Schüler überreicht Bürgermeister Facharbeit zum Schicksal der drei ukrainischen Zwangsarbeiter
Der Anlass des Termins im Rathaus war ein ganz Besonderer
Rheinbach. Leonard Gibalowski, Schüler am Erzbischöflichen Sankt-Joseph-Gymnasium Rheinbach, hat im Unterrichtsfach Geschichte eine Facharbeit mit dem Titel „Das Schicksal der drei ukrainischen Zwangsarbeiter Peter Spaak, Wladislaw Talzschaview und Wladislaw Dedjarew in Rheinbach, in den Jahren 1942 - 1945“, verfasst.
Diese Arbeit übergab der siebzehnjährige Leonard Gibalowski im Beisein seines Vaters und seiner Fachlehrerin Daniela Roggendorf an Bürgermeister Stefan Raetz im Rheinbacher Rathaus. In seiner Ausarbeitung schildert der Schüler das Schicksal der drei Ukrainer Peter Spaak, Wladislaw Talzschaview und Wladislaw Dedjarew, die im Frühjahr 1945 durch Nazi-Schergen in Rheinbach wegen eines geringfügigen Diebstahls erhängt wurden. Als Hauptverantwortliche waren dabei der von den Nazis eingesetzte Bürgermeister Josef Wiertz, Polizeimeister Johannes Schmitz und der Hilfspolizist Breuer.
„Ich bin auf die Idee zu der Arbeit gekommen, weil ich des Öfteren an dem im letzten Jahr im Stadtpark errichteten Mahnmal vorbei gekommen bin. Es war für mich eine große Herausforderung, da die Opfer in meinem Alter waren und damit kommt mir deren Schicksal noch näher. Bei der Recherche hatte ich große Unterstützung durch Dietmar Pertz vom Stadtarchiv und Peter Mohr. Mich hat interessiert, wie solche Morde damals möglich waren“, berichtete der Schüler. Leider sei es nicht möglich gewesen, Aufzeichnungen aus der Zeit der Tat zu bekommen, da die zwei Haupttäter vor ihrer Flucht das Rathaus der Stadt in Brand steckten, um ihre Gräueltaten zu verwischen. Bei der Recherche halfen auch frühere Zeitungsberichte und das Stadtarchiv Bonn. Mohr, der auch bei der Übergabe dabei war, hatte schon seit Jahren die Errichtung eines Mahnmals gefordert, damit die Gräueltaten nicht in Vergessenheit gerieten. Im vorletzten Jahr fand Mohr endlich Gehör bei der Politik und so konnte mit Spendenmittel das Mahnmal an der Stelle errichtet werden, an dem die Morde 1945 geschahen.
Peter Mohr, der bis heute Mitglied im Archiv-Verein Rheinbach ist, hatte schon vor Jahrzehnten Erkenntnisse über die Morde zusammen getragen und publiziert. „Es ist wichtig, dass sich junge Menschen mit der grausamen Vergangenheit beschäftigen und einen Kompass dafür bekommen. Auch die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg gehören zu unserer Vergangenheit“, konstatierte Mohr in seiner Rede.
„Wir haben uns damals auch in Rheinbach an den Menschen versündigt. Diese Arbeit von Leonhard Gibalowski würdigt das Schicksal der drei Opfer. Und das sind keine Fake News. Es ist wichtig, dass die Mahnungen nicht verhallen“, mahnte der Bürgermeister. Es sei zudem in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg eine Städtepartnerschaft mit Verdun, im Nordosten Frankreichs am Ufer der Maas, geplant. Hier verloren über einhunderttausend Soldaten ihr Leben. Daniela Roggendorf, die Geschichtslehrerin des Schülers, der zur Zeit die zwölfte Klasse des St. Josef Gymnasiums besucht, war sehr erfreut, als sie erfuhr, dass Leonard sich diesem dunklen Thema der Vergangenheit annehmen wollte. „Ich danke für die Unterstützung seitens der Stadt Rheinbach und Herrn Peter Mohr, ohne die Leonard seine Arbeit nicht hätte erstellen können. Wir werden die Arbeit auch den anderen Klassen unserer Schule vortragen“, so die Lehrerin. Auch plane man, im Rahmen von „Rheinbach liest“, die Arbeit von Leonhard Gibalowski einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Auch der Vater des Jungen, Jürgen Gibalowski, war sehr erfreut, dass sein Sohn sich dem Thema aus der NS Zeit angenommen hatte. „Vor dem Hintergrund der Gräueltaten der NS-Zeit ist es heute mehr denn je wichtig, dass wir uns für unsere Freiheit einsetzen, dass sich so etwas nicht wiederholen kann“, so der Vater von Leonhard.
„Es ist unglaublich, dass durch ein halbherzig durchgeführtes Entnazifizierungsverfahren die drei Mörder nie zu Rechenschaft gezogen wurden“, schloss Leonard Gibalowski seinen Vortrag im Rheinbacher Rathaus. Interessenten können eine Kopie der Arbeit von Leonard Gibalowski gegen eine Gebühr im Stadtarchiv erwerben.
