Islamwissenschaftler diskutieren in der Remagener Buchhandlung Geber
„Den“ Islam gibt es nicht
Remagen. Der neue Gazakrieg war erst zwei Tage alt, als in der Buchhandlung Geber in Remagen die beiden Ethnologen und Islamwissenschaftler Jürgen Wasim Fremgen (München) und Frank Bliss (Remagen) sich zum Thema „Gibt es den Islam?“ dem Publikum stellten. Eine Veranstaltung, die im Rahmen des Bundesprograms „Demokratie leben“ durch den Remagener Arbeitskreis für entwicklungspolitische BiIdung (AeB) durchgeführt wurde.
Frembgen, langjähriger Kustos am Völkerkundemuseum München der Islamabteilung und Professor an der Universität München, berichtete über seine Erfahrungen mit dem Volksislam in Pakistan und anderen mehrheitlich islamischen Ländern und las einige Passagen aus seinem Buch „Das Sufi Hotel“ mit Beobachtungen über Heilige und einfache Menschen in einem ärmeren Geschäfts- und Wohnviertel der Millionenstadt Karatschi. Hier leben Muslime aus den verschiedensten Ländern, aber alle eint der friedlich praktizierte Glaube an Allah. Nicht die strengen Theologen haben hier das Sagen, sondern die kulturelle Tradition der Gläubigen: die Geisterbeschwörungen, Wahrsagerei, Riten für religiöse Trance oder die Vermittlung „heiliger Männer“ zur Genesung von Krankheiten werden vollzogen oder in Anspruch genommen. Niemand beschimpft hier den anderen als Ungläubigen, auch wenn die religiösen Praktiken kaum den Inhalten der Predigten konservativer Moscheevorsteher entsprechen.
Überall in Pakistan leben also Muslime mit den unterschiedlichsten Traditionen friedlich miteinander, ebenso mit Hindus und Christen. Alle drei Religionen treffen sich hier zu gemeinsamen Festen. Zugleich müssen alle gemeinsam auch den Terror fürchten, den andere Muslime ausüben, weil sie diese spirituelle Religiosität der Menschen als „gottlos“ ansehen. Mehr als 100 Attentate von muslimischen Terroristen gegen Gläubige zählt Pakistan im Jahr. Das schlimmste Attentat erfolgte an einem Heiligengrab, das von Tausenden Frauen und Kindern umlagert war, als ein Attentäter mit seiner Bombe mehr als 140 von ihnen in den Tod riss. Muslime, die nicht einmal den Koran kennen, die aber teilweise als Kinder in Koranschulen jahrelang gegen die eigenen Glaubensbrüder aufgehetzt wurden, fühlen sich selbst von Gott auserwählt, andere Muslime als „Gottlose“ (arabisch: Kufar) zu ermorden.
Offenbar sind sich viele Muslime selbst die größten Feinde, so wie in der Vergangenheit ja auch Millionen Christen andere Christen in den Tod schickten, weil sie einige Sätze der Bibel anders interpretierten als jene. In der islamischen Welt, so konnte Frank Bliss ergänzen, kam es schon wenige Jahre nach dem Tod des Propheten Muhammad zur ersten Spaltung, als es nämlich um seine Nachfolge ging. In einem Bürgerkrieg siegten die Kriegsherren, die die militärische Macht hatten, über die aus Sicht vieler Muslime legitimen Nachfolger aus der Familie des Propheten. Es entstand die Mehrheitsfraktion der Sunniten, die heute weltweit vier Fünftel der Muslimen bilden und die Minderheit der Schiiten. Beide Gruppen bekämpften sich jahrhundertelang und noch heute streiten der Iran, als Hauptsitz der Schiiten, und Saudi Arabien, das die Führerschaft der sunnitischen Muslime reklamiert, um die Autorität in der Auslegung des Korans. Aber beide eint, dass sie Abweichler aus ihren Reihen, z.B. die Ahmadi-Muslime, die Alewiten in Syrien und auf dem Balkan, die türkischen Alaviten und andere Muslimgruppen für Ungläubige halten und in vielen Ländern verfolgen.
Spätestens seit Ende der 1970er Jahre hat die Rigorosität der Koranauslegung in den islamischen Ländern zugenommen. Der Salafismus, der ein Leben der Muslime wie zu Zeiten des Propheten Muhammad im 7. Jahrhundert fordert, hat auch liberale Staaten wie Tunesien erreicht und ist sogar in Deutschland gelandet. Viele der vom Verfassungsschutz beobachteten, heute rund 17.000 Salafisten neigen zur Gewalttätigkeit. Diese Dschihadisten („die den heiligen Krieg führen“) genannten Extremisten sind es, die u.a. im Irak oder Syrien Andersgläubige als Sklaven gehalten oder vor laufender Kamera geköpft haben - und wieder waren es mehrheitlich anders denkende Muslime, die den Mördern zum Opfer gefallen sind. Dennoch, so waren sich Frembgen und Bliss einig, wolle die Mehrheit der Muslime weltweit von Gewalt in der Religion nichts wissen. Allerdings sahen die Referenten auch die Gefahr, dass die einseitige Haltung der westlichen Staaten und auch Deutschlands zur Palästina-Frage derzeit leider viele Fraktionen im Islam, islamische Extremisten, traditionelle Gläubige und Laizisten, die sonst in keiner Weise etwas miteinander zu tun haben wollten, in der Wut gegen den Westen zumindest zeitweise vereinen könne. Heute, mehrere Wochen nach der auch von den Besuchern der Veranstaltung lebhaft geführten Diskussion, scheint sich diese Vorahnung in drastischer Weise zu bestätigen, wenn linke laizistische Palästinenser mit Salafisten und sogar Anhängern des terroristischen Islamischen Staates (IS) Hand in Hand gegen die Politik des Westens und der Bundesregierung demonstrierten, so Frank Bliss, der sich seit 1986 mit der Palästina-Frage beschäftigt und darüber diverse Studien erstellt hat, im Nachtrag zu der spannenden Veranstaltung.
Pressemitteilung
des Arbeitskreises für
entwicklungspolitische Bildung
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