Veranstaltung der Ökumenischen Hospizgruppe e.V. in Meckenheim
Demenz – ein Symptom macht noch keine Krankheit
Brigitta Lengsholz gab Informationen zum Umgang des persönlichen Umfelds mit Erkrankung und Erkrankten
Meckenheim. Sprachschwierigkeiten? Orientierungsstörungen? Verhaltensveränderung? Gedächtnislücken sind – besonders im Alter – normal. Und da die Bevölkerung immer älter wird, gibt es auch immer mehr Menschen mit Gedächtnisstörungen. Alle Symptome einer Demenzerkrankung können auch andere Ursachen – zum Beispiel Stress – haben. Daher ist eine umfassende Diagnostik notwendig. Leider gibt es bisher keinen isolierten „Demenztest“. Wenn der Verdacht aufkommt, dass eine Demenzerkrankung vorliegt, ist es wichtig, möglichst schnell Klarheit zu bekommen, denn wer früh handelt, hat gute Chancen, den Verlauf zu verzögern.
Die häufigste Art einer Demenz ist mit 50 Prozent die Alzheimer-Erkrankung. Die Risikofaktoren sind unter anderem Übergewicht, Ernährung, Bewegungsmangel und mangelnde soziale Kontakte. Die Behandlung zielt auf die Symptome ab. Es fließen außer Medikamenten auch Maßnahmen wie Ergotherapie und Gedächtnistraining ein, denn es ist sinnvoll, Kompetenzen zu erhalten. Ziel jeder Behandlung ist es auch immer, „den Tagen mehr Leben“ zu geben. Eine solche Erkrankung hat nicht nur Auswirkungen auf den Erkrankten, sondern auch auf das soziale Umfeld. Immer wieder das Gleiche zu erklären, gefährliche Situationen, weil der Erkrankte keine Orientierung mehr hat und mit falschen Anschuldigungen umzugehen kann auf Dauer zermürbend sein. Aber wer sich auf Spurensuche und in die Erlebniswelt des Erkrankten begibt, findet manchmal überraschend gute Erklärungen und Lösungen. So können Spiegel den Eindruck erzeugen, es sei ein fremder Mensch in der Wohnung, wenn der Erkrankte sich selbst nicht mehr erkennt, weil sein Erinnerungsvermögen gerade in seiner Jugend liegt und er keine Verbindung zu dem Gesicht eines alten Menschen findet. Da ist die Lösung noch einfach. Aber was ist, wenn der Betreute nicht mehr essen oder trinken möchten? Magensonde und Flüssigkeitstropf sind keine gute Lösung. Es macht Sinn, zunächst zu klären, ob der Körper überhaupt noch etwas verwerten kann. In der Pflege eines Angehörigen sollte es immer mehr darum gehen eine schöne gemeinsame Zeit zu haben und nicht für gesteckte Ziele, wie zum Beispiel zwei Liter Flüssigkeit pro Tag, zu kämpfen.
Die Ökumenische Hospizgruppe e.V. hatte Brigitta Lengsholz, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie stellvertretende Leiterin der Ambulanz der gerontopsychiatrischen Abteilung der LVR-Klinik Bonn, zu dem Thema „Was Sie immer schon mal über Demenz wissen wollten“ nach Meckenheim in den Pfarrsaal von St. Johannes der Täufer eingeladen. Dieter Engels (stellvertretender Vorsitzender) begrüßte Lengsholz und stellte den Anwesenden die Arbeit der Hospizgruppe vor. An die 120 interessierte Besucher gingen mit der Referentin in eine rege Kommunikation und spenden am Ende reichlich Applaus. „Ein toller Vortrag. Die Frau ist spitze“, fasste es ein Besucher zusammen.
Informationen zum Verein unter www.hospiz-voreifel.de.
Die Referentin erläutert die Auswirkungen einer Demenz-Erkrankung im Gehirn.
