Allgemeine Berichte | 01.02.2020

Neujahrskonzerte „2020“ des Musikverein/Jugendmusikverein Holler

Den Staub des Alltages durch Musik von der Seele waschen lassen

Als Format hatten sich die erfindungsreichen Musikerinnen und Musiker in diesem Jahr eine „Chart-Show“ einfallen lassen, in der sie die im Jahr zuvor vom Publikum ausgewählten Titel präsentierten

Es dürften wohl mehrere hundert Meter bzw. eine Vielzahl verschiedenster Kabel und Leitungen gewesen sein, welche die Technik-Crew des Musikvereins verlegt hatte, um die Neujahrskonzerte mit einer Videowand, diversen feststehenden und beweglichen Kameras sowie Licht und Ton insgesamt zu einem funktionierenden Ganzen zu kombinieren. Quelle: Fotograf Markus Salzmann

Holler. Es dürften wohl mehrere hundert Meter bzw. eine Vielzahl verschiedenster Kabel und Leitungen gewesen sein, welche die Technik-Crew des Musikvereins unter Leitung und Planung von Marius Ferdinand in der Sport- und Kulturhalle Holler verlegt hatte, um die Neujahrskonzerte „2020“ mit einer Videowand, diversen feststehenden und beweglichen Kameras sowie Licht und Ton insgesamt zu einem funktionierenden Ganzen zu kombinieren. Als Format hatten sich die erfindungsreichen Musikerinnen und Musiker in diesem Jahr eine „Chart-Show“ einfallen lassen, in der sie die im Jahr zuvor vom Publikum ausgewählten Titel präsentierten. Viele Besucher, darunter wie immer etliche Stammgäste, sprachen nach den Konzerten von einem abwechslungsreichen, originellen, spannenden und (trotz einer Dauer von deutlich mehr als drei Stunden) kurzweiligen Programm.

Wie üblich überlässt es der Musikverein seinen Gästen darüber zu urteilen, ob anspruchsvoll und gekonnt musiziert wurde – eine Frage, die die Musikerinnen und Musiker am meisten beschäftigt. Zu hören waren auf jeden Fall viele wunderbare, meist bekannte Melodien und auch die Allerjüngsten der musikalischen Früherziehung hatten, betreut von Theresa Keller und Lisa Diedert, als „Anheizer“ mit ihren Applaus-Tafeln ihren liebenswerten Auftritt. Das Vororchester mit Benedikt Gorgas am Taktstock entführte zum irischen „Schloss Armagh“ und mit „Under the Sea“ zur Meerjungfrau Arielle. Unter dem Dirigat von Stefan Weidenfeller, der das von Sonja Freisberg einstudierte Programm souverän in Vertretung dirigierte, landete das Ausbildungsorchester an den 500 Meilen südlich von New York liegenden „Shackelford Banks“ und präsentierte den von Phil Collins geschriebenen Soundtrack zum Disney-Film „Die Bärenbrüder“. Marcus Müller ließ mit dem Jugendorchester „Atlantis“ sehr mystisch untergehen und sie konnten anschließend auch bei der mitreißenden Filmmusik zu „Tribute von Panem“ und erst recht mit den bekanntesten „Coldplay“-Songs die Konzertgäste überzeugen. Alle drei Nachwuchsorchestern wurden vom Publikum zurecht mit anhaltendem Applaus belohnt.

Mit dem mächtigen „Königsmarsch“ in den zweiten Teil

Wie 74 Musikerinnen und Musiker des sinfonischen Blasorchesters in der Sport- und Kulturhalle Holler klingen, hörte man gleich zu Beginn des zweiten Teils mit dem mächtigen „Königsmarsch“ (Richard Strauss). Die kompakte und wohlklingende „Jupiter Hymn“ (Gustav Holst) stand ebenfalls auf den Publikumswunschzetteln und die schon legendäre „Hocker-Musi“ der Schlagzeuger führte zwangsläufig zu frenetischem Beifall. Mit einer wunderbaren Version des Bond-Klassikers „Skyfall“ zeigte Theresa Keller, dass Adeles Schuhe zwar groß, aber eben nicht zu groß sind. Drei längere Arrangements schafften es ebenfalls in die TOP-14-Charts und die Zuhörer bereuten es nicht: zum einen die originelle Programmmusik „In 80 Tagen um die Welt“ (Otto M. Schwarz) und ganz am Schluss des Abends, als Nr. 1, die Musik zum „Phantom der Oper“, dem bis dato erfolgreichsten Musical weltweit; in seinem fast 15-minütigen Arrangement breitet Johan de Meij die schönen Themen Andrew Lloyd Webbers derart vor dem Publikum aus, als wolle er sagen: „Seht her, das ist Musical!“ Aber das war es noch nicht ganz: Besonders beim letzten der vier Konzerte wurde die Ankündigung „Platz 6: Der König der Löwen“ von den Konzertgästen bereits mit einem wohligen Raunen kommentiert, was das Orchester offensichtlich zusätzlich motivierte. Und wenn dann – wie in einigen Kommentaren in den sozialen Netzwerken zu lesen und auch im persönlichen Gespräch geäußert – die Konzertbesucher mehrfach das Adjektiv „berührend“ verwenden oder eine Besucherin sagt, sie habe im Konzert zweimal der Musik wegen geweint, dann ist es auf einmal gar nicht mehr so wichtig, ob jede Note richtig gespielt wurde, denn dann hat die Musik Emotionen hervorgebracht; und welches schönere Kompliment könnte es für die Musikerinnen und Musiker der vier Orchester geben, als wenn ihnen jemand diese Emotionen eingesteht? Daran „Schuld“ mögen die vielen kleinen Soli an zahlreichen Instrumenten, der teilweise imposante Gesamtklang der Orchester oder auch die dazu eingespielten visuellen Effekte auf der großen Leinwand, z. B. die bunt schillernden Bilder aus König der Löwen, die jedermann kennt, gewesen sein. Jeder konnte es für sich entdecken, doch erlauben sie den Verfassern dieses Textes noch kurz, auf ihre persönlichen Highlights einzugehen: Für den modernen Sound sorgten E-Piano, E-Gitarre sowie E-Bass und neben der rhythmischen Top-Leistung an den Barhockern und dem vielfach satten Orchesterklang waren es oft die feinen Töne von Oboe, Englisch-Horn und Querflöte, die sinfonische Blasmusik ausmachen. Aber auch ein kleines, feines Altsax-Solo in „Can you feel the love tonight“, das nicht gespielt, sondern regelrecht zelebriert wurde, trug dazu bei die zuvor bereits erwähnten Emotionen zu erzeugen. Doch Musiker werden erst durch ihren Dirigenten zu einem Orchester und daher wurde der Leiter des SBO, Ulrich Reifenrath, für den diese Konzerte gleichermaßen seinen Abschied von der Hollerer Bühne bedeuteten, nicht nur mit einem Präsent, sondern auch mit Standing Ovations verabschiedet. Dem Wunsch nach Zugaben wurde das Orchester schließlich mit der mitreißenden Gesangnummer „Walking on Sunshine“ und dem traditionell zum Schluss gespielten „Radetzky Marsch“ gerecht.

Neben der Musik traten aber auch weitere Talente hervor: Außer der amüsanten, lockeren Atmosphäre, die eine glänzend aufgelegte Gastgeberin Janine Best mit ihren Co-Moderatorinnen und -Moderatoren Julia Rüter, Jennifer Hartenstein, Theo Ferdinand und Balthes Meyer erzeugte, kam mit Christopher Schmidt ein täuschend echter Udo Lindenberg daher. Janine Best hielt auch die filmischen sowie textlichen Fäden der Moderation und Präsentation souverän in ihrer Hand.

Mit einem Hinweis auf die eingangs bereits genannte Technik-Crew, in der neben Marius Ferdinand auch Steffen Mies, Manuel Baier, Balthes Meyer und Lorenz Wagner einige Urlaubstage „opferten“ (für Ben Müller war jeweils unmittelbar nach der Schule „Dienstbeginn“), um wieder einmal aus einer Idee ein tolles Event zu machen, schließen sie die Nachlese. Gerade in diesen unruhigen Zeiten, auf der großen „Weltbühne“ genauso wie in unserem „kleinen Dorf“, ist es doch wunderbar, sich einmal – und wenn auch nur für drei Stunden – den Staub des Alltages durch Musik von der Seele waschen zu lassen und diese Momente zu erleben.

Es dürften wohl mehrere hundert Meter bzw. eine Vielzahl verschiedenster Kabel und Leitungen gewesen sein, welche die Technik-Crew des Musikvereins verlegt hatte, um die Neujahrskonzerte mit einer Videowand, diversen feststehenden und beweglichen Kameras sowie Licht und Ton insgesamt zu einem funktionierenden Ganzen zu kombinieren. Quelle: Fotograf Markus Salzmann
Gastgeberin Janine Best erzielte mit ihren Co-Moderatorinnen und -Moderatoren Julia Rüter, Jennifer Hartenstein, Theo Ferdinand und Balthes Meyer eine amüsante, lockere Atmosphäre.Quelle: Fotograf Markus Salzmann

Gastgeberin Janine Best erzielte mit ihren Co-Moderatorinnen und -Moderatoren Julia Rüter, Jennifer Hartenstein, Theo Ferdinand und Balthes Meyer eine amüsante, lockere Atmosphäre.Quelle: Fotograf Markus Salzmann

Viele Besucher, darunter wie immer etliche Stammgäste, sprachen nach den Konzerten von einem abwechslungsreichen, originellen, spannenden und trotz einer Dauer von deutlich mehr als drei Stunden, kurzweiligen rogramm.Quelle: Fotograf Markus Salzmann

Viele Besucher, darunter wie immer etliche Stammgäste, sprachen nach den Konzerten von einem abwechslungsreichen, originellen, spannenden und trotz einer Dauer von deutlich mehr als drei Stunden, kurzweiligen rogramm.Quelle: Fotograf Markus Salzmann

Die schon legendäre „Hocker-Musi“ der Schlagzeuger führte zwangsläufig zu frenetischem Beifall.Quelle:Fotograf Markus Salzmann

Die schon legendäre „Hocker-Musi“ der Schlagzeuger führte zwangsläufig zu frenetischem Beifall.Quelle:Fotograf Markus Salzmann

Es dürften wohl mehrere hundert Meter bzw. eine Vielzahl verschiedenster Kabel und Leitungen gewesen sein, welche die Technik-Crew des Musikvereins verlegt hatte, um die Neujahrskonzerte mit einer Videowand, diversen feststehenden und beweglichen Kameras sowie Licht und Ton insgesamt zu einem funktionierenden Ganzen zu kombinieren. Quelle: Fotograf Markus Salzmann

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