ. „Damals war Traktorfahren noch echte Arbeit“, lauteten die Kommentare einiger Nostalgiker.

Dorfhymne „Züllighoven klein“

Der Sonntagmorgen hatte mit einem evangelischen Wortgottesdienst begonnen, bei dem Dechant Dr. Diethard Römheld den kurz für den erkrankten Priesterkollegen vertrat. Teils lustig, teils besinnlich waren die musikalischen Darbietungen des bekannten „Eifeltroubadors“ Günter Hochgürtel , der erstaunlicherweise weder verwandt noch verschwägert ist mit der bekannten Züllighovener Familie Hochgürtel. Im Anschluss ließ es sich das Orgateam der Züllighovener Kirmes nicht nehmen, die einzigartige Dorfhymne „Züllighoven klein“ vorzutragen. Geschrieben hatte der Berkumer Spediteur Anton Meyers das Lied in den 1950er Jahren, eine Melodie hatte sich dann später „dazu gesellt“, wie sich Paul Lägel erinnerte. Doch diese war nur noch dem Züllighovener Urgestein Franz Schmitz bekannt. „In den Proben versuchte Hans Schmitz, uns die „Töne beizubringen, was auch leidlich gelungen ist“, schmunzelte Vizebürgermeister. Mit Franz Schmitz an der Gitarre stimmte der Orgachor die Hymne an, und viele Einheimische fielen spontan mit ein. Das gefiel den Veranstaltern so gut, dass man die Gesangseinlage in Zukunft häufiger bringen möchte. Eine Kirmes in dieser Dimension werde es aber frühestens in fünf Jahren wieder geben, machte Paterno unmissverständlich klar. JOST

Ein Platzkonzert gab der Spielmannszug „Rheinklänge“ Remagen im Festzelt bei der Kirmes in Züllighoven. Fotos: JOST
Das Ponyreiten war ebenso beliebt wie die Traktorausstellung am Rande der Kirmes in Züllighoven.

Das Ponyreiten war ebenso beliebt wie die Traktorausstellung am Rande der Kirmes in Züllighoven. Foto: Volker Jost

Der Junggesellenverein Leimersdorf und der Kegelclub „Hau wech den Drech“ Eggerode stellten sich dem Wettnageln bei der Kirmes in Züllighoven.

Der Junggesellenverein Leimersdorf und der Kegelclub „Hau wech den Drech“ Eggerode stellten sich dem Wettnageln bei der Kirmes in Züllighoven. Foto: Volker Jost

Ein Platzkonzert gab der Spielmannszug „Rheinklänge“ Remagen im Festzelt bei der Kirmes in Züllighoven. Fotos: JOST Foto: Volker Jost

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Bereit für den Ernstfall: die DRK-Wasserwacht Bad Breisig übte auf dem Rhein vom Boot aus die Rettung von Personen im Wasser.  Foto: Astrid Zens / DRK-Kreisverband Ahrweiler e.V.
10

Bad Breisig. Retten, ausbilden, vorsorgen: Die Wasserwacht des DRK-Ortsvereins Bad Breisig engagiert sich mit viel Herzblut für die Sicherheit am und auf dem Wasser. Von der Schwimmausbildung für Kinder über den Wasserrettungsdienst bis zur Nachwuchsförderung leisten die Ehrenamtlichen einen wichtigen Beitrag für die Menschen in der Region.

Weiterlesen

Die L82 bei Sinzig-Franken: Hier herrscht Tempo 50. Foto: ROB
112

Sinzig. Ein neues Thema für den BLICK aktuell-HeimatCheck: Auf der L82 im Bereich zwischen Franken und der Breisiger Straße sorgt das Thema Geschwindigkeit für Diskussionen. Dort gilt mittlerweile Tempo 50. Wer sich konsequent an das Tempolimit hält, berichtet jedoch immer wieder davon, dass andere Verkehrsteilnehmer dicht auffahren oder versuchen zu überholen. Für die Anwohner geht es dabei nicht nur um das eigene Fahrgefühl.

Weiterlesen

Dr. Thomas Dyong, Vorsitzender des Fördervereins Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V. stand Rede und Antwort zu den Fragen von BLICK aktuell
9

Andernach/Pellenz. Was bedeutet Hospizarbeit eigentlich? Wer kann sie in Anspruch nehmen und wie kann man sich selbst engagieren? Seit mehr als 25 Jahren begleitet die Hospizarbeit der Stiftung Kirchliche Sozialstation schwerkranke und sterbende Menschen in Andernach und der Pellenz. Unterstützt wird sie dabei vom Förderverein Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Imageanzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Heimat aktiv erleben, Kreis AW
Heimat aktiv AW
Heimat aktiv AW
Halloweenfest mit den Bezaubernden Hexen Bölingen am 31.10.26
Weitere Artikel
Auch beim diesjährigen Knuspermarkt wird das schnucklige Riesenrad wieder ein echter Blickfang sein.
819

Neuwied. Eine Prise Zimt in der Luft, dort ein bisschen Zuckerguss und ganz viel Lebkuchen-Zauber: In der Vorweihnachtszeit wird in der Deichstadt wieder geknuspert. Denn der Knuspermarkt – Neuwieds Weihnachtsmarkt – lockt von Freitag, 20. November, bis Mittwoch, 23. Dezember, wieder auf den Luisenplatz in der Neuwieder Innenstadt. Mit Ausnahme von Totensonntag am 22. November hat der Knuspermarkt täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

Weiterlesen

Symbolbild.
3304

Zeugen retten bewusstlosen Fahrer - Reanimationsversuche scheitern

Tragischer Unfall in Heppingen: Autofahrer stirbt nach Kollision

Bad Neuenahr-Ahrweiler. In Bad Neuenahr-Ahrweiler ereignete sich am heutigen Mittag ein schwerer Verkehrsunfall in Heppingen. Ein 64-jähriger Autofahrer verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte gegen einen Stromverteilerkasten sowie eine Hauswand. Zeugen vor Ort zogen den bewusstlosen Fahrer aus dem Auto. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen erlag der Mann im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Weiterlesen