Erste Damensitzung der Karnevalsgesellschaft 1903 Obermendig in der Schützenhalle
Der Hexenkessel brodelte fast sechs Stunden lang
240 Besucher waren hellauf begeistert – Der 121 Jahre alte Verein hat mittlerweile 500 Mitglieder
Mendig. Spektakuläre Tänze, süffisante Zwiegespräche, mitreißende Liedvorträge, ein paar lustige Sticheleien nach unten, sprich nach Niedermendig: Bei der ersten Damensitzung der Karnevalsgesellschaft 1903 Obermendig in der mit 240 Gästen ausverkauften Schützenhalle in Obermendig boten ausschließlich Eigengewächse wieder einmal alles, was sie schon in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat. Fast sechs Stunden lang brodelte der Hexenkessel, um beim großen Finale förmlich wie ein Vulkan auszubrechen. Wer Lust verspürt, eine der zwei nächsten Damensitzungen zu besuchen, muss enttäuscht werden: Beide sind restlos ausverkauft. Die Neugierigen müssen sich anderweitig informieren.
Nach dem Einmarsch des Elferrats und der Kellbachfunken schlug Sitzungspräsident Nico Junglas mit
David Diedrich, Hajo Steinmann und Christian Müller mit seinem Säbel drei weitere Karnevalisten zu Elferräten, die nun mit 19 Leuten am Start sind. Das Trio musste allerdings schwören, beim Mendiger Veilchendienstagszug drei Viertel der Kamelle unters Volk zu bringen, bevor der Wagen die Brücke nach unten überquert. Was nicht das geringste Problem war.
Bei der offiziellen Begrüßung war Junglas stolz auf die Historie des mittlerweile 121 Jahre alten Vereins: „Am 4. Februar 1903 kam nicht Rom, sondern die KGO aus dem Ei. Und aus 37 Mitgliedern sind sagenhafte 500 geworden.“ Anschließend blickte der eloquente Sitzungspräsident auf das Jahr 2023 zurück und nahm sowohl die Bundes- als auch die Kommunalpolitiker aufs Korn. Themen wie der Lindenbaum, Grundstücksangelegenheiten und die Ablehnung des Mühlsteinreviers auf die deutsche Vorschlagsliste für das Unesco-Welterbe durften da nicht fehlen.
Die 22-köpfige Kindergarde präsentierte unter der Leitung von Angi Müller und Andreas Müller einen Feuerwehrtanz. Beim Beratungsgespräch im Mediamarkt wurden erstmals die Lachmuskeln strapaziert. Die ältere Dame (Ruth Franzen-Furch) wollte ihre Schreibmaschine von anno dazumal reparieren lassen, weil das F hängt. Der jüngere Verkäufer (Lukas Furch) war der Verzweiflung nahe. Dass sich die KGO keine Sorgen um den Nachwuchs machen muss, bewiesen die Jugendgarde unter Trainerin Sarah Uelmen und die Kellbachfunken unter der Leitung von Sonja Mohr bei einem gemeinsamen Gardetanz. German Heuft und Thorsten Barthelmeh kamen als Fußballfans daher. Bänkelsänger Andree Niederelz unterhielt das Publikum mit seinen Stimmungsliedern.
Nicht wegzudenken aus dem Sitzungskarneval ist die „Hex von Mennesch“ alias Annette Tiede, die trotz leichter Schwierigkeiten beim Pult-Aufbau die Politiker durch den Kakao zog und ihnen die Leviten las. Viel Lokalkolorit war auch dabei. Den Weihnachtmarkt in Obermendig fand sie überragend, aber statt minus zwei Grad hätten es auch plus sechs Grad getan. Zudem habe sie in Obermendig eine kleine Cannabis-Plantage entdeckt. Sie hielt der Gesellschaft und sich selbst den Spiegel vor. Ein Grundsatz, der auch bei der KGO gut ankommt. Dass die „Hex von Mennesch“ nicht ohne Zugabe von der Bühne kam, versteht sich von selbst. Der Saal lag ihr zu Füßen.
Das Husarencorps „Jack von der Wasserschöpp“ machte in seinen Vereinsfarben Schwarz-Rot-Silber richtig was her. Viel Musik mit einigen Blasinstrumenten und einige Tänze hatten sie im Portfolio. Kommandeur Frank Neideck, Regimentskapellmeister German Heuft, Tanzcorpsleiterin Melissa Wetzel sowie Angi Müller (Kadettentanz) und Judith Fuchs (Tanzpaar) hatten alles perfekt vorbereitet.
Nach einer 30-minütigen Pause zeigte die Tanzgruppe „Owemagics“ mit Musik aus den neunziger Jahren, was ihre Trainerinnen Malena Bahr und Vanessa Müller mit ihnen einstudiert hatten. Danach zog der Mendiger Prinz Thorsten I. (Kohns) - reisender Husar vom Kamm und flinker Scher mit seinem Hofstaat in die Schützenhalle ein. Er ist der Prinz für alle Mendiger, entstammt aber der KG 1903 Obermendig. Worauf die oben und speziell Nico Junglas (2018 letzter Prinz der KGO) sehr stolz sind. Die „Highstone Dancers“ leiteten mit ihrem Tanz „Royal Rock“ langsam aber sich das Finale ein.
Da in der zweiten Hälfte einer Sitzung der Lärmpegel erfahrungsgemäß steigt, hatten die Organisatoren nur das Zwiegespräch eines Ehepaars als Wortbeitrag eingeplant. Das aber hatte es in sich: Caroline und Michael Hamann, der Vorsitzende der KGO, blickten auf ihr Leben zurück. „Schatz der Wikinger“ hieß es beim Herrenballett „Johannishöfer“ mit ihrer Trainerin Judith Fuchs. Das Publikum musste bei den akrobatischen Sprüngen und waghalsigen Hebefiguren mehrmals den Atem anhalten. Knapp unter der Decke der altehrwürdigen Schützenhalle ließen sich die Tänzer kopfüber in die Tiefe fallen. Zum großen Finale bat die Musikgruppe „Seleweknain“ (Silberkaninchen) alle Mitwirkenden nach vorn. Christopher Endres, Nico Junglas (beide Gesang), Simon Schumacher (Gitarre) und Stefan Schumacher (Akkordeon) ließen es so richtig krachen. David Endres (Bass) fehlte krankheitsbedingt. Aber das kann er bei den beiden restlichen Damensitzungen ja noch nachholen.
Hier kommt die Feuerwehr, in diesem Fall die Kindergarde.
Als „Hex von Mennesch“ legte Annette Tiede den Finger in die Wunde.
Beim Beratungsgespräch im Mediamarkt hatte Ruth Franzen-Furch einiges auszusetzen.
Sitzungspräsident Nico Junglas schlug David Diedrich, Hajo Steinmann und Christian Müller mit seinem Säbel zu Elferräten.
