Allgemeine Berichte | 08.06.2021

Trey Lee gastierte beim Grafschafter Kunstverein

Der „Lang Lang des Cellos“ spielte in Holzweiler

Grafschaft-Holzweiler. Trey Lee gilt als „Lang Lang des Cellos“. Im Rahmen der Serie „Burgenklassik 2021“ gastierte er jetzt beim Grafschafter Kunstverein. Begleitet wurde aus Hongkong stammende Star von vier vielfach preisgekrönten Stipendiatinnen und Stipendiaten der Landesstiftung Villa Musica.

Einlasskontrolle, Datenerfassung, Impf- und Testnachweise, Maskenpflicht, kürzeres Programm, keine Pause, ausgedünnte Sitzreihen: Auch im Foyer der Maerker-Villa in Holzweiler waren die Spuren der Pandemie nicht zu übersehen. Und doch war es ein ein eindrucksvolles Signal für das brutal verwüstete Kulturleben, dass jetzt im Rahmen der Reihe „Burgenklassik“ wieder live gespielt werden konnte. Hauptstück des Programms war Dvoraks Streichquintett Opus 70. Es bietet den Mitwirkenden vergleichsweise viel solistische Entfaltungsmöglichkeiten. Doch Lee verzichtete darauf, diese Möglichkeit des musikalischen Textes herauszumodellieren. Vielmehr setzte er mit seinen vier jungen Kolleginnen und Kollegen auf nahtloses, eng geführtes Zusammenspiel und Faszination durch Klangregie. Im ersten Satz blitzte das Solistentum dann doch auf, als Davis Sliecans (Viola) mit einer dezidierten Passage beeindruckend hervortrat. Dvorak spielte selbst jahrelang Viola im Orchester des Prager Interimstheaters und gibt hier ganz offenkundig „dem Affen Zucker“. Insgesamt herrschte genau die feurige, ausgelassene Stimmung im Eingangssatz, wie sie in der Satzbezeichnung „con fuoco“ markiert ist. Elizabeth Gebhardt am ersten Geigenpult ließ mit ihrem emotionalen Kantilenen-Ton aufhorchen. Trey Lee agierte als gleicher unter gleichen. Mit seinem genialen musikalischen Potenzial unterstützte er seine Schützlinge sehr wirkungsvoll.

Das atemberaubend dichte und zugleich spielerisch vielfältige Zusammenspiel der Streicherinnen und Streicher war aber schon im Anfangsstück zu bemerken, als der berühmte Gast aus Fernost noch gar nicht mitspielte. Vom ersten Takt des Terzettos C-Dur, Opus 74 an war eine geradezu magnetische Anziehungskraft zu spüren. Charlotte Woronkow (erste Violine) und Elisabeth Gebhardt (zweite Violine) sowie Davis Sliecans boten einen musikalische Hochgenuss. Das sehr musikantische Scherzo (dritter Satz) gestalteten sie abwechslungsreich und sensibel.

Zum anschließenden Notturno Opus 40 kamen Trey Lee und Kontrabassist Paul Pappinen aufs Podium. Das Werk ist als urspünglicher Satz des nachfolgenden Streichquintetts Opus 70 eigentlich eine „Auskoppelung“. Seine weiteren Bezeichnungen, „Intermezzo“ und „Andante religioso“, beschreiben, warum es als musikalische „Ouvertüre“ für das Hauptstück des Konzerts ganz ausgezeichnet zur Geltung kommt. Bei den zahlreichen Konzertabsagen der vergangenen 15 Monate hatte der erste Vorsitzende des Kunstvereins, Dr. Peter Maeker, an der Quelle erlebt, wie katastrophal sich der plötzliche Stillstand des Konzertlebens sich auf die jungen aufstrebenden Nachwuchsmusikerinnen und -musiker ausgewirkt hat. Daher hat er mit Freude die erste sich bietende Gelegenheit beim Schopf ergriffen und einen Akzent für das allerorts hart getroffene Musikleben gesetzt. Kunst und Kultur ist auch im reichen Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Sie sind vielmehr eine stets durch Achtlosigkeit und Barbarei bedrohte Besonderheit, die nur durch das selbstlose Engagement von Persönlichkeiten wie ihm am Leben erhalten wird. So war es ein beglückender Moment, als die zwei Dutzend Besucherinnen und Besucher applaudieren, als wären sie hundert. Ihre anhaltenden Bravo-Rufe veranlassten Trey Lee und Kontrabassist Paul Pappinen zu Astor Piazzollas „Oblivion“ als umjubelter Zugabe.

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